Über die Clubkarte ans Geld: Ein Trickdieb ist mit einer neuen Masche in der Region unterwegs. Foto: STZN

Der Ideenreichtum der Trickdiebe scheint unerschöpflich: Jetzt nimmt ein Langfinger hilfsbereite Opfer ins Visier, die ADAC-Clubmitglieder sind. Offensichtlich handelt es sich um einen reisenden Täter.

Stuttgart - Vielleicht sollte der 76-Jährige nun doch mal zum Polizeirevier gehen und seine Geschichte erzählen. Denn die Beamten haben durchaus Interesse daran, Genaueres über den Trickdieb zu erfahren, der in der vergangenen Woche in Sindelfingen zugeschlagen hat. Womöglich ist ein und derselbe Unbekannte mit der Masche mit dem ADAC in der Region Stuttgart unterwegs. „Das ist perfide gemacht“, sagt Reimund Elbe vom ADAC Württemberg.

Nach den bisherigen Erkenntnissen der Polizei war der 76-Jährige am vergangenen Donnerstag im Bereich der Martinskirche unterwegs, als er von einem kleineren Mann, etwa 1,65 Meter groß und dunklerer Hautfarbe, angesprochen wurde. Der Unbekannte wollte angeblich Kontakt zum ADAC aufnehmen und hatte aber die Telefonnummer des Automobilclubs nicht dabei. Wie gut, dass der 76-Jährige ADAC-Mitglied ist. Hilfsbereit zückte er seinen Geldbeutel, um die Clubkarte hervorzuholen. Dann ging man wieder auseinander. Erst später stellte das Opfer fest, dass 180 Euro fehlten. „Der Betroffene hat bisher nur telefonisch Anzeige erstattet“, sagt Polizeisprecherin Yvonne Schächtele, „er ist aber noch nicht direkt vom Sachbearbeiter vernommen worden.“

Die Sache mit der Clubkarte

Denn es handelt sich nicht um einen Einzelfall. Am Freitag dürfte der Täter in den Rems-Murr-Kreis weitergezogen sein. In der Kurze Straße in Waiblingen geriet ein 72-Jähriger ins Visier der Clubkarten-Masche. Der Unbekannte fragte den Mann zunächst, ob er ADAC-Mitglied sei, dann nach der Adresse der Geschäftsstelle. Schließlich wollte er die Telefonnummer haben, die sich auf der Rückseite der Clubkarte befinden würde. Der 72-Jährige zückte seinen Geldbeutel und händigte dem Unbekannten die Karte aus – ohne zu bemerken, dass sein Gegenüber heimlich im Geldbeutel herumfingerte. Am Ende fehlten 150 Euro.

Der Täter wird als etwa 35 bis 40 Jahre alt und 1,70 Meter groß beschrieben, mit schwarzen kurzen Haaren, dunkler Jacke und dunkler Hose. Obwohl er einen gebräunten Teint hatte und nach Eindruck des Opfers südosteuropäisch aussah, sprach der Unbekannte fließend Deutsch.

Die Spur führt nach Südhessen

Der Fall ist für den für Waiblingen zuständigen Polizeisprecher Holger Bienert „eine neue Masche in der Region“. Dabei ist die grundsätzliche Methode wie immer: Das Opfer wird mit einem Vorwand dazu veranlasst, die Geldbörse zu zücken. Eine bekannte Masche ist hier der Wechselgeld-Trick – wenn die Opfer gebeten werden, ein Zwei-Euro-Stück in kleinere Münzen zu wechseln. Eine Mischung von beidem, Münzen und ADAC, versuchte ein Täter bereits im Dezember 2013 im Stuttgarter Stadtteil Gablenberg.

Der Täterkreis in Sachen ADAC-Trick dürfte nicht sonderlich groß sein. Jedenfalls ist die Täterbeschreibung nahezu identisch mit dem Fall, den das Polizeipräsidium Südhessen bereits im Oktober 2014 zu ermitteln versuchte. In Seeheim-Jugenheim hatte eine 65-jährige Frau in einer Bankfiliale Geld abgehoben und war in ihrem Auto von einem Unbekannten angesprochen worden. Er hatte nach der Telefonnummer des ADAC gefragt – und nach den Scheinen gegriffen. Der Täter wurde als etwa 35 Jahre alt, 1,65 Meter groß, dunkel gekleidet beschrieben, war mit einem dunklen Audi unterwegs.

Der Tipp: Sechsmal die Zwei auf dem Handy

Beim Automobilclub sind „verschiedene Einzelfälle in Deutschland bekannt“, wie ADAC-Sprecher Reimund Elbe feststellt. Die Vorgehensweise sei vor allem deshalb perfide, so Elbe, „weil mit der Masche auch das Vertrauen in den ADAC ausgenutzt wird“. Dabei lässt sich der Trick relativ einfach abwehren: „Der ADAC ist von jedem Handy aus mit der Nummer 22 22 22 zu erreichen“, sagt Elbe, „dazu muss man nicht erst die Clubkarte zur Hand nehmen.“

Hat Ihnen der Artikel gefallen? Jetzt teilen: