International erfolgreich: VoXXClub will „immer für gute Laune sorgen“ Foto: swr

Voxxclub stehen für gute Laune. Jetzt aber schlägt Sänger Florian Claus Corona-Alarm. „Die Veranstaltungsbranche braucht konkrete Unterstützung“, sagt er den „Stuttgarter Nachrichten“.

Stuttgart - Florian Claus hat ein klares Ziel: „Wir wollen den Menschen Freude machen.“ In einer Münchner Einkaufsmeile, so will es die Legende, legen 2013 fünf Musiker einfach mal los. Der Funke zündet. Harte Beats katapultieren Volksmusik nicht nur auf die große Bühne, sondern auch in die Clubs. Die Idee VoXXClub wird zur Band, aus der Band wird eine Marke, die sich bald auch international positionieren kann.

Musikbranche hat in der Corona-Krise viel investiert

„Wir wollen den Leuten Spaß vermitteln, damit sie ihren Alltag etwas vergessen können“, sagt Claus. Auch und gerade jetzt. In den vergangenen Wochen, sagt Claus, „hat die gesamte Künstlerszene, haben die Musiker, die Sänger und ihr Umfeld zusammengehalten und mit vielen Aktionen versucht, zu helfen“. Und: „Es wurde unglaublich viel Kreativität ins Netz gestellt, um den Leuten in dieser schweren Zeit ein bisschen Ablenkung zu geben.“

Jetzt der große Verlierer?

Nun aber sieht der Voxxclub-Sänger die Musikbranche als Verlierer. „Es wird“, schreibt Claus in einem offenen Brief an die Bundesregierung, „von so vielen Branchen gesprochen, die hart getroffen sind, die Einzelhändler, die Autohäuser, Gastronomen, Hoteliers und andere. Ohne Frage sind alle davon hart getroffen und haben jede Hilfe verdient, die man ihnen geben kann. Aber in keinem Gespräch taucht die Veranstaltungsbranche auf“.

In fast allen Branchen, sagt Claus, gebe es Möglichkeiten, zumindest im kleinen Rahmen wieder zu eröffnen. „In unserer Branche ist dies leider anders.“ Wer professionell Musik mache, brauche das Konzert, brauche eine Publikumsgröße, die einen Auftritt rentabel mache. „Solange dies durch die Krise nicht möglich ist“, sagt Claus, „gibt es für alle Mitarbeiter unserer Branche keine Möglichkeit ihren Lebensunterhalt zu verdienen.“

Die Menschen hinter und neben der Bühne sehen

Florian Claus geht es um Grundsätzliches: „Langsam komme ich an einen Punkt, wo ich mir wirklich Sorgen mache.“ „Nicht nur um mich, sondern um unsere gesamte Branche und vor allem um die vielen Menschen, die nicht im Rampenlicht stehen, die als erste betroffen waren, die wahrscheinlich bis zuletzt davon betroffen sein werden und die von ihren Jobs in dieser Branche leben.“

Egal ob VoXXclub oder eine andere erfolgreiche Formation: Man müsse die Menschen hinter und neben der Bühne sehen. Könne die jeweilige Band nicht auftreten, bliebe all diesen „nur die Grundsicherung“. Und schon das Beispiel VoXXclub zeige die Dimension: Zu finanzieren sind „fünf Musiker, davon drei Familienväter. Unser Tontechniker, Familienvater mit zwei Kindern. Unser Lichttechnikerteam (wechseln sich ab), ebenfalls beides Familienväter. Unsere Tourbegleiter (hier auch Väter dabei). Unsere Bandbusfahrer, unser Manager, ebenfalls Familienvater, unsere Bookerin, unsere Agentur, unsere Technikfirma, die bei unseren Auftritten die Technik stellt und viele Angestellte hat. Dazu kommen noch die Veranstalter und Caterer vor Ort oder Techniker vor Ort“ – und diese Liste, sagt Claus, „könnte noch lange fortgesetzt werden“.

„Komplett vergessen“

Umso schlimmer sei es, im viel zitierten „Hochfahren“ des gesellschaftlichen Lebens im Abseits zu stehen. „Man hat irgendwie das Gefühl“, sagt Florian Claus, „dass wir in der ganzen Debatte komplett vergessen werden, obwohl wir die mit am längsten und härtesten betroffene Branche sind – mit der schlechtesten Chance auf Wiederaufnahme der Arbeit“.

Einzig die Live-Auftritte bringen das Geld

Warum aber gibt es dann nicht den großen und gemeinsamen Aufschrei? „In unserer Branche, vor allem wenn man auch über das Fernsehen bekannt ist“, sagt Claus, „wird ungern über Geld gesprochen“. Die Angst sei groß „in die Ecke gestellt zu werden: Der reiche Musiker, Künstler, Sänger hat doch genügend Geld und will jetzt noch mehr“. Die Realität aber sei eine andere: „Unsere einzige Einnahmequelle ist das Live-Geschäft“, betont Claus, „mit CD oder YouTube oder Streaming ist (bis auf ganz wenige Ausnahmen) kein großes Geschäft zu machen“.

„Gebt uns eine Perspektive“

Für Florian Claus ist es in der Veranstaltungsbranche längst nicht mehr nur fünf vor zwölf. „Nun, wo alles langsam wieder ins Rollen kommt, denkt über unsere Branche nach“, ruft er den politischen Entscheidern zu, „gebt uns eine Perspektive“. Dafür, dass andere Freude haben, dafür dass auf der Bühne alles leicht aussieht, sagt Claus, „arbeiten so viele Menschen wirklich sehr hart“. Nun bräuchten die Mutmacher Rückenwind. „Gebt uns“, sagt der VoXXclub-Sänger, „etwas, worauf wir hoffen können, etwas womit wir die nächsten Monate überleben können, damit wir, wenn wir endlich wieder auftreten dürfen, auch noch da sind!“. Claus’ Fazit: „Wir alle brauchen keine guten Worte der Hoffnung, sondern konkrete Unterstützung“.

Sorgenvoller Blick nach Brasilien und nach New York

Den Blick für die Schrecken andernorts verliert Claus bei alldem nicht. Die Situation in Brasilien mache ihm „große Sorgen“, sagt er. „Zumal dort leider ein Präsident an der Macht ist, der den Ernst der Lage immer noch nicht anerkennt. Es betrifft leider vor allem die Ärmsten, und ich befürchte, dass die größte Katastrophe da noch bevorsteht.“ Und auch nach Nordamerika geht Claus’ Blick: „Ich habe“, sagt er, „derzeit viel Kontakt zu Freunden in Amerika, vor allem in New York. Da bessert sich die Lage zum Glück im Moment, aber die Situation ist dort mehr als dramatisch“.

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