50 000 bis 60 000 zusätzliche Männer und Frauen fehlen der Truppe laut Angaben des Ministeriums. Foto: dpa/Klaus-Dietmar Gabbert

Der Wehrbeauftragte schlägt vor, mehr Anreize für den Wehrdienst zu schaffen. Das ist der richtige Ansatz, findet unsere Hauptstadtkorrespondentin Rebekka Wiese.

Nun hat zum ersten Mal der nationale Veteranentag stattgefunden. Er soll helfen, früheren Soldatinnen und Soldaten mehr gesellschaftliche Anerkennung zu verschaffen. Der Tag erinnert aber auch daran, was man bei der Truppe alles riskiert: seinen Körper, seine Gesundheit – womöglich sogar sein Leben.

 

Man sollte das nicht vergessen, wenn über den Wehrdienst diskutiert wird. 50 000 bis 60 000 zusätzliche Männer und Frauen fehlen der Truppe, um verteidigungsfähig zu werden. Viele Fachleute glauben, dass langfristig kein Weg daran vorbeiführt, zur ausgesetzten Wehrpflicht zurückzukehren.

Mehr Freiwilligkeit

Sie mögen recht haben. Das ändert aber nichts daran, dass diese Maßnahme ein starker Eingriff in die Freiheit aller jungen Menschen wäre. Es ist deshalb zu begrüßen, wenn es in der Debatte erstmal mehr um Freiwilligkeit geht. Der Wehrbeauftragte Henning Otte (CDU) hat nun vorgeschlagen, mehr Anreize für den Wehrdienst zu schaffen. Der Gedanke ist nicht neu – aber wurde bisher politisch nicht genug diskutiert.

Konkret hat Otte angeregt, Wehrdienstleistenden etwa einen erleichterten Studienzugang oder zusätzliche Rentenpunkte zu ermöglichen. Das sind sinnvolle Ideen – auch weil sie langfristig angelegt sind. Denn die Anreize haben sonst eine Schattenseite. Wer eine kurzfristige Verlockung vor Augen hat, vergisst womöglich, worauf er sich beim Dienst mit Leib und Leben einlässt. Das darf nicht passieren – und scheint bei Ottes Vorschlägen aber bedacht worden zu sein.

Bürokratische Hürden

Daneben gibt es übrigens noch einen Aspekt, der oft vergessen wird, wenn es um den Personalmangel der Truppe geht. Es gibt etliche bürokratische Hürden, über die Menschen stolpern, wenn sie sich zum Beispiel zu Reservisten ausbilden lassen wollen. Hier muss die Bundeswehr besser werden.

Das zeigt: Es gibt noch einiges, was passieren sollte, bevor man zu einer Wehrpflicht zurückkehrt. Sie sollte das letzte Mittel bleiben.