130 Jahre alter Baum in Marbach: Die alte, aber vitale Eiche vor der VR-Bankfiliale soll gerettet werden. Foto: Werner Kuhnle

Umweltschützer in Marbach im Kreis Ludwigsburg wollen Unterschriften sammeln, um die 130 Jahre alte Eiche auf dem Grundstück der VR-Bank zu retten.

Scharf zurückgewiesen hat der Marbacher Bürgermeister Jan Trost die Kritik des Nature-Life-Präsidenten Claus-Peter Hutter, wonach Marbach noch nicht reif für die Landesgartenschau 2033 sei. Sauer aufgestoßen hat Trost auch Hutters Bemerkung, Friedrich Schiller würde alle Ehrbezeugungen der Stadt zurückgeben, wenn die rund 130 Jahre alte Eiche vor der VR-Bank für ein Neubauprojekt geopfert würde. Trost bezeichnet Hutter als Lobbyisten, der „populistische polemische Vergleiche“ mit bereits Verstorbenen anstelle. Indessen formiert sich in der Schillerstadt der Widerstand gegen die Baumfällung. Der Nabu hat eine Unterschriftensammlung ins Leben gerufen.

 

Im Gegensatz zu einem „Lobbyisten“ müsse ein Bürgermeister alle Faktoren im Blick haben, entgegnet Jan Trost in einer Stellungnahme zu den Vorhalten Claus-Peter Hutters. Der Verlust des Baumes sei zwar bedauerlich, „für die Verwaltung überwiegen aber die Vorteile einer Neukonzeption.“ Trost sieht in den 25 Eigentumswohnungen, den 45 Parkplätzen in einer Tiefgarage, von denen 18 öffentlich sind, sowie dem neuen König-Wilhelm-Platz „mehr Lebensqualität in der Stadt“.

Der König-Wilhelm-Platz mit der großen Eiche (links hinten) soll neu gestaltet werden. Foto: Werner Kuhnle

Der Marbacher Bürgermeister wünscht sich grundsätzlich eine Versachlichung der Debatte: „Da wir glücklicherweise in einem Rechtsstaat leben, werden alle naturschutzrechtlichen Belange im Verfahren – das ja noch nicht einmal begonnen hat – bewertet und entsprechend ausgeglichen.“

Das Landratsamt ist noch nicht kontaktiert worden

Noch nicht kontaktiert worden sei die untere Naturschutzbehörde des Landratsamtes Ludwigsburg, teilt die LRA-Sprecherin Franziska Schuster mit, „weder von Seiten der Planer noch von Seiten des Baurechtsamts der Stadt Marbach“. Die Eiche auf dem Vorplatz der VR-Bank sei nicht als Naturdenkmal geschützt. Da sich der betroffene Bereich innerhalb der Stadt Marbach befinde, entscheide die Stadt selbst im Rahmen ihrer Planungshoheit.

Aufgeworfen hatte die Baumrettung der Marbacher Reinhard Wolf, der als langjähriger Leiter der Naturschutzabteilung im Regierungspräsidium Stuttgart den Wert der Eiche für die Stadtökologie kennt. Wolf will für die Erhaltung des Baumes kämpfen. Der Naturschützer ist mit dem BUND und dem Nabu in Marbach vernetzt. Der örtliche Nabu-Vorsitzende Klaus Ruge kündigte an, eine Unterschriftensammlung zu initiieren. Sie trägt den Titel „Bäume haben keine Lobby – sie haben nur uns.“

Der Nabu beklagt den Verlust eines ähnlich alten Baumes

Ruge hält Hutters Andocken an Friedrich Schillers Geisteshaltung für legitim: „Der gebildete Mensch macht sich die Natur zum Freund“, zitiert er den Dichter, dessen Satz die Stadtmauer schmückt. Eine etwa 100  Jahre alte Buche sei in den Vorjahren bereits für ein Bauvorhaben in der Schillerstraße gefällt worden. Müsse überhaupt an der Stelle am König-Wilhelm-Platz ein Haus stehen?, frage er sich. „Hätte Schiller das noch erleben müssen, hätte es in der Glocke vielleicht geheißen: ,Wo rohe Planer sinnlos walten, da kann sich keine Eiche halten’.“

Im Widerstand zieht Klaus Ruge aus den Gedanken des in Marbach geborenen Dichters Kraft: „Ich will nicht, dass der Schillergeist – der bekanntlich durch alle Marbacher Gassen weht – erschrocken Wallensteins Satz heraussprudelt: „Da stehst du nun, ein entlaubter Stamm!“ Bei der Gartenschau würden wohl ein paar kümmerliche Felsenbirnenkrücken Schillers Boulevard säumen, argwöhnt der Ornithologe. „Vielleicht daneben eine Gedenktafel des Heimatvereins für die stolze deutsche Eiche.“ Ruge will Verbündete finden, wie einst der Apfelschützen in Wilhelm Tell: „Verbunden werden auch die Schwachen mächtig.“

VR-Bank sieht Frage des Baumbestands als offen an

Der VR-Bank wolle die Lebensqualität in der Innenstadt steigern und habe bewusst frühzeitig mit dem Planungsprozess begonnen, teilt ein Sprecher mit. „Die Neugestaltung der Immobilie am König-Wilhelm-Platz ist für uns kein reines Anlageprojekt.“ Natürlich müsse die VR-Bank Immobilienprojekte auf eine wirtschaftlich gesunde Basis stellen, aber ein Neubau wäre aus ihrer Perspektive nicht zwingend erforderlich. Das heiße auch: „Die Veränderung des Baumbestandes ist noch keine beschlossene Sache.“

Ein Fachgutachter sei beauftragt worden. „Es wird geprüft, inwiefern wir schonend in den Baumbestand eingreifen können und ob eine Versetzung einzelner Bäume möglich ist.“ Die Bank lade Interessierte ein, die Ergebnisse zu diskutieren, sobald sie vorlägen.