Ein Schnelltest im Test. Foto: obs/Thomas Lohnes

Gesundheitsminister Spahn kündigt Schnelltests für zu Hause an. Sie könnten auch bei Großveranstaltungen oder in Kliniken und Seniorenheimen eingesetzt werden. Ein Ersatz für die genaueren PCR-Tests sind sie aber nicht.

Berlin - Schnelligkeit ist beim Nachweis des Coronavirus Trumpf. Je schneller klar ist, ob jemand infiziert ist oder nicht, desto schneller kann er isoliert werden und desto besser können andere vor Infektionen geschützt werden. Die Idealvorstellung vieler Gesundheitspolitiker war daher von Anfang an ein Teststäbchen, auf dem man wie beim Schwangerschaftstest nach wenigen Minuten das Ergebnis sieht – ohne zeitraubende Laboruntersuchungen. Entsprechend intensiv wurde an neuen Testmethoden geforscht – mit Erfolg. Dieser Tage bringt unter anderem der Pharmakonzern Roche einen solchen Schnelltest auf den Markt.

Nachweis von Eiweißbestandteilen

Es handelt sich dabei um sogenannte Antigen-Tests, die typische Eiweißbestandteile des Coronavirus nachweisen. Die bislang üblichen PCR-Tests sprechen dagegen auf charakteristische Abschnitte des Viruserbguts an. Sie sind genauer als Antigen-Tests, doch bis das Ergebnis vorliegt, vergehen meist einige Tage. Allerdings müssen auch die Proben für Antigen-Tests bislang von medizinischem Personal genommen werden. Durch fehlerhafte Abstriche könnten Infektionen leichter übersehen werden. Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) hat nun aber auch Tests angekündigt, die jeder zu Hause selber anwenden können soll.

„Es wird – ich kann Ihnen nicht genau sagen wann, aber absehbar, weil die Unternehmen daran arbeiten – auch den Heimtest geben können“, sagte Spahn. Ob das in vier, acht, zwölf oder 16 Wochen der Fall sei, werde man sehen. Um die Probenahme zu erleichtern, wird auch am Nachweis des Erregers in Speichel oder Gurgelwasser gearbeitet. Spahn zeigte sich zuversichtlich, dass Antigen-Tests „zusätzlich in großer Millionenzahl pro Monat“ eingesetzt werden könnten. Mit den Bundesländern und Experten unter anderem des Robert-Koch-Instituts werde beraten, wo die bisher üblichen PCR-Tests und die Schnelltests zum Einsatz kommen sollen.

Einige Infektionen werden übersehen

Hilfreich wären Schnelltests etwa bei Großveranstaltungen oder in Kliniken und Seniorenheimen. Jeder Besucher könnte damit vor Ort getestet werden. Auch die Entscheidung, ob ein erkältetes Kind trotzdem in Schule oder Kita darf, wäre einfacher. Schnelltests haben allerdings den Nachteil, dass sie im Vergleich zu PCR-Tests einen höheren Anteil infizierter Personen übersehen – beim Roche-Test rund 3,5 Prozent. Dafür sind sie kostengünstig und könnten daher in hoher Zahl eingesetzt werden. So kalkuliert der US-Hersteller Abbott mit einem Preis von rund 4,50 Euro pro Test.

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