Bei den Tauben von Sergey Stupakov sind laut Veterinäramt keine Stresssymptome zu erkennen. Foto: Lichtgut/Max Kovalenko

Das Veterinäramt hat die Vorwürfe gegen die Tauben-Nummer beim Stuttgarter Weltweihnachtscircus geprüft. Jetzt greift die Behörde ihrerseits die Tierschützer an.

Nach einer Kampagne mehrerer Tierrechtsgruppen gegen eine Zaubernummer mit Tauben im Stuttgarter Weltweihnachtscircus gibt die städtische Veterinärbehörde Entwarnung. Zwei Amtstierärztinnen hätten sich die Nummer des ukrainischen Illusionisten Sergey Stopakov am Dienstag vorführen lassen und die Tricks geprüft. Es habe „keinen Grund für irgendwelche Beanstandungen gegeben“, sagte der Sprecher der Stadt, Sven Matis.

 

Der Hamburger Influencer Malte Zierden und die Gruppe Animal Rebellion hatten in einem Video, das sie auf Instagram veröffentlichten, den Zirkus hart angegriffen. Die Tauben würden bei den Tricks angebunden, in engen Taschen versteckt und in einem zu engen Hohlraum gepresst. Die städtische Veterinärbehörde widersprach dieser Darstellung. Man habe bei den Vögeln keine Krankheitssymptome und auch keine Stresssymptome festgestellt, sagte Matis.

Veterinäramt: Tierschonender Trainingsaufbau

Im Unterschied zu den Aktivisten habe das Veterinäramt sich das Geschehen aus der Nähe ansehen können. „Das Verhalten der Tiere lässt keine Rückschlüsse auf Angst oder sonstige Leiden zu“, versicherte die Behörde. Es handele sich um einen tiergerechten und schonenden Trainingsaufbau.

Am kommenden Freitag wollen Tierrechtsaktivisten wieder vor dem Weltweihnachtscircus protestieren. Foto: Lichtgut/Ferdinando Iannone

Was die Tierschutz-Kampagne betrifft, wird die Veterinärbehörde deutlich: „Die Filmsequenzen der Vorstellung im Video wurden durch verzerrende und unzutreffende Behauptungen und Einspielungen ergänzt, weshalb der vermittelte Eindruck nicht den Tatsachen entspricht.“ Der im Video dargestellte Tisch und die Kommentierung der Vorführung widerspreche der realen Vorführung im Zirkus, heißt es weiter. Auch seien die Tauben nicht an ihren Beinchen angebunden.

Kampagne behindert Tierschutz

„Das Ganze war ein Sturm im Wasserglas“, sagte Matis, der von mehr als 10 000 Mails sprach, die bei der Stuttgarter Veterinärbehörde im Zuge der Kampagne der Tierschutzorganisationen inzwischen eingegangen seien. Die gleichlautenden Meldungen brächten aber keine neuen Erkenntnisse, könnten im schlimmsten Fall aber dazu führen, dass andere Tierschutz-relevanten Meldungen nicht zeitnah bearbeitet werden könnten. „Das ist sehr bedenklich.“