Clemens Stroppel, Generalvikar der Diözese Rottenburg-Stuttgart (li.), und Landesbischof Ernst-Wilhelm Gohl von der evangelischen Landeskirche halten die Abschaffung des Ostermontags nicht für den richtigen Weg, um die Wirtschaft wieder auf Kurs zu bringen. Foto: Silas Stein/dpa / Lichtgut/Simon Granville

Der Vorschlag von Trumpf-Chefin Nicola Leibinger-Kammüller, künftig am Ostermontag zu arbeiten, findet bei den Kirchen keine Zustimmung.

Die katholische Kirche hat mit einem Gegenvorschlag auf die Forderung von Trumpf-Chefin Nicola Leibinger-Kammüller reagiert, zur Verbesserung der wirtschaftlichen Lage den Ostermontag als Feiertag zu streichen. „Man könnte doch auch einfach die sieben bis acht Stunden Arbeitszeit, die mit der Streichung des Ostermontags gewonnen wären, auf die 220 Arbeitstage im Jahr verteilen“, erklärte Clemens Stroppel, Generalvikar der Diözese Rottenburg-Stuttgart, unserer Zeitung.

 

„Das wären dann rund zwei Minuten mehr Arbeit pro Arbeitstag. Oder auch fünf oder zehn Minuten mehr.“ Dazu müssten allerdings die Tarifpartner miteinander reden.

Verständnis für Forderung nach Mehrarbeit

Stroppel äußert Verständnis für die Forderung nach längeren Arbeitszeiten, sieht die Verantwortung für die heutige Lage aber auch bei den Tarifpartnern. Es sei „durchaus so, dass wir, volkswirtschaftlich betrachtet, wohl mehr arbeiten müssen für unser Geld. (…) Wenn ich es richtig sehe, haben Arbeitgeber und Arbeitnehmer gemeinsam geringere Wochenarbeitszeiten bei gleichem oder steigendem Lohn verhandelt, haben Urlaubszeiten festgelegt und Arbeitszeitmodelle entwickelt.“

Trump-Chefin Nicola Leibinger-Kammüller beim Interview mit unserer Zeitung: Ihr Vorschlag, den arbeitsfreien Ostermontag abzuschaffen, bewegt viele Gemüter. Foto: Simon Granville

Zum Ostermontag erklärt Stroppel, dieser sei „als Feiertag kein Naturgesetz und auch kein unmittelbar göttliches Gebot“. Er diene aber nicht nur der seelischen Erbauung, sondern ermögliche auch das Zusammentreffen und die Gemeinschaft an einem gemeinsamen freien Tag. „Dies ist in Zeiten seelischer Herausforderungen, zunehmender psychisch verursachter Krankheitsausfälle und zunehmender Einsamkeit und Vereinsamung nicht zu unterschätzen.“

Evangelische Kirche: Feiertage ermöglichen das Innehalten

Auch die evangelische Landeskirche äußert Verständnis für die Sorge um die Zukunft der heimischen Unternehmen und ihrer Arbeitsplätze. „Ich höre diese Äußerung als Ausdruck der höchst angespannten Lage, in der sich unsere Wirtschaft gerade befindet“, erklärt Landesbischof Ernst-Wilhelm Gohl. Die Debatte um die Streichung von Feiertagen gehöre allerdings nicht an den Anfang der Diskussion. Feiertage seien für eine Gesellschaft ein hohes kulturelles Gut, weil sie Grundfragen des Lebens thematisierten – dazu gehöre auch das Osterfest. „Auch in einer weitgehend säkularen Gesellschaft bieten die Feiertage so die Möglichkeit zum Innehalten.“

Leibinger-Kammüller hatte im Interview mit unserer Zeitung eine Abschaffung des Ostermontags als Feiertag ins Gespräch gebracht. „Wir haben die meisten Feiertage und im Durchschnitt die meisten Krankheitstage“, so die Trumpf-Chefin. So gut wie niemand nehme „heute noch an einer Ostermontags-Prozession teil, für die der Tag im Mittelalter einmal gedacht war. Ich bin überzeugt, wir fänden eine Lösung, ohne dass Beschäftigte danach ins Sanatorium müssen.“

Warum Feiertage Geld kosten

Die Abschaffung von Feiertagen ist für Unternehmer attraktiv, da Beschäftigte in diesem Fall für ihr Monatsgehalt einen Tag länger arbeiten und somit zusätzliche Umsätze zu vergleichsweise geringen Mehrkosten ermöglichen. Bei rund 220 Arbeitstagen im Jahr entspricht ein zusätzlicher Arbeitstag einer Mehrarbeit von 0,5 Prozent.

Welche Rolle selbst einzelne Tage Mehr- oder Minderarbeit im Jahr für die Gesamtwirtschaft spielen, zeigt sich in diesem Jahr an der Prognose der Wirtschaftsweisen, die für das kommende Jahr ein Wachstum von 0,9 Prozent vorhersagen. Ein Drittel dieses prognostizierten Anstiegs ist laut der Vorsitzenden des Gremiums, Monika Schnitzer, allein darauf zurückzuführen, dass im Jahr 2026 mehr Feiertage auf Wochenenden fallen – es im Jahr 2026 also mehr Arbeitstage gibt als in diesem Jahr.

Von Arbeitnehmerseite gibt es allerdings auch Forderungen, Feiertage nicht abzuschaffen, sondern im Gegenteil freie Tage nachzuholen, wenn Feiertage auf ein Wochenende fallen. „Beschäftigte dürfen nicht um ihre Erholungszeit gebracht werden – weder durch Streichung noch durch ungünstige Kalenderzufälle“, hatte der bayerische DGB-Landeschef Bernhard Stiedl Ende Oktober erklärt – unmittelbar vor Allerheiligen, das in diesem Jahr auf einen Samstag fiel.