Eine illustre Herrenrunde verblüfft die Journalisten am 18. April 1994 im Stuttgarter Landtag mit der Ankündigung des Projekts Stuttgart 21. Foto: Michael Steinert

Die Euphorie war groß im April 1994. Im Landtag wurden die Pläne für ein „Jahrhundertprojekt“ präsentiert: Stuttgart 21. Ein Vierteljahrhundert später ist so mancher ernüchtert.

Stuttgart - Der Überraschungscoup kommt aus dem Nichts. Als am 18. April 1994 durchsickert, dass sich im Landtag gleich eine illustre Herrenrunde erklären wird, ist klar: Hier darf Großes erwartet werden. Ministerpräsident Erwin Teufel, Bundesverkehrsminister Matthias Wissmann, OB Manfred Rommel, Bahn-Chef Heinz Dürr und weitere Akteure treten vor die Presse. Sie verkünden nicht weniger als die Aufgabe des Stuttgarter Hauptbahnhofs. Künftig soll ein Tiefbahnhof, angebunden durch zahlreiche Tunnel, Tor zur Welt für die Landeshauptstadt sein. Die Idee ist zwar nicht neu, aber jetzt wird sie offiziell: Stuttgart 21 ist geboren.

Die Versammelten überschlagen sich vor Euphorie. „Kein Superlativ ist übertrieben. Es handelt sich um eine Riesenchance für ein neues Stuttgart“, sagt Teufel. Wissmann sieht „faszinierende Perspektiven“, und Rommel ist „hochzufrieden“. Dürr jedoch will nicht verhehlen, dass es noch „ungeheure technische Probleme“ zu meistern gelte.

Der Auftritt ist die Grundlage für eine Machbarkeitsstudie. Die Geschichte nimmt ihren Lauf. Massive Proteste, Verzögerungen und ständige Kostensteigerungen lassen die Euphorie nach und nach abflauen. Rechnet man damals noch mit Baukosten von zwei Milliarden Mark, steht man heute bereits bei 8,2 Milliarden Euro.

Dritte Kelchstütze ist gegossen

Und so gehen die Einschätzungen zum Jubiläum weit auseinander. Der Verein Bahnprojekt Stuttgart–Ulm plant Anfang Juni, außerhalb der Ferienzeit, eine Feier mit möglichst vielen Wegbereitern des Projekts. Der Vorsitzende Georg Brunnhuber betont: „S 21 war und ist ein Gemeinschaftsprojekt mit vielen Vorteilen für alle Beteiligten.“ Es biete sich eine „Jahrhundertchance“ im Städtebau. Infrastruktur und Komfort verbesserten sich. Bei Matthias von Herrmann, Sprecher der Parkschützer, klingt das ganz anders: „25 Jahre an laufenden Fehlentscheidungen auch noch zu feiern ist absurd. Mit ein bisschen Mut würde man das Projekt heute beenden.“

Immerhin: Als Jubiläumsgeschenk an sich selbst hat die Bahn jetzt die dritte von 28 Kelchstützen am Tiefbahnhof betoniert. Damit ist nach 25 Jahren die erste Reihe komplett.

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