Vier Kriminalfälle und ein Jubiläumsfest: Altes Schauspielhaus und Komödie im Marquardt haben ihr Programm für die kommende Spielzeit präsentiert.
Ein Medley der Kriminalmelodien eröffnet die Vorstellung. Sebastian Schäfer sitzt am Klavier und spielt erst eine Melodie, die jeder augenblicklich erkennt, dann eine, bei der die Gäste in der Komödie im Marquardt etwas tiefer in ihrem Gedächtnis graben müssen: Auf Klaus Doldingers Thema zum „Tatort“ folgt die Musik zum deutschen TV-Klassiker „Derrick“. Axel Preuß, Intendant der Schauspielbühnen Stuttgart, stellt das Programm der neuen Spielzeit in der Komödie im Marquardt und im Alten Schauspielhaus vor. Und obschon auch andere Genres dort ihren Auftritt haben: Der Krimi spielt eine große Rolle auf diesen Bühnen. Preuß verspricht: Eine Spielzeit voller „Zeitgenossenschaft, Nervenkitzel, Jubiläumsfreuden“ soll es werden, denn: Die Komödie im Marquardt wird 75 Jahre alt.
Von Lessing bis „Gaslighting“
Gleich das erste Stück, das nach der Sommerpause im Alten Schauspielhaus gespielt wird, ist Krimi und Klassiker mit starkem Zeitbezug zugleich: Lisa Wildmann gibt die weibliche Hauptrolle in „Gaslicht“ (18.9. bis 24.10.), dem düsteren Bühnenthriller von 1938, prominent verfilmt mit Ingrid Bergman 1944. Felician Hohnloser ist ihr Gatte, der sie skrupellos manipuliert und in den Wahnsinn treiben möchte. „Gaslighting“ nennt man heute solch psychologischen Missbrauch. Zweites Stück der Saison am Schauspielhaus wird „Nathan der Weise“ sein. Die Regisseurin Catja Baumann spricht mit Axel Preuß über die große Aktualität des Klassikers. „Wenn wir uns die Welt heute anschauen“, sagt sie, „sehen wir, dass immer mehr Fokus darauf gelegt wird, was uns voneinander trennt“. Lessing fordere auf, auf andere Weise zu denken.
Im Alten Schauspielhaus geht es heiter und nostalgisch weiter mit dem Musical „Die Drei von der Tankstelle“ (11.12. bis 30.1.). Amelie Sturm singt, begleitet von Mikael Bagratuni, eines der vielen Lieder des Musicals. Sabine Bräuning und Hartmut Volle werden im Frühjahr 2027 zu sehen sein in Elke Heidenreichs „Alte Liebe“ (5.2. bis 13.3.). Ehe Stefanie Klimkait und Marius Hubel sich zanken in „Der Vorname“ (30.4. bis 5.6.), eine Gesellschaftskomödie von Matthieu Delaporte und Alexandre de La Patellière, kehrt die Spannung zurück ans Schauspielhaus mit „Warte, bis es dunkel ist“ (19.3. bis 24.4.), in dem Barbro Viefhaus eine erblindete junge Frau spielt, der zwielichtige Gestalten nachstellen – im Film von 1967 hatte Audrey Hepburn diese Rolle inne.
Singende Rebellion gegen das Alter
„Ewig jung“ (16.6. bis 17.7.), ein Songdrama von Erik Gedeon, verwandelt das Alte Schauspielhaus der Zukunft in eine Seniorenresidenz, in der die Bewohnerin Frau Berlinghof (Ursula Berlinghof) singend gegen das Alter rebelliert. Im Juli 2027 dann kehrt die Truppe, die dort einst die Comedian Harmonists verkörperte, für fünf Abende mit erweitertem Programm ans Alte Schauspielhaus zurück.
Monika Hirschle als schwäbische Ärztin
In der Komödie im Marquardt beginnt die Jubiläumsspielzeit mit einer Geburtstagsfeier, einer Theaterrevue, die an Highlights ihrer langen Geschichte erinnert (25.9. bis 22.11.). Das Ensemble spielt unter der Regie von Christine Gnann, das Publikum darf gespannt sein. „Ziemlich beste Freunde“ (27.11. bis 17.1.) war ein großer Filmerfolg in Deutschland wie in Frankreich – in Stuttgart spielen Aron Keleta und Ralph Hönicke.
Pophits und ein Möbelhaus aus Schweden
Auch in der Komödie regieren Kriminalstoffe die Spielzeit 26/27 – freilich in leichterem Ton. „Bis dass der Tod“ (22.1. bis 21.3.) von Stefan Vogel stellt ein Paar vor, das sich gerne töten möchte, dazu einen inkompetenten Auftragskiller und weitere Verwicklungen. Dann kommt Alfred Hitchcock – mit „Die 39 Stufen“ (21.5. bis 4.7,), abenteuerlich, ironisch. Gideon Rapp ist in mehreren Rollen zu sehen. Zuvor noch Monika Hirschle. Sie spielt in ihrer selbstverfassten Mundartkomödie „Liebe isch die beschte Medizin“ eine schwäbische Ärztin, die sich auskennt.
„Meister Eder und sein Pumuckl“ mit Ines Isabell Braun und Christian Werner in den Titelrollen (3.12. bis 10.1.) ist das Weihnachtsstück für Kinder ab fünf. Mit „Abba – Waterloo im Bällebad“ feiert die Komödie zum Ende ihrer Spielzeit Schweden in seinen populärsten Formen und schickt Pophits in die Filiale eines bekannten Möbelhauses.