Solange Frances argumentiert, hört das indische Team genau zu. Kathik (stehend) versucht vergeblich, die Philippinin mit Zwischenfragen aus dem Konzept zu bringen. Foto: Ines Rudel

Schüler aus aller Welt versuchen bei der Debattier-WM mit den besten Argumenten zu punkten.

Eislingen - Wenn Politiker das nur auch so höflich machen würden – am Freitag haben Schüler aus acht Nationen, von China über Indien bis Macao und den USA, am Erich-Kästner-Gymnasium in Eislingen gezeigt, wie eine politische Debatte eigentlich verlaufen sollte. Die Jugendlichen im Alter zwischen 14 und 19 Jahren nehmen als Vertreter ihrer Länder an der Schulweltmeisterschaft im Debattieren teil. Insgesamt versuchen in Stuttgart und der Region zurzeit fast 60 Schulteams aus A wie Argentinien bis Z wie Zimbabwe, sich für das Finale am kommenden Donnerstag in der Stuttgarter Liederhalle zu qualifizieren. Auch ein deutsches Team ist bei der Weltmeisterschaft am Start. Die Gruppe war am Freitag in einer der Vorrunden in Vaihingen/Enz (Kreis Ludwigsburg) am Start.

In Eislingen haben die meisten Schüler bisher noch nie etwas vom „Debating“ gehört. Die Kunst bei den Wettbewerben ist nicht nur, Argumente für die eigene Seite fundiert, schlüssig und überzeugend vorzutragen, sondern das Ganze geschieht auch noch auf Englisch. Das Format der Debatten orientiert sich am britischen Parlament: Jedes Team hat drei Redner, die jeweils acht Minuten Redezeit haben und versuchen, die eigenen Argumente so gut wie möglich darzulegen und die der Gegenseite zu zerpflücken – eine Kunst, die in Deutschland keine so große Tradition hat wie beispielsweise in den englischsprachigen Ländern und in vielen ehemaligen britischen Kolonien.

Bald auch englisches Debattieren in Eislingen?

„Unsere Fünftklässler haben zuerst gedacht, da findet eine Art Gerichtsverhandlung statt, als ich ihnen versucht habe zu erklären, was hier vor sich gehen wird“, erzählt die Englischlehrerin Dagmar Haubensak lachend. Inzwischen sei das Missverständnis aber geklärt und viele Schüler seien Feuer und Flamme dafür gewesen, sich bei der WM-Vorrunde als Führer für die Gäste oder als Zeitnehmer bei den Debatten einzubringen. Haubensak hofft, dass die Begeisterung nachhaltig genug ist, um auch in Eislingen einen Debattierclub auf Englisch anzufangen. Bisher wird dort nur auf Deutsch gestritten.

Die Hoffnung der Lehrerin scheint berechtigt, in allen Klassenzimmern, in denen die Nationen über Volksabstimmungen zu Freihandelszonen debattieren, drängen sich die Gymnasiasten und hören ihren Gästen aufmerksam zu – auch wenn es noch einige ratlose Gesichter gibt.

Die Teams haben viele Zuschauer

„Was machen die denn da?“, will etwa ein ahnungsloser Unterstufenschüler von den Umstehenden wissen. „Die streiten um die Wette“, erklärt ein anderer. Der Schüler blickt ratlos, bis ein anderer sich einschaltet: „Es geht darum, wer die besten Argumente hat und sie am besten vorträgt und eine Jury entscheidet, wer gewinnt.“ Das will sich der Schüler nicht entgehen lassen und, zack, ist er in dem Klassenzimmer verschwunden, in dem sich gerade das indische und das philippinische Team messen.

Dort versucht der Inder Kathik gerade die Philippinin Frances mit Zwischenfragen aus der Ruhe zu bringen. Doch diese lässt sich nicht stören und geht nur wenige Male auf die Nachfragen ein. Ähnlich hat es Kathik gemacht, als er an der Reihe war und die Gegenseite versuchte, Fragen zu stellen. Den Applaus der Eislinger Gymnasiasten bekommen beide sofort nach ihrer Rede. Doch welches Team am Ende die Juroren überzeugt und ein paar weitere Punkte auf dem Weg ins Finale gesammelt hat, steht erst deutlich später fest – nach dem Redaktionsschluss dieser Ausgabe.

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