Oberbürgermeister Matthias Klopfer und der Aalener Polizeipräsident Roland Eisele (von links) sahen sich am Donnerstag zahlreichen Berichterstattern gegenüber. Foto: Jan Potente

Die Vorgänge um das Schorndorfer Stadtfest vom Wochenende werden von der Polizei weiterhin als „exzessive Gewalt“ bezeichnet

Schorndorf - Gibt es im Zusammenhang mit Vorfällen auf dem Stadtfest in Schorndorf (Rems-Murr-Kreis) für die Behörden Anlass zur Selbstkritik? Am Wochenende hatten Gewalt und sexuelle Übergriffe am Rande der Schowo große mediale Wirkung entfaltet. Der Aalener Polizeipräsident Roland Eisele wies bei einer Pressekonferenz am Donnerstag in Schorndorf jedoch Vorhaltungen zurück, die erste Mitteilung der Polizei sei irreführend formuliert gewesen und damit mitverantwortlich für die Medienreaktionen. Man habe am Sonntagnachmittag „die Faktenlage wiedergegeben“, sagte Eisele. Von 1000 gewaltbereiten Beteiligten, von denen Medien danach gesprochen hätten, sei seitens der Polizei „nie die Rede gewesen“. Dieser Eindruck sei erst durch die Weiterverbreitung der ungenauer Informationen durch Nachrichtenagenturen entstanden.

Der Polizeichef hielt aber an der Darstellung fest, dass es am Rande des Geschehens im Park am Schorndorfer Schloss zu „Gewaltexzessen“ gekommen sei – darunter fasse er auch die gezielten Flaschenwürfe gegen Beamte. Zur Festnahme eines Tatverdächtigen hätten sich die Polizisten Schutzkleidung anziehen und mit 15 Beamten vorrücken müssen. Das sei etwas, was „wir vom Schorndorfer Stadtfest nicht gekannt haben“. Von den Medien wünsche er sich künftig in solchen Fällen „Gründlichkeit vor Schnelligkeit“.

Der Polizeipräsident widersprach auch dem Eindruck, die Gewalt sei nur von Jugendlichen mit Migrationshintergrund ausgegangen. Dies habe die Polizei nie so formuliert. Eine der ersten Flaschen etwa habe ein 16-jähriger Deutscher geworfen, ein 19-jähriger Syrer sei davon am Kopf getroffen worden.

„Wir hatten hier weder Klein-Köln noch Klein-Hamburg“, betonte auch der Schorndorfer Oberbürgermeister Matthias Klopfer. Er nannte es erneut einen Fehler, wie „die erste Mitteilung der Polizei formuliert war“. „Das kommt in die ‚Tagesschau’“, habe er schon am Sonntag aufgrund der Brisanz der Meldung vermutet.

Hier ereigneten sich die Vorfälle auf der Schorndorfer Woche:

In sechs Fällen ermittelt die Polizei nun wegen sexueller Belästigung. Der Schorndorfer Oberbürgermeister verurteilte diese Vergehen aufs Schärfste. Er plädiere für „ein niederschwelliges Angebot“, das es Frauen in solchen Fällen leicht mache, um Hilfe zu bitten. Übergriffe solcher Art gebe es jedoch bei allen Stadtfesten. Junge Frauen hätten ihm davon berichtet, dass sie solche Vorfälle schon in früheren Jahren erlebt, aber nicht angezeigt hätten.

Klopfer verglich die Eskalation der Berichterstattung mit dem Medieninteresses beim Amoklauf in Winnenden im Jahr 2009. Er forderte zudem, das Land solle den Kommunen für solche Fälle durch Entsendung von Personal helfen, Krisenstäbe aufzubauen. „Kleine Städte sind damit überfordert.“ Und: Er freue sich auf das nächste Stadtfest, er werde sich jedoch künftig von seinen Mitarbeitern jeden Morgen über die Sicherheitslage berichten lassen. Der Park stehe allerdings wegen eines Umbaus für die Gartenschau 2019 zwei Jahre nicht zur Verfügung.

Das sagen Stuttgarter zu den Vorfällen in Schorndorf:

Klopfer berichtete auch, er habe die Landtagsdebatte in Stuttgart verfolgt (siehe Artikel unten). Das sei eine andere Qualität als das, was er aus seiner Zeit als Geschäftsführer der SPD-Landtagsfraktion kenne. Die AFD nannte der OB „eine Schande für Deutschland“. Er sei dem Sozialminister sehr dankbar, der in der Debatte die Dinge gerade gerückt habe.

53 Straftaten sind im Verlauf des Stadtfestes gemeldet worden, darunter die erwähnten sechs Sexualdelikte. Zudem seien sieben gefährliche und zehn einfache Körperverletzungen angezeigt worden, etliche Diebstähle und zehn Fälle von Sachbeschädigung. Die Schaden durch Schmierereien und Flaschenwürfe auf Polizeiautos werden mit 2400 Euro beziffert.

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