Rund 40 Personen kamen zum Sondervortrag mit vielen Ausstellungsstücken ins Ludwigsburg Museum. Foto: Simon Granville

Das Ludwigsburg Museum hat nach dem Ende der Rockfabrik viele Objekte eingelagert. Bei einer einmaligen Schau der Fotos und Relikte kamen bei den Besuchern Emotionen hoch.

An die legendäre Rockfabrik erinnert sich Micha noch sehr gut. An die vielen Nächte, die er dort verbracht hat – aber auch an eine Anzeige, die er vor Jahren in der Zeitschrift „Musikexpress“ las. Darin suchte jemand aus Norddeutschland für vier Wochen eine Unterkunft in Ludwigsburg – um die RoFa anzuschauen. „Das Ding hatte einen Ruf in ganz Deutschland, das war klasse“, erzählt der Rockfabrik-Fan Micha.

 

Seit mittlerweile sechs Jahren ist die RoFa nun Geschichte. Doch sie ist noch immer tief im Gedächtnis der Menschen verankert. Das erklärt auch, warum der Andrang im Ludwigsburg Museum am Mittwochmittag so groß ist. In der ersten Museumspause des Jahres – ein monatliches Kurzvortragsformat – ging es um Objekte, die das Stadtmuseum von der RoFa besitzt. „Normalerweise haben wir zehn Leute hier, heute waren es 40. Man merkt, dass das Thema immer noch zieht“, erklärt Museumsmitarbeiter Manuel Schönberg.

Die „Queen of Metal“ Doro Pesch war mehrmals zu Gast in der Rockfabrik. Foto: Simon Granville

Einladungskarte für Abschiedsfeier

Manche RoFa-Objekte kamen als Schenkung in die Sammlung, andere kaufte das Stadtmuseum an. Das „Highlightobjekt“, wie es Schönberg nennt, ist der Neon-Leuchtschriftzug, der bereits seit 2020 im Eingangsbereich des Museums hängt. Der Rest lagert im Depot – normalerweise. Für die Museumspause wurden sie aus den Lagerräumen geholt und ausgestellt.

Zur umfangreichen Sammlung gehören unter anderem 175 Fotografien, die letzte Getränkekarte sowie die Einladungskarte zur Silvesterparty 2019, die gleichzeitig die Abschiedsveranstaltung der RoFa war. Auf den Fotografien sind einige der berühmten Gäste zu sehen: Scorpions-Gitarrist Rudolf Schenker, Iron Maiden-Frontmann Bruce Dickinson oder Doro Pesch.

Schon kurz nach der Schließung fand der ikonische Schriftzug der Rockfabrik einen neuen Platz im Ludwigsburg Museum. Foto: Simon Granville

RoFa war wie ein Wohnzimmer für die Menschen

Die anwesenden Besucher haben einige dieser Rocklegenden persönlich gesehen. Micha erinnert sich zum Beispiel gerne zurück an ein Konzert von Motörhead 1986, zu einer Zeit, in der „sie nicht so angesagt waren“. Zwischen 20 und 30 Konzerte hat er in der RoFa erlebt. „Sie hatten ein richtig geiles Live-Programm. Und sie haben auch Newcomer-Bands eine Möglichkeit gegeben, auf sich aufmerksam zu machen. Mit der RoFa ist wirklich eine Institution gestorben“, sagt er.

Die bedruckten Collagen hingen einst in der Rockfabrik aus – heute lagern sie im Depot des Ludwigsburg Museums. Foto: Simon Granville

Allerdings gebe es auch heute noch genügend Veranstaltungsorte für Konzerte in der Region, fügt RoFa-Stammgast Simon an. „Es war auch ein bisschen eng für Konzerte“, meint er. Trotzdem hat auch er gute Erinnerungen: 2003 sah er dort beispielsweise die US-amerikanische Thrash-Metal-Band Testament, „meine Lieblingsband“.

Keine Frage, die Menschen wünschen sich die RoFa zurück. Wenn es nach Rockfan Claudia geht, dann fehlt eine solche Institution „ganz gewaltig, weil es nicht nur eine Disco war, sondern auch eine soziale Komponente hatte“. „Es war für viele wie eine Art Wohnzimmer.“ Doch nach dem Ende der Museumspause verschwindet die RoFa erstmal wieder in der Versenkung. Was bleibt, ist einzig die Hoffnung, dass es eines Tages doch noch ein Comeback gibt.