Die Jüngsten aus der John-Cranko-Schule tanzen das Ballett „Viva Vivaldi“ Foto: Stuttgarter Ballett

Die Tanz-Matinee für die Aktion Weihnachten ist immer wieder ein besonderes Ereignis im Stuttgarter Tanzkalender. Auch in diesem Jahr sorgen John-Cranko-Schule und Stuttgarter Ballett mit neuen Stücken für Überraschungseffekte. Der Vorverkauf beginnt an diesem Dienstag, dem 8. Oktober.

Stuttgart - Eine Ballett-Gala kann leicht zur Leistungsschau werden. Welcher Tänzer springt höher und landet leichter, welche Tänzerin dreht präziser ihre Pirouetten? Dass es bei der Matinee, mit der John-Cranko-Schule und Stuttgarter Ballett seit vielen Jahren gemeinsam die Aktion Weihnachten unserer Zeitung unterstützen, nie allein um solche Virtuosität geht, macht sie so besonders. Sie bietet einen feierlichen und doch familiären Rahmen, der die Gemeinschaft betont und den Mut belohnt, sich selbst und Neues zu erkunden.

Die schöne Solidarität von Nachwuchs und arrivierten Stars wird sich am 8. Dezember, wenn die Benefizveranstaltung in diesem Jahr die Bühne des Opernhauses aufs Neue bespielt (Karten gibt es hier), in einem Tänzer in sehr auffälliger Weise manifestieren: in Gabriel Figueredo. Der junge Brasilianer hat in diesem Sommer seine Ausbildung an der John-Cranko-Schule abgeschlossen und konnte während seiner Lehrjahre bereits so viele internationale Preise sammeln, dass ihm die Türen der Ballettwelt sicherlich weit offenstehen. Doch der talentierte junge Mann mit dem auffallend langgliedrigen Körperbau will weiterhin in Stuttgart Karriere machen und wurde Gruppentänzer des Stuttgarter Balletts.

Uraufführung für ein Ausnahmetalent

Das zeigt nicht nur den hohen Status der Kompanie, sondern auch ihre besondere, familiäre Atmosphäre. Fast selbstverständlich ist es da schon, dass einer der vielen auch choreografisch begabten Kollegen von Gabriel Figueredo dem neuen Ausnahmetalent in der Kompanie eine Uraufführung auf den Leib choreografier will. Und man darf sicher sein, dass Alessandro Giaquinto, der schon bei mehreren Noverre-Abenden neue Ballette präsentierte, in seinem Solo Gabriel Figueredo und sein Ausnahmetalent ins beste Licht rücken wird.

Der Halbsolist Fabio Adorisio ist den Stammgästen der Weihnachtsgala bereits bestens bekannt; im letzten Jahr hat er mit einer Uraufführung für einen Höhepunkt gesorgt, in diesem Jahr ist er mit einer deutschen Erstaufführung dabei. „Umarmung“ heißt das Stück für fünf Tänzer und Tänzerinnen, das zu Musik von Beethoven getanzt wird und beim Festival in Spoleto im Juni dieses Jahres erstmals gezeigt wurde.

Agnes Su sorgt für ein Leuchten

Die Stuttgarter Solistin Agnes Su hat in diesem Jahr erstmals die Gelegenheit genutzt und beim Noverre-Abenden im Schauspielhaus ihr choregrafisches Können ausgetestet. Mit „White Light“ glückte ihr gleich ein Volltreffer, der allein schon durch sein ausgeklügeltes Lichtkonzept bestens in die Adventszeit passt und für äußerst stimmungsvolle Effekte sorgen wird mit den drei Tänzern, die in einen roten, einen grünen und einen blauen Lichtkegel getaucht sind. Schöne Farbmischungen ergeben ihre Begegnungen – und überraschende Bewegungen, die Agnes Su, die selbst in Blau tanzt, wie einen Schatz mit gewichtigen Gesten aus großer innerer Ruhe birgt.

Dieses Innehalten prägt auch das Ballett „Meditative State“, in dem zwei junge Schüler einen achtsamen Blick auf ihre Welt werfen – choreografiert hat es ihre Mitschülerin Tabitha Dombroski, uraufgeführt wurde es im Juli beim Auftritt der Schule im Opernhaus und kehrt nun für die Weihnachtsgala zurück ebenso wie „Viva Vivaldi“. In dieser prachtvollen Adaption höfischer Tänze sind mal wieder die Jüngsten aus der Cranko-Schule auf der Bühne, die beiden Choreografinnen Stefania Sansavini und Valentina Falcini lassen sie in halblangen Blüten- und Glitzerröcken extrem gut aussehen.

Und natürlich kommt am zweiten Adventssonntag auch auf seine Kosten, wer solch märchenhaften Ballettschwelgereien liebt: Die Schüler dürfen in klassischen Variationen ihr Können unter Beweis stellen wie zum Beispiel in einem Pas de quatre aus August Bournonvilles exotischem Ballett „Abdallah“, der eigens von Linda Hindberg Enevold, einer ehemaligen Solistin des Royal Danish Ballets, einstudiert wird. Und das Stuttgarter Ballett macht mit dem großen Pas de deux aus Marcia Haydées „Dornröschen“ Lust auf den Klassiker, der im Dezember zurück auf die Bühne kommt. Ein bisschen Leistungsschau muss doch sein!

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