In der Weilheimer Peterskirche ist das Bild „Höllenschlund zu sehen. Foto:  

Ein Vortragsabend im Esslinger Landratsamt beleuchtet die Reformationszeit in Württemberg und speziell im heutigen Kreisgebiet. Auch die unterschiedlichsten Akteure, vom Bauernkriegshauptmann bis zum Landesherrn, werden skizziert.

Esslingen - Im Großen Sitzungssaal des Esslinger Landratsamtes sind schon viele Wortschlachten zum Wohlergehen und der Zukunftsfähigkeit des Kreisgebildes geschlagen worden. Jetzt, zum auslaufenden 500. Jubiläumsjahr der Reformation, war im Rahmen der Kreisarchivreihe „Geschichte und Gegenwart im Kreis Esslingen“ ein Vortragsabend angesagt, der insbesondere den mehr lokalen bis regionalen Ereignissen und Vorkommnissen zwischen 1517 und 1534 galt – und damit weit in die Vergangenheit zurückreichte. Referenten des gemeinsamen Programms von Kreisarchiv sowie Stadtarchiv und Stadtmuseum Esslingen waren der Historiker und Lehrer Steffen Seischab aus Linsenhofen und der Kreisarchivar Manfred Waßner.

Steffen Seischab lag mit seiner Eingangsthese sicher nicht ganz falsch, wonach mittlerweile die Kenntnis der Reformationsgeschichte aus theologischer Warte auch dem Laienpublikum bekannt sei. Jedenfalls größtenteils und zumindest in groben Zügen.

Gnade für den Bauernführer

Und so wählte er mit dem Sektenführer und „Täuferkönig“ Augustin Bader sowie dem Bauernkriegshauptmann Matern Feuerbacher exemplarisch zwei Zeitgenossen aus. Die sind zwar weniger bekannt, können aber nach Persönlichkeitsstruktur, Werdegang und Schicksalsschlägen mit frappierenden bis skurrilen Aspekten aufwarten.

Bader, ein Weber und Familienvater aus Augsburg, fühlte sich Endzeitfantasien und Erwähltheitsvisionen ausgesetzt und hatte Getreue um sich versammelt. Vor allem Letzteres, so der Referent, machte ihn verdächtig, die habsburgische Obrigkeit im Land argwöhnte einen Aufstand, 1530 wurden Bader und etliche seiner Anhänger deshalb hingerichtet.

Bauernführer Feuerbacher wiederum, der im Mai 1525 mit seinem Haufen auch in Kirchheim und Nürtingen kampierte, galt als ein Mann der Mäßigung und des Ausgleichs. Das hat ihm laut Steffen Seischab Kritik in den eigenen Reihen eingebracht, andererseits aber auch höchstwahrscheinlich das Leben gerettet – weil sich nach seiner Verhaftung etliche Fürsten für seine Freilassung einsetzten. Sowohl im Falle Baders als auch Feuerbachers hat Seischab die spätere Geschichtsschreibung verfolgt. Dabei seien insbesondere in den USA die Mennoniten unter dem Stichwort der „Radikalen Reformation“ auch auf Bader und sein Handeln eingegangen.

Im Mittelpunkt von Manfred Waßners Beitrag stand Württembergs Herzog Ulrich, der unmittelbar nach seiner Rückkehr aus der 15-jährigen Verbannung im Jahre 1534 damit begann, die Reformation im Land einzuführen. Doch bis dahin ist viel passiert: 1511 heiratet der Regent Sabina von Bayern, was ihn freilich nicht davon abhält, weiter Ursula Thum von Neuburg, der Frau seines Stallmeisters Hans von Hutten, nachzustellen. Die Sache eskaliert, im Mai 1515 ermordet der Herzog seinen Stallmeister im Wald bei Böblingen.

Den Landesherrn vom Hofe gejagt

Auch politisch läuft’s seinerzeit nicht gut für Ulrich: Er verweigert die Zustimmung zur Vertragserneuerung mit dem Schwäbischen Bund, die Bauern meutern und seine militärischen Unternehmungen floppen anfänglich größtenteils. Schließlich reicht es dem Bund, und der Landesherr wird vom Hofe gejagt.

Bereits bei seiner Begrüßung zum Vortragsabend hatte Landrat Heinz Eininger dafür plädiert, sich in Zeiten von gezielter Falschinformation (Fakes) und Desinformation auf Luthers Werte wie etwa die Wahrhaftigkeit zu besinnen. Und unter Hinweis auf die Weilheimer Peterskirche hatte Kreisarchivar Waßner abschließend noch einen Besuchstipp parat: Hier lasse sich noch heute ein „Abglanz vorreformatorischer Bilderfreude“ ablesen.

Hat Ihnen der Artikel gefallen? Jetzt teilen: