Wenn es die Corona-Krise erlaubt, will die Stage Entertainment ihre Vampire am 4. September in Stuttgart loslassen. Foto: Brinkhoff/Stage Entertainment

Musicalfans in Stuttgart freuen sich: Verspätet startet „Tanz der Vampire“ – und wird bis 2021 im SI-Centrum gespielt. Die Show um Tina Turner muss warten. Derweil startet die Aktion „Art Support Stuttgart“ im Netz für Künstler in Not.

Stuttgart - Was gegen Vampire hilft, ist seit Ewigkeiten bekannt: eine Knolle vertreibt die bissfreudigen Untoten. Wenn nur „Knoblauch, Knoblauch ist unsere Leidenschaft“, wie bei „Tanz der Vampire“ mit Inbrunst gesungen wird, auch gegen Corona-Viren wirken würde! Noch weiß keiner, wann es eine Rückkehr zu Live-Entertainment ohne Streaming gibt – unter welchen Bedingungen auch immer. Die Normalität der Zukunft wird eine andere sein als die von früher. Die Stage Entertainment will nicht tatenlos zusehen beim Ungewissen und bereitet sich auf mögliche Eventualitäten mit neuen Spielplänen vor.

Im günstigsten Fall, hat der deutsche Musical-Marktführer verkündet, soll es Anfang September losgehen. Auf eine sichere Bank setzt die Stage dabei in Stuttgart. Worüber unsere Zeitung bereits spekuliert hat, ist nun offiziell: Polanskis Vampire, die zum vierten Mal im SI-Centrum am 9. April lostanzen wollten, vertreiben das Musical um Tina Turner. Die Show über das Leben der US-Sängerin, die vor wenigen Monaten achtzig geworden ist, bleibt länger in Hamburg und soll nicht in diesem Herbst auf den Fildern Premiere feiern, wie geplant, sondern erst im November 2021. Möglich wäre, dass bis Oktober kommenden Jahres Krolock und Co. hier nach unstillbarer Gier lechzen.

Die Proben könnten im August beginnen

Die Freude beim Stuttgarter Fanclub von „Tanz der Vampire“ ist groß. Klaus Schnaidt, einer der vielen Mitglieder, jubelt: „Das ist eine tolle Nachricht!“ Wenn die Stage jetzt noch mitteile, dass zum 20. Geburtstag der Show in Stuttgart – im Jahr 2000 hatte Roman Polanski persönlich die erste Premiere im Apollo-Theater inszeniert – Ur-Krolock Kevin Tarte die Hauptrolle in einigen Vorstellungen übernimmt, will sich Schnaidt „eine Dauerkarte für alle Tarte-Shows kaufen“.

Boris Ritter, der musikalische Leiter von „Tanz der Vampire“, sagt, die Proben könnten im August ruckzuck starten, sobald es grünes Licht für die Premiere am 4. September gibt. Alle stünden bereit und könnten es kaum erwarten. Fast das gesamte Ensemble, das in dem Grusical zuletzt in Oberhausen gemeinsam auf der Bühne stand, wird auch in Stuttgart antreten. Die Sängerinnen und Sänger sind also bestens eingespielt, was die Probezeit verkürzen wird. Filippo Strocchi und Diana Schnierer übernehmen im Palladium-Theater den Grafen von Krolock und die Sarah in den Hauptrollen.

Der „schöne Max“ bleibt in Stuttgart „definitiv bis Januar“

Auf der Homepage der Stage Entertainment werden Karten für Disneys „Aladdin“ im Stuttgarter Apollo-Theater bereits für den 16. Juni angeboten. Es sind wohl eher Gutscheine, die man erwirbt. „Es wäre schön, wenn es so früh klappt“, sagt Maximilan Mann, der Hauptdarsteller des Flaschengeistes Dschinni. Doch so recht glaubt er daran nicht. „Momentan warten wir darauf, was die Landesregierung als Großveranstaltung einstuft und wie die Gesundheitsvorschriften weitergehen werden“, berichtet der Publikumsliebling des Stuttgarter Musicals (seine Show „Quatsch mit 3“ mit Felix Martin und David Jakobs am 7. September im Friedrichsbau Varieté ist fast ausverkauft). Mit den „Aladdin“-Kollegen hat er über WhatsApp-Gruppen engen Kontakt – auch mit Theaterleiterin Constanze Müller, „die uns fantastisch auf dem laufenden hält und die aktuelle Entwicklung mitteilt“. Die „Familie“ hält zusammen. In der Disney-Show will der „schöne Max“, wie er genannt wird, „definitiv bis Januar 2021“ bleiben.

Maximilian Mann hat das Glück, als festangestellter Darsteller Kurzarbeitergeld zu bekommen. Sorgen macht er sich um die freischaffenden Kollegen ohne festen Vertrag. „Sie verdienen unsere volle Unterstützung“, sagt er.

Aktion „Art Support Stuttgart“ startet in Kürze

Nicht wenige Künstlerinnen und Künstler, berichtet Musicalstar Hannes Staffler („Ghost“), fallen „durch das Raster der öffentlichen Förderung“. Trotz des „unbürokratischen Antrages“ der Landesregierung stolperten viele über Hürden, weshalb ihre Anträge abgelehnt würden. Staffler: „Fakt ist, viele haben durch das Verbot von Großveranstaltungen bis Ende August, also fast sechs Monate lang, keinerlei Einnahmen, verdienen im Monat also 0,0 Euro.“ Dies könne kein Mensch unbeschadet überstehen.

Um einen „Spendenfonds für Künstler und Leute aus dem Veranstaltungsbereich“ aufzubauen, plant Hannes Staffler mit Boris Ritter, dem musikalischen Leiter von „Tanz der Vampire“, eine Reihe von Streaming-Konzerten mit wechselnden Gästen unter dem Motto „Art Support Stuttgart“. Die „Musical-Familie“ hofft auf Solidarität des Publikums, das zum Spenden aufgefordert wird. „In normalen Zeiten treten wir immer wieder ohne Gage bei Charity-Events für verschiedene Organisationen auf“, sagt Staffler, „jetzt müssen wir leider auch mal um die eigene Sache kämpfen und um Unterstützung unserer Zuschauer bitten.“

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