Alexander Wehrle nimmt eine neue Perspektive ein. Der 46-jährige Finanzfachmann wechselt vom 1. FC Köln zurück zum VfB Stuttgart. Foto: dpa/Rolf Vennenbernd

Der bisherige Geschäftsführer des 1. FC Köln wird der Nachfolger von Thomas Hitzlsperger beim VfB Stuttgart – und auf den neuen Vorstandsvorsitzenden wartet viel Arbeit.

Stuttgart - Alexander Wehrle hat den süßen Moment zum Abschluss des Fußballjahrs genossen. Lange nach dem Abpfiff saß der 46-Jährige am vergangenen Sonntag noch auf seinem Tribünenplatz im Rheinenergie-Stadion. Von dort war er aufgesprungen und hatte den späten 1:0-Siegtreffer von Anthony Modeste bejubelt. Anschließend klatschte sich der Geschäftsführer des 1. FC Köln mit Präsident Werner Wolf ab und beobachtete die Bundesligamannschaft von FC-Trainer Steffen Baumgart auf ihrer Ehrenrunde. Wohlwissend, dass sein künftiger Arbeitgeber VfB Stuttgart gerade gegen seinen aktuellen Club verloren hatte.

 

Aber noch arbeitet Wehrle eben am Geißbockheim, mit vollem Herzen. Erst im Laufe des Aprils soll der Finanzfachmann sein Büro an der Mercedesstraße 109 in Bad Cannstatt beziehen – als neuer Vorstandsvorsitzender der VfB AG. Der Aufsichtsrat hat Wehrle berufen, wie der Club am Mittwoch bekannt gab. „Wir sind froh, dass wir mit ihm genau den richtigen Mann für diese Aufgabe gewonnen haben. Alexander Wehrle hat in den vergangenen Jahren eine herausragende Bilanz beim 1. FC Köln vorzuweisen und ist darüber hinaus einer der profiliertesten Geschäftsführer im deutschen Profifußball“, sagt der VfB-Präsident und Aufsichtsratvorsitzende Claus Vogt.

Wann beginnt der Neue genau?

Eine Überraschung war die Entscheidung nicht mehr. Für vier Jahre unterschreibt der künftige AG-Chef, aber noch ist unklar, wann er genau seinen künftigen Posten antritt. Das hängt vor allem mit der Konstellation in Köln zusammen. In der Domstadt hat Wehrle von seinem Sonderkündigungsrecht Gebrauch gemacht. Dieses räumt ihm ein, früher als zum Vertragsende 2023 gehen zu können – sofern die Geschäftsführung erweitert wird. Das ist der Fall, da Wehrle am Rhein zuletzt allein auf weiter Flur stand. Nun beginnt am 1. Januar der neue Finanzchef Philipp Türoff seinen Dienst, ab 1. April nächsten Jahres tritt zudem Christian Keller sein Amt als Sport-Geschäftsführer an.

Im Augenblick gönnt sich Keller nach seiner langjährigen Tätigkeit beim Zweitligisten SSV Jahn Regensburg eine Auszeit, und das könnte der Hebel sein, um Wehrle etwas früher an seine alte Wirkungsstätte am Neckar lotsen zu können – wenn Keller früher beginnt. VfB-Präsident Vogt hat diesen Wunsch jedenfalls hinterlegt. Jetzt sind die Kölner um Vereinschef Wolf am Zug.

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In Stuttgart stellt sich dagegen die Frage, ob mit Wehrles Erscheinen im Frühjahr die Zeit von Thomas Hitzlsperger im Vorstand automatisch endet. Geklärt ist das noch nicht. Der mögliche Übergang soll besprochen werden. Ebenso ob Hitzlsperger seinen Nachfolger einarbeiten soll. Bis zum Herbst 2022 läuft der Vertrag des früheren Nationalspielers. Länger als 1. Juli dürfte Hitzlsperger aber kaum beim VfB bleiben. Zumal nicht davon auszugehen ist, dass Wehrle mit seiner Erfahrung viel Einführungszeit benötigt.

„Ich bin glücklich, wieder nach Hause zu kommen, nach neun intensiven Jahren in Köln, für die ich immer dankbar sein werde“, sagt Wehrle, „in dieser Zeit ist meine Verbindung zum VfB nie abgerissen.“ Von 2003 bis 2013 war der Bietigheimer Referent des VfB-Vorstands, ehe er zum damaligen Zweitligisten in Köln wechselte und half, den FC als Marke wieder in der Bundesliga zu etablieren – trotz des Abstieges 2018.

Mischt sich der Neue in den Sport ein?

Doch auch wenn es sportlich nicht immer lief bei den Kölnern (zuletzt Rettung in der Relegation), steht Wehrle für das Wachstum beim Sponsoring und Merchandising. Die Digitalisierung trieb der Verwaltungswissenschaftler ebenso voran. Alles Felder, auf denen sich der VfB verbessern will. Nach internen Einschätzungen sogar steigern muss, um den sportlichen Ansprüchen auf Dauer zu genügen.

In Köln arbeitete Wehrle dabei mit den Managern Jörg Schmadtke, Armin Veh und Horst Heldt zusammen. Und nie soll er sich direkt in deren Belange eingemischt haben, sondern immer nur den möglichen Finanzrahmen gesteckt haben. „Alexander Wehrle bringt nicht nur die nötigen Kompetenzen mit, um den VfB in dieser herausfordernden Zeit zu führen, sondern wird uns mit seinem Netzwerk und seinem Standing in der Branche sehr guttun“, sagt Vogt über den Rückkehrer, der schon bald im Stuttgarter Stadion Erfolgserlebnisse genießen will.