Bereit für die nächste Techno-Sause – dieses Mal nicht in der EWS-Arena, sondern in einem Innenhof des Boehringer Areals: Veranstalter Mathis Imgart (rechts) und Maximilian Pfandl, ein Mitarbeiter der ersten Stunde.​ Foto: Staufenpress

Büros, Ateliers, KI-Zentrale: Das Boehringer-Areal in Göppingen lebt – und bebt – zumindest für einen Tag. Am 28. Juni steigt hier im Innenhof eine Techno-Party.

Die Göppinger Handball-Halle wurde im Februar zum zweiten Mal zum Techno-Club. Nach dem Erfolg der Premiere im Vorjahr ließ der Jungunternehmer Mathis Imgart die EWS-Arena erneut beben. 13 internationale DJs waren beim Vortex-Festival am Start. Die Resonanz sei durchweg positiv gewesen, sagt der 24-Jährige. Schnell sei ihm die Idee gekommen, ein Sommer-Event auf die Beine zu stellen. ​

 

„Uns war wichtig, auf jeden Fall den regionalen Bezug beizubehalten“, sagt der Göppinger. Das Boehringer-Areal würde sich anbieten, dachten sich die Macher. Und nach dem Motto „fragen kostet ja nichts“ habe er sich an die städtische Tochter Businesspark Göppingen BPG gewandt, der das ganze, riesige Industrieareal an der Stuttgarter Straße gehört. Die anfängliche Skepsis sei schnell Wohlwollen gewichen. „Wir konnten näher bringen, dass das Ganze auf einem ganz professionellen Level stattfindet“, erklärt Imgart.

Kleinere, familiäre Ausgabe des Vortex-Festivals

Nach rund zwei Monaten Vorbereitungszeit ist es nun so weit: Am Samstag, 28. Juni, wird in einem Innenhof des Boehringer-Areals das erste „Vortex Sommer Pop-up“ steigen. Eine kleinere, familiärere Ausgabe des Festivals in der EWS-Arena. Von 11 bis 22 Uhr werden hier an diesem Tag die Bässe wummern. „Es gibt mehr Techno, das heißt, wir fahren nicht die super harte Schiene“, betont der Organisator. Ziel sei, die Party „etwas zugänglicher“ für unterschiedlichstes Publikum zu machen – gerade auch, weil die Sause tagsüber stattfindet. Zudem sei an diesem Samstag Kulturnacht in Göppingen, die Stadt also ohnehin auf den Beinen.

„Der Vorverkauf läuft gut“, sagt der Göppinger, dessen Ziel es ist, ein „cooles Event“ auf die Beine zu stellen – am besten natürlich bei sommerlichem Wetter. Sechs DJs aus Deutschland sind dieses Mal am Start, einer sei beim ersten Vortex-Festival dabei und so begeistert gewesen, dass er wiederkommt, meint Imgart. Zudem erwarten die Besucherinnen und Besucher zwei Bars und eine überdachte Chill-out-Area zum Krafttanken.

Innovatives Zentrum

„Außerdem wird es einen Ketten-Workshop geben, um zusätzlich für Festival-Feeling zu sorgen“, verrät der Hauptorganisator der Techno-Sause. „Die Licht- und Tontechnik steht. Wir werden eine coole Bühne haben und alles mit viel Liebe dekorieren“, gibt der Jungunternehmer einen weiteren Vorgeschmack auf die Sommer-Premiere. Die anderen Mieter auf dem historischen Industriegelände seien im Übrigen einverstanden mit diesem Event, unterstreicht er. Und noch eines ist Mathis Imgart wichtig: Er sei zwar der Kopf des Ganzen, hinter den Vorbereitungen des Events steht aber ein ganzes, sehr junges und eingespieltes Team.​

Apropos andere Mieter: Einer mit Strahlkraft ist das sogenannte HIVE. Die Buchstaben stehen für „Hub for Innovation, Vision and Execution“, zu deutsch: Zentrum für Innovation, Vision und Umsetzung. Dahinter verbirgt sich die Idee, dass viele lokale und regionale Netzwerkpartner bei der konkreten Umsetzung von Künstlicher Intelligenz (KI) gemeinsame Sache machen und die Technologie für sich einsetzen. Als Anlaufstelle soll eine trendige, aus vielen Schiffscontainern, Stahl, Holz und Glas aufgebaute KI-Zentrale dienen. Die Container sollen in Modulbauweise auf 2200 Quadratmetern Grundfläche in einer der Hallen auf dem Boehringer-Areal zusammengebaut werden.

Hotspot für KI-Technologie

Kleinere und mittelgroße Firmen sollen hier Zugang zu Branchenwissen, Netzwerken und Software bekommen, hier soll KI erlebbar, in konkreten Anwendungen demonstriert und für die Firmen umgesetzt werden. Es sollen Netzwerke aufgebaut und Förderungen vorangetrieben werden. Die technische Expertise kommt zunächst vom jungen Göppinger Unternehmen Miravision. Im Turbo-Tempo wird das Projekt auf die Beine gestellt: Bis zum Richtfest am Mittwoch, 25. Juni, sollen die groben Arbeiten abgeschlossen sein, die Eröffnung ist noch vor den Sommerferien geplant. „Wir glauben, dass dies eine Chance darstellt, die in dieser Form einmalig ist“, ist der Göppinger Oberbürgermeister Alexander Maier überzeugt.

Boehringer-Areal soll Vorzeigeprojekt werden

Idee
 Gut neun Jahre ist es nun her, dass die Stadt Göppingen in Form ihrer Tochtergesellschaft Businesspark Göppingen BPG das Boehringer-Areal vom Alteigentümer gekauft hat. Von Anfang an hatte es den Stempel eines Vorzeigeprojekts, wie man historische Industrieflächen, die weitgehend unter Denkmalschutz stehen, zum Gewerbestandort der Zukunft machen könne. Seither wurden Wettbewerbe veranstaltet, etliche Konzepte, Studien und Gutachten beauftragt. Das Areal ist großteils vermietet, baulich aber weitgehend im Ursprungszustand. ​

Aufwertung
 Im vergangenen Jahr startete die Stadt den Vorstoß, die über 90 Jahre alte Modellschreinerei und die daneben stehende 115 Jahre alte Gussputzerei zu sanieren und zu beleben – als Initialzündung. Nun geht im Turbo-Tempo das neue Zentrum für Künstliche Intelligenz hier an den Start. OB Alexander Maier hatte das Projekt zusammen mit dem Göppinger KI-Start-up Miravision und namhaften Firmen angestoßen. Das HIVE (zu Deutsch: Zentrum für Innovation, Vision und Umsetzung) im Areal soll am 25. Juli eröffnet werden.