Das Fahren in Bussen und Bahnen soll für Menschen mit Bonuscard günstiger werden. Foto: Imago/Arnulf Hettrich

Bisher bezahlen Inhaber der Bonuscard für Fahrten in Stuttgart pro Monat fast zwölf Euro mehr. Jetzt sollen sie auch einen Vorteil haben von der Einführung des Deutschlandtickets.

 
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Die Einführung des 49-Euro-Deutschlandtickets soll auch den Haltern des Sozialtickets in Stuttgart einen Vorteil bringen. Im Gemeinderat gibt es starke Bestrebungen, dem Personenkreis mit Bonus-Card auch unter den neuen Verhältnissen 50 Prozent Vergünstigung zu gewähren. Das Deutschlandticket würde in diesen Fällen dann im Abonnement zu 24,50 Euro pro Monat vom Ticketbezieher und mit dem selben Betrag von der Stadt bezahlt werden.

Zum Vergleich: Bisher ist für den Preis die Anzahl der Tarifzonen im Verkehrs- und Tarifverbund Stuttgart (VVS) entscheidend, in denen das Ticket gelten soll. Für die Stuttgart-Zone kostet das vergünstigte Sozialticket, das es seit sieben Jahr gibt, momentan je 36,10 Euro im Monat für den Fahrgast und für die Stadt Stuttgart. Der Ticketpreis würde eigentlich auch der durchschnittlich 4,9-prozentigen Fahrpreiserhöhung unterliegen, die der VVS plant. 2024 könnte die Erhöhung sogar noch deutlich kräftiger ausfallen. Mit dem Deutschlandticket zum Sozialtarif könnten Bonuscard-Inhaber nicht mehr nur im VVS-Gebiet fahren. Das verbessere ihre Chancen auf soziale Teilhabe, für Fahrten zu Freunden und Verwandten oder auch zu Weiterbildungen und Vorstellungsgesprächen, sagt CDU-Stadtrat Jürgen Sauer ähnlich wie Lucia Schanbacher (SPD).

Viele warten auf Entlastung

Für das Deutschlandticket zum Sozialtarif haben im Gemeinderat die CDU und Fraktionsgemeinschaft Puls einen gemeinsamen Antrag eingebracht, die SPD einen eigenen Antrag. Die Zielrichtungen sind weitgehend gleich. Mit einer Mehrheit dafür kann schon deshalb gerechnet werden, weil das Linksbündnis üblicherweise weitergehende Forderung nach Subventionierung der Dauerfahrkarten vertritt.

CDU und Puls wollen vom VVS aber außerdem einen Vorschlag haben, wie Studierende, Auszubildende sowie Meisterschüler über 27 Jahre günstigere Tickets als die Allgemeinheit bekommen können. Der Grund: Das 365-Euro-Jugendticket, das vom Land zum 1. März 2023 an den Start gebracht wird, können sie wegen der Altersbegrenzung auf 27 Jahre nicht nutzen. Die unter 27-Jährigen können es erhalten – und entgehen so den Folgen der 4,9-prozentigen Fahrpreiserhöhung beim VVS.

Bald 80 000 Menschen mit Bonus-Card?

Zurzeit gibt es in Stuttgart nach Auskunft von CDU und Puls rund 71 000 Bonuscard-Berechtigte. Wegen neuer Regelungen zum Wohngeld werde die Zahl Anfang 2023 aber auf mindestens 80 000 Personen anwachsen. Sie werden eine Entlastung dringend nötig haben, meinen die Antragsteller. Durch die hohe Inflation, den Energiepreisschock und kontinuierlich steigende Mietpreise nehme das Armutsrisiko zurzeit zu, argumentieren CDU und Puls. Zur Finanzierung der Preisänderung für Bonuscard-Halter und ältere Auszubildende stünden beim VVS rund 4,1 Millionen Euro bereit, die gespart worden seien, weil es in diesem Jahr einige Monate lang bundesweit ein 9-Euro-Ticket gab. Darauf möchten CDU und Puls zurückgreifen, indem die Stadt und ihr Beteiligungsunternehmen Stuttgarter Straßenbahnen AG sich innerhalb des VVS ins Zeug legen.

Im VVS-Gebiet gebe es momentan außer in Stuttgart leider nur im Landkreis Göppingen noch ein Sozialticket, sagt Puls-Stadtrat Christoph Ozasek, der auch Regionalrat ist.