Amine Gülse, Mesut Özil und Staatschef Erdogan (re.) bei dem Treffen in Istanbul. Foto: dpa

Ein AKP-Politiker schlägt den deutschen Bundespräsidenten Frank-Walter Steinmeier als Gast auf der Hochzeit von Mesut Özil vor. Der Fußballer selbst hatte zuletzt den türkischen Präsidenten Erdogan eingeladen.

Istanbul/Berlin - Mesut Özil, der Fußball-Weltmeister von 2014, steht in Deutschland mal wieder in der Kritik. Am Bosporus hingegen wird er von vielen als Held gefeiert. Die der türkischen Regierung nahestehende Zeitung „Sabah“ verlieh Özil jüngst den Titel „Cesur Yürek“ – so hieß in der Türkei der Mel-Gibson-Kassenschlager „Brave­heart“, ein Film über den tapferen Widerstand der Schotten gegen die Engländer. Andere Medien begleiteten Özil beim Einkaufen mit seiner Verlobten in Istanbul und ins Restaurant, wo sich das Paar mit Freunden traf.

In Deutschland dagegen entzündet sich die Kritik an Özil an dessen letztem Treffen mit dem türkischen Staatspräsidenten Recep Tayyip Erdogan in Istanbul. Im Beisein seiner Verlobten Amine Gülse, Schauspielerin, „Ex-Miss-Türkei und Model, soll er Erdogan gefragt haben, ob dieser als Trauzeuge zur Vermählung im Sommer kommen wolle. Die Partei des Präsidenten, die AKP, veröffentlichte auf Twitter prompt ein Foto von dem Treffen, das Özil bei der Übergabe der Einladung an Erdogan zeigen soll.

Kanzleramtschef kritisiert Özil

Ein Foto aus dem vergangenen Jahr rückt deshalb zurück in die Erinnerung – eines, das ebenfalls Özil und Erdogan zeigt. Der Fußballer hatte dem Politiker im Mai ein Trikot überreicht. Damals war der Fußballer wegen eines Treffens mit Erdogan vor der Weltmeisterschaft in Russland kritisiert worden. Der Fototermin mit dem türkischen Staatschef wurde Özil als Zeichen einer angeblich mangelnden Loyalität zu Deutschland ausgelegt.

„Özil hat nichts verstanden“, kommentiert denn auch die „Bild“-Zeitung das aktuelle Treffen in Istanbul und die Trauzeugen-Frage. Und Kanzleramtschef Helge Braun schob in einem Talk-Format der Zeitung in Berlin hinterher: „Das macht einen natürlich schon traurig, (. . .) dass das jetzt so weitergeht.“

Der türkische Politiker Mustafa Yenero­glu kann die Aufregung über das neue Foto und die Einladung hingegen nicht recht ­verstehen. Yeneroglu, in Köln aufgewachsen, befasst sich als Politiker der AKP besonders intensiv mit den deutsch-türkischen Beziehungen und macht folgenden Vorschlag: Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier sollte gemeinsam mit dem türkischen Staatschef Recep Tayyip Erdogan als Trauzeuge an der Hochzeit des türkischstämmigen deutschen Fußballers Mesut Özil teilnehmen. „Ich fände es schön, wenn sowohl der türkische als auch der deutsche Präsident Seite an Seite als Trauzeugen die deutsch-türkische Verbundenheit mitbezeugen würden“, sagte Yeneroglu unserer Zeitung.

Türken unterstützen den Fußballer übers Internet

Die Annahme, Deutschtürken seien hin- und hergerissen zwischen dem Herkunftsland der Eltern und dem Land, in dem sie aufgewachsen sind, halte er für „sehr verkürzt und daher verzerrend“, sagt   Yeneroglu. „Pluralistische Identitäten“ wie die von Özil würden von vielen Politikern als Gefahr aufgefasst, doch er halte diese Sichtweise für überholt. „Die Gesellschaft ist heterogen und weiter als der Blick vieler Politiker, ob in Deutschland oder in der Türkei.“  

Nach dem ersten Foto und der missglückten WM erklärte Özil seinen Rücktritt aus dem deutschen Nationalteam. Damals stellte sich Erdogan hinter den 30-Jährigen in Diensten des FC Arsenal und nannte Özils Rücktritt aus der deutschen Elf „patriotisch“. Den Deutschen warf der türkische Staatspräsident damals eine „rassistische Haltung“ vor. Und auch nach der Hochzeitseinladung weiß Özil die Türkei hinter sich. Nicht nur die Medien feiern ihn. „Bravo, Özil!“, schrieb ein türkischer Twitter-Nutzer. Özil habe den Deutschen gezeigt, dass sie weder ihn selbst noch andere Türken in der Bundesrepublik nach ihren Wünschen „formatieren“ könnten, hieß es in einem anderen Kommentar: „Weiter so!“

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