Viele Ludwigsburger Stadträte sprechen sich für die Idee aus, den barocken Südgarten für Bürger zu öffnen. Die Entscheidungsmacht liegt jedoch woanders – und der Teufel steckt im Detail.
Die Bundesstraße 27 quer durch Ludwigsburg teilt die Stadt und ist eine Barriere für Fußgänger und Fahrradfahrer – soweit, so bekannt. Laut einigen Stadträten ist aber auch das Residenzschloss und das Blühende Barock eine Barriere in der Stadt. Die SPD und die Freien Wähler fordern deswegen einen kostenlosen Bürgerdurchgang durch den Südgarten, das würde einen Teil des Blüba zu einem kostenlosen Park machen. Was dafür spricht, und woran das Projekt scheitern könnte in vier Punkten.
1. Die Ausgangslage
Der hochherrschaftliche Garten ist in den Wintermonaten frei zugänglich, von Ende März bis Ende November kostet der Eintritt jedoch. Die Saison der Gartenanlage wurde in den vergangenen Jahren immer länger, die Eintrittspreise steigen. Auch deswegen gab es bereits mehrere Vorstöße im Gemeinderat, Teile des Blüba auch im Sommer kostenlos zu öffnen. Erst im Frühjahr beantragten beispielsweise die Grünen, dass benachteiligte Menschen ganzjährig freien Eintritt bekommen sollten. Der Antrag fiel durch.
Trotz der vielen Schlappen haben die Freie Wähler und die SPD nun eine neue Idee vorgelegt: Die Eingänge des barocken Südgartens sollen auch während der Blüba-Saison für jeden offen sein, damit sich Bürger dort aufhalten und durch die Anlage in die Stadt laufen können.
2. Die Gründe für eine Öffnung
Jochen Zeltwanger von den Freien Wählern erkennt aktuell viele Belastungen durch das Blüba. Allein der Verkehr und das wilde Parken ärgere immer mehr Ludwigsburger, so Zeltwanger. Es sei an der Zeit, dass die Bürger wieder mehr von der Parkanlage profitieren. Durch die Öffnung schaffe man zum einen Erholungsfläche und steigere den Lebenswert der Stadt, so die Befürworter. Zum anderen öffnen sich neue Wege vom Ludwigsburger Osten in die Innenstadt.
Aktuell müssten viele Menschen lange Umwege zum Wochenmarkt oder ins Krankenhaus laufen, sagt Zeltwanger. Und es werde immer schlimmer. Die Saison des Blüba verlängere sich, die Wintermonate des kostenlosen Querens würden immer kürzer werden. Selbst Blüba-Dauerkartenbesitzer müssten häufig um die Anlage herumlaufen, da Events wie der Roncalli-Zirkus den Weg versperren oder die Leuchtenden Traumpfade einen Aufpreis bedeuten.
3. Die Herausforderungen
Laut den Stadträten der Freien Wähler und der SPD bedeutet ihre Idee keinen großen Aufwand. Lediglich die Eingänge des Südgartens würden geöffnet, eine neue Ticketkontrolle entstünde am Durchgang zum nördlichen Teil auf Höhe der Essensbuden, erklärt Daniel O’Sullivan. Andere Detailfragen seien derweil kniffliger, so der SPD-Rat.
Beispielsweise müsste der freie Eintritt bei Veranstaltungen wie dem Straßenmusikfestival oder dem Ballonglühen ausgesetzt werden, sagt O’Sullivan. Auch die Frage nach der Bewirtschaftung sei noch unbeantwortet: Wäre das Blüba für den Südgarten zuständig oder die Stadt Ludwigsburg?
Diese Frage stellt sich auch Oberbürgermeister Matthias Knecht, der skeptisch auf die Idee des kostenlosen Südgartens blickt und diese nicht zielführend findet. Ein öffentlicher Park bedeute Kosten und Aufwand in Person von Gärtnern, der Müllabfuhr und der Polizeibehörde. Knecht befürchtet zudem, dass die Blumenpracht vermehrt dem Vandalismus anheimfalle – eine neue Belastung in finanziell schwierigen Jahren.
Blüba-Leiterin Petra Herrling schweigt trotz mehrerer Anfragen zu dem Vorstoß im Gemeinderat. Sie wird diesen wohl kritisch sehen, der kostenpflichtige Bereich des Blüba würde mit der Öffnung des Südgartens um 20 Prozent schrumpfen. Rufe nach niedrigeren Eintrittspreisen wären wohl die Folge.
4. Noch ein langer Weg
Der Antrag für einen kostenfreien Südgarten wird wohl Anfang 2025 im Gemeinderat beschlossen – eine Mehrheit scheint sicher. Das bedeutet aber noch lange nicht, dass die Idee auch umgesetzt wird. Der Beschluss würde nur zur Folge haben, dass sich der Aufsichtsrat des Blüba mit der Idee beschäftigt. Eine Mehrheit in diesem Gremium, mit dem Vorsitzenden Matthias Knecht, Verantwortlichen der Stadt und des Landes, ist mehr als ungewiss.
„Wir wollen erreichen, dass über die Idee diskutiert wird – sie ist sinnvoll und kostet wenig“, sagt Jochen Zeltwanger von den Freien Wählern. Und SPD-Rat O’Sullivan stellt klar: „Uns ist der Antrag wichtig, es ist aber auch wichtig, dass dieser dem Blüba nicht schadet.“
Das Blüba: Lange kein Park für das Volk
Anfänge
Nach dem Bau des Residenzschlosses und der Gartenanlage 1704 war die Anlage über 100 Jahre dem Adel vorbehalten. Das änderte sich im 19. Jahrhundert, als Ludwigsburg unter Wilhelm I. in die Belanglosigkeit abrutschte. 1828, der Hof war nach Stuttgart gezogen, wurden die Gärten für das Volk geöffnet, aber kaum mehr gepflegt – um das Schloss wurden Obst und Kartoffeln angebaut.
Blühendes Barock
Nach dem Zweiten Weltkrieg war die Schlossanlage erneut heruntergekommen, der Garten ein undurchdringliches Dickicht, durch das nur noch Trampelpfade führten. Die neue Behörde der Staatlichen Anlagen und Gärten unter Direktor Albert Schöchle änderte das und veranstaltete 1954 die Jubiläumsgartenschau Ludwigsburg. Ein Erfolg: Etwa 70 Prozent der Ludwigsburger kauften eine Dauerkarte, und das Blüba war geboren.