Nur posen ist VoXXclub zu wenig – die Band schlägt Corona-Alarm Foto: VoXXclub/C.BARZ

Volksmusik-Star Florian Claus schlägt Alarm: Die Veranstaltungsbranche stehe in der aktuellen Corona-Debatte im Abseits. „Wir brauchen einen Runden Tisch für die Branche“, sagt Claus den „Stuttgarter Nachrichten“.

Stuttgart - Das wirtschaftliche Leben in Deutschland läuft wieder an – doch ohne die Veranstaltungsbranche, fürchtet VoXXclub-Sänger Florian Claus. Claus hat einen Alarmruf an die Bundesregierung gesandt. Es fehle an „konkreter Unterstützung“. Um was es dabei geht, erläutert der Volksmusik-Star im Interview.

Herr Claus, der VoXXclub-Kalender ist stets prall gefüllt – wo wären Sie aktuell?

Stimmt, wir haben das große Glück, dass wir eigentlich viel auftreten dürfen. Im Moment wären wir auf sehr vielen Frühlingsfesten und Festivals unterwegs und würden unsere Wieder Dahoam Tour spielen.

Sie haben die ganze Achterbahn des Musikgeschäftes hinter sich, können inzwischen die Größe der Anlage und das Tempo mitbestimmen. Wie fühlt es sich da an, erst gar nicht einsteigen zu können?

Das ist ein schlimmes Gefühl. Eben noch hat man einen laufenden Betrieb und freut sich, dass nach kurzer Winterpause endlich die Konzertsaison wieder losgeht, und plötzlich bekommt man gesagt, dass man auf unbestimmte Zeit nicht mehr arbeiten darf. Völlig unverschuldet. Das ist schon kein schönes Gefühl.

Sie führen in Ihrem Alarmruf aus, dass alles Streaming nett sei, mit Umsätzen oder gar Erträgen jedoch nicht allzu viel zu tun habe. War es eventuell eine selbst gestellte Falle, dass sich das Musikgeschäft so stark auf die Einnahmequelle Live-Event konzentriert hat?

Naja, wir als Künstler haben da leider, was die Art des Musikvertriebs angeht, relativ wenig mitzusprechen. Als wir mit voXXclub angefangen haben, war die Situation schon so, dass man das Livegeschäft unbedingt brauchte. Dies kommt uns ja auch zugute, da wir viel auftreten können. Dass wirklich weltweit alle Konzerte abgesagt werden, ist ein Szenario, mit dem man nicht wirklich rechnen kann.

Und wie sehen Sie den CD- beziehungsweise Streaming- Markt?

Klar, der hat sich verändert. Das bringt vor und Nachteile mit sich. Das Schöne ist, dass man sämtliche Musik sofort verfügbar hat und jederzeit anhören kann. Aber es fällt natürlich die Vorfreude weg, wenn man in den Laden marschiert und sich ein neues Album kauft und dieses das erste mal in den CD-Spieler legt. Das Streaming ist per se nichts schlechtes, allerdings ist die Art, wie hier die Vergütung geregelt wird sehr ungünstig und begünstigt ein paar wenig Künstler,, wogegen ein Großteil sehr wenig abbekommt.

Das Ringen um nennenswerte finanzielle Beteiligung am Dauergeriesel der Sozialen Medien wurde nicht zu früh aufgegeben?

Wir sind Musiker die im Social Media sehr präsent sind und so einen regen Austausch mit unseren Fans haben. Da ist es schon richtig, seinen Hauptfokus auf die Musik und die Konzerte zu legen.

Wie wenige andere auch schien VoXXclub eine Zeit dauerpräsent. Alles schien zu gelingen. Wie bleibt man da eigentlich auf dem buchstäblichen Teppich? Die Verantwortung, die Sie jetzt skizzieren, ist ja in diesem Höhenflug ständig gewachsen. War Ihnen dies wirklich bewusst?

Wir fünf Jungs haben uns schon gegenseitig immer wieder auf dem Teppich gehalten. Uns war die Verantwortung schon immer sehr schon immer sehr bewusst und wir haben das nie aus den Augen verloren. Wir haben nie über das Maß gelebt und unsere Strukturen so aufgebaut, dass es gut funktioniert und das langfristig. Wir sind einfach dankbar, Musik machen zu dürfen, die so viele Menschen hören wollen. Jetzt hoffen wir nur sehr stark darauf, dass wir das auch endlich wieder dürfen.

Von der Band zum Unternehmen – das ist im Erfolg ein logischer Schritt. Zugleich aber braucht es das Bild der Band, um die viel beschworene Authentizität zu erzeugen. Wie schwierig war/ist dies?

Dies ist tatsächlich immer ein schmaler Grad. Wir sind eigentlich wirklich bodenständige Jungs, die sich nach dem Auftritt auch gerne mal ins Getümmel stürzen und mit den Fans noch zusammen feiern. Das funktioniert natürlich mit steigernder Bekanntheit immer weniger. Wir haben riesigen Spaß bei dem, was wir da machen und machen das wirklich gerne. Aber man muss einfach auch sehen, dass wir natürlich von etwas leben möchten und deswegen mit der Musik, die wir machen, auch Geld verdienen müssen und dürfen.

Die Grenzen im Musikgeschäft sind anhaltend hart gezogen. Sie stehen im Event-Licht, im Unterhaltungs-Scheinwerfer. Da wird gerne leicht verdientes Geld unterstellt. Stört Sie das?

Jein. Normalerweise ist es ja unser Job. Wir wollen den Leuten Spaß vermitteln, damit sie ihren Alltag etwas vergessen können und das soll ja nicht nach harter Arbeit aussehen. Aber manchmal wäre es schon schön, wenn manche Menschen anerkennen würden, dass da viel harte Arbeit dahintersteckt. Wir haben vor der Coronapause gerade unser neues Album herausgebracht und unsere neue Tour einstudiert. Das ist viel Arbeit, für die man nicht bezahlt wird. Jetzt wäre eigentlich die Zeit gekommen, die Ernte der Arbeit einzusammeln. Dazu kommt es jetzt leider nicht.

Könnten jetzt, in dieser Krise, vielleicht viele der Grenzen fallen, die Beteiligten im Musikgeschäft näher zusammenrücken?

Das wäre mein großer Wunsch, aber es sieht derzeit leider nicht danach aus. Vor allem die großen Künstler, die eine starke Stimme hätten, melden sich nicht zu Wort – wahrscheinlich vor allem aus Angst, da man schnell in eine Ecke gedrängt wird: Der reiche Künstler will jetzt noch mehr Geld. Dass aber auch viele Menschen im Hintergrund arbeiten, die im Moment nicht wissen wie sie den nächsten Monat überstehen sollen, wird dabei leider oft nicht bedacht

Sie formulieren in Ihrem offenen Brief einen Ruf nach Unterstützung – Wie soll die genau aussehen? Und wie langfristig muss diese angelegt sein?

Finanzielle Unterstützung ist das eine, also die Corona-Hilfen so zu erweitern, dass diese nicht nur für betriebliche Ausgaben genutzt werden dürfen, wäre ein erster Schritt. Viel wichtiger fände ich aber einen Großen Runden Tisch mit Beteiligten der Branche, und der Politik um über Pläne zu reden: Wie das Veranstaltungswesen die Corona-Zeit übersteht. Man muss bedenken, dass wir die einzige Branche sind, in der es derzeit überhaupt keine Perspektive gibt, wann wir wieder öffnen können.

Und wie lange halten Sie an VoXXClub fest, bevor Sie sagen müssen – das Unternehmen muss wieder eine Band werden, die Band vielleicht sich ganz neu orientieren?

Naja wir sehen uns immer noch mehr als Band, denn als Unternehmen. Wir halten so lange durch, wie es geht. Die Frage ist, ob dann noch genug Veranstalter oder Techniker da sind, die bereit sind, Konzerte zu durchzuführen.

Bleiben Sie dennoch optimistisch?

Auf jeden Fall, die Hoffnung geben wir nie auf

Bei alldem verengen sich leicht die Perspektiven. Sie sind auch in Brasilien aufgetreten – was empfinden Sie bei den Nachrichten und Bildern aus einem der großen Pandemie-Hotspots?

Da empfinde ich sehr große Sorge. Zumal dort leider ein Präsident an der Macht ist, der den Ernst der Lage immer noch nicht anerkennt. Es betrifft leider vor allem die Ärmsten, und ich befürchte, dass die größte Katastrophe da noch bevorsteht. Ich hoffe, die Brasilianer überstehen dass und lassen sich ihre Lebensfreude nicht nehmen

Haben Sie aktuell Kontakt zu Freunden und Bekannten dort?

Ich habe derzeit viel Kontakt zu Freunden in Amerika, vor allem New York. Da bessert sich die Lage zum Glück im Moment, aber die Situation ist dort mehr als dramatisch.

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