Die Nürnberger Ermittler Felix Voss (Fabian Hinrichs) und Paula Ringelhahn (Dagmar Manzel) in einer brenzligen Situation in „Ich töte niemand“. Foto: WDR

Beim neuen Franken-„Tatort“ mit den Ermittlern Voss und Ringelhahn kommt viel zusammen – viel Gutes! Das macht „Ich töte niemand“ zu einem herausragenden Krimi.

Nürnberg - Max Färberböck ist Oberbayer. Trotzdem verfügt der Regisseur über ein untrügliches Gespür für den ganz besonderen Menschenschlag der Franken. Originale wie etwa der Kabarettist Matthias Egersdörfer als Spusi-Leiter Michael Schatz sind feste Bestandteile des fränkischen „Tatort“-Teams. In „Ich töte niemand“ kommt noch der Comedian Roman Sörgel alias Bembers hinzu, der als Hauswart eines Fußballvereins vorwiegend auf eher unansehnliche Weise von hinten im Bild ist.

„Ich töte niemand“ sollte man nicht verpassen. Nicht wegen Sörgels Hintern. Sondern weil all dies zusammenkommt: ein kompliziert, aber nachvollziehbar verwobener Plot; eine implizite Botschaft zu so großen Begriffen wie Ehre, Werte, Wahrheit; eine Bildmontage, die brüchig und doch wie aus einem Guss ist, pointierte Nebenfiguren und Ermittler, die als Figur fortschreiten.

Ein Meer aus Fragen und Ungewissheiten

Hauptkommissar Felix Voss (Fabian Hinrichs) sieht man auf überraschende Weise ausgelassen seine Wohnungseinweihung feiern, als das stille Entsetzen den Partylärm ablöst: Ein libysches Geschwisterpaar, bestens integriert, ist bestialisch ermordet worden. Der Ziehsohn des Bruders, Ahmad, könnte am Tatort gewesen sein, als Täter oder als Zeuge, aber er ist verschwunden.

Familientragödie? Fremdenhass? Raubmord? Voss und Paula Ringelhahn (Dagmar Manzel) schwimmen in einem Meer aus Fragen. Darin unterzugehen droht Ringelhahn, als sich der Fall weitet: Frank Leitner (André Hennicke), ein Kollege vom Betrugsdezernat, fährt sich, vollgepumpt mit einem Medikamenten-Cocktail, in den Tod. Ringelhahn hatte ein „sehr enges“ Verhältnis zu dem Toten, wie eng genau, das will sie Voss nicht offenbaren. Als am Tatort des Doppelmords ein Indiz gefunden wird, das eindeutig auf die Familie Leitner verweist, zieht es der so bodenständigen Hauptkommissarin den Boden unter den Füßen weg. Dabei war es Voss, der sich zuvor bei ihr im Auto über das Polizisten-Dasein ausgekotzt hat: „Unser Leben ist ein schwarzer Raum. Rabenschwarz“.

Färberböck und sein Kameramann Felix Cramer lassen den Zuschauer immer wieder in dunkle, schummrige Zimmerfluchten und Flure blicken, bei den Leitners, im Keller eines libyschen Schneiders (Nasser Memarzia), im Haus des Vereinschefs. In dieser Rabenschwärze haust das Grauen, das kein Blut braucht. Stark!

Hat Ihnen der Artikel gefallen? Jetzt teilen: