Rainer Bocka will mit seiner Idee die Attraktivität des Marienplatzes in den Sommermonaten steigern. Foto:  

Reiner Bocka, Inhaber des Szene-Cafés Galao schlägt im Bürgerhaushalt vor, dass die Ringmauer um den Marienplatz ersetzt wird durch eine Treppe. Ob das möglich ist, ist ungewiss.

S-Süd - Reiner Bocka hat einen Sinn für Analogien. Er fasst den von ihm in den Bürgerhaushalt eingebrachten Vorschlag zum Marienplatz süffisant in einem Satz zusammen: „Die Mauer muss weg!“, sagt er. Das Bauwerk, das den Inhaber des Szene-Cafés Galao an der Tübinger Straße stört, ist um Dimensionen kleiner als jene, auf die der Satz 1989 in der ehemaligen DDR gemünzt war.

Bocka findet, dass die Ringmauer um den Marienplatz dennoch fehl am Platz ist. Er schlägt vor, die Umfassung durch eine Treppe zu ersetzen. Dort könnten dann im Sommer Menschen im Schatten sitzen. „Alle beklagen sich, dass Bäume auf dem Platz fehlen. Dabei haben wir eine Menge Bäume. Nur ist eben die Mauer dazwischen“, sagt Reiner Bocka.

Treppe ist beliebter Treffpunkt

Der Organisator des Marienplatzfestes glaubt, dass der Platz im Stuttgarter Süden so noch weiter an Attraktivität gewinnen könnte. Die Treppe parallel zum Eingang der Stadtbahnhaltestelle ist bereits ein beliebter Treffpunkt für viele, die sich im Frühjahr an den ersten Sonnenstrahlen wärmen oder im Sommer mit Freunden ein Bier trinken wollen. Gäbe es nun auch noch Sitzmöglichkeiten im Schatten, würde dass den Aufenthalt am Marienplatz gerade in den heißen Monaten entscheidend verbessern. Davon ist der Gastronom überzeugt.

Auf der Internetseite des Bürgerhaushalts findet der Vorschlag Zustimmung. Ein Kommentator schreibt: „Jedenfalls braucht der Marienplatz, wenn die Sonne runterknallt, für die Menschen einen ,Schattenspender-Platz’.“ Ein anderer würde sich neben Treppen gleich noch Bäume auf dem Platz wünschen.

Bezirkschef hat Zweifel

Auch der Bezirksvorsteher Raiko Grieb findet den Vorschlag interessant. Ende April wird sich der Bezirksbeirat mit diesem und anderen Vorschlägen aus dem Bürgerhaushalt für den Bezirk Mitte beschäftigen. Grieb hat aber Zweifel, ob eine solche Umgestaltung des Marienplatzes auch möglich ist. „Dazu muss der Architekt gehört werden, der den Plan für den Umbau des Marienplatzes entworfen hat“, sagt der Bezirkschef. In der Vergangenheit seien Wünsche des Bezirksbeirats Süd nach Veränderung des Status quo von der Stadt und dem Architekten aber oft abgelehnt worden, berichtet der Bezirkschef.

Der Architekt, der für den 2003 abgeschlossen Umbau des Marienplatzes verantwortlich ist, ist Heinz Lermann. Er äußert sich in der Tat skeptisch über Bockas Vorschlag für den Bürgerhaushalt und will abwarten, bis die Stadt ihn um seine Meinung fragt. Die Ringmauer nennt er aus Gründen der Konstruktion unerlässlich für den Platz. „Die große Ringmauer lässt sich gar nicht wegdenken“, sagt Lermann. Sie diene auch als Schutz vor Emissionen und Lärm von den umliegenden Straßen. Die Mauer durch eine Treppe zu ersetzen, widerspreche seinem Entwurf, kritisiert er. „Das kratzt schon an das Urheberrecht.“ Ein Umbau der Mauer zu einer Treppe würde außerdem erhebliche Kosten verursachen. „Eine halbe Million Euro ist da nichts dagegen“, sagt er. Auch der Idee, Bäume auf dem Platz zu pflanzen, erteilt der Architekt eine Absage. Im Untergrund unter dem Marienplatz sei kein Platz für Wurzeln, erklärt er. Der Architekt findet, dass die Stuttgarter vorsichtiger sein sollten, bevor sie Nachbesserungen fordern. Es gebe oft Anfragen zum Marienplatz. „Ich lehne es ab, an einem Ort so rumzumachen, bis seine Urform nicht mehr zu erkennen ist“, sagt Lermann.

Architekt warnt vor Kosten

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