Jochen Thorns macht genau das, was ihm Spaß macht. Beruflich und privat. Foto: Judith A. Sägesser

Dieser Tage sind Ungereimtheiten rund um die Wahl zum Standbrandmeister von Filderstadt öffentlich geworden. Wer ist der Mann, um dessen Position es ging?

Filderstadt - Pfingsten war Jochen Thorns auf Neuwerk. Das ist eine Insel in der Nordsee mit 30 Einwohnern. Weil die Handvoll Feuerwehrleute in der wärmeren Jahreszeit ihr Geld mit dem Tourismus verdienen, helfen im Sommerhalbjahr Feuerwehrleute aus anderen Gegenden der Bundesrepublik aus. Leute wie Jochen Thorns.

 

Der 50-Jährige ist Kommandant bei der Freiwilligen Feuerwehr in Filderstadt, oder wie es korrekt heißt: Stadtbrandmeister. Ein Kommandant ist er trotzdem, das sagen die drei Striche auf seiner Schulterklappe. Daneben vier Sterne, ihr Träger ist leitender Hauptbrandmeister. Wie auch immer es in Feuerwehrdeutsch heißt, bei Jochen Thorns läuft es aufs Gleiche hinaus: dass er nicht genug bekommen kann von Feuerwehr.

Im Einsatz gelten Hierarchien

Ein Mitglied der Filderstädter Feuerwehr hatte vor Kurzem über den Stadtbrandmeister gesagt, er tue so, als sei er die Feuerwehr. Es war kritisch gemeint, im Vorfeld der diesjährigen Wahl war es zu Unstimmigkeiten gekommen. Jochen Thorns, darauf angesprochen, will sich so nicht verstanden wissen. Klar sei, dass im Einsatz Hierarchien gelten. „Das geht auch gar nicht anders“, sagt er. Sonst herrsche Chaos. Die Kameradschaft und die Zufriedenheit seien aber das Wichtigste. Bei einem Glas Cola oder Apfelschorle, weil Bier kaum mehr gefragt sei, würde Vertrauen aufgebaut. „Im Einsatz muss ich mich auf meine Nebenfrau oder meinen Nebenmann verlassen können.“

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Mit einem dürfte der Feuerwehrkamerad auf jeden Fall ins Schwarze getroffen haben: Jochen Thorns und die Feuerwehr sind unzertrennlich. Aber nicht weil er die Dinge an sich reißt, sondern weil er sie lebt. Weil er das wirklich gerne macht, weil er für die Feuerwehr brennt. Die Feuerwehr zieht sich durch wie ein roter Faden. Er, der nach dem Abitur keinen konkreten Plan gehabt hatte, hat seinen Platz im Leben offensichtlich gefunden.

Ein Zeitvertrag auf ein Jahr bei der Feuerwehr

Jochen Thorns ist in Hamburg geboren und am südlichen Stadtrand, in Seevetal, aufgewachsen, erzählt er. Vor seinem Elternhaus habe das Ortsschild von Hamburg gestanden. Hamburg, Niedersachsen. Er redet manchmal so schnell, dass er die Hälfte gleich wieder verschluckt. Direkt nach dem Abitur ist er für ein Jahr per Zeitvertrag zur Feuerwehr. Bei der Zeugnisvergabe an der Schule habe er nicht dabei sein können, „da hatte ich Spätschicht“.

Warum er sich damals für ein Jura-Studium entschieden hatte, kann Jochen Thorns heute nicht mehr sagen. Vermutlich, weil Jura immer irgendwie geht, überlegt er. Auch nicht wirklich erklären kann er das hier: Kurz vor dem ersten Staatsexamen hat er das Studium an den Nagel gehängt. Er hadert heute nicht mit der Entscheidung, sagt er. War ja für was gut. Ihm ist ein Volontariat bei einer Tageszeitung angeboten worden. Für die hatte er vorher schon als freier Mitarbeiter geschrieben. Dafür ließ er Jura sausen.

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Heute ist Jochen Thorns Chefredakteur der Deutschen Feuerwehr-Zeitung. Im Jahr 2000 hatte ihm der Kohlhammer-Verlag eine Stelle bei der Fachzeitschrift am Standort in Stuttgart-Vaihingen angeboten, er hat dann, wie auch parallel bei der Feuerwehr, Karriere gemacht. Er habe damals nicht lange überlegt. Der Umzug vom Norden in den Süden sei ihm überhaupt nicht schwer gefallen, sagt er. „Das versteht nur immer keiner.“ Er lacht hinter seiner getigerten Brille. Erst habe er für eine kurze Zeit bei der freiwilligen Feuerwehr in Leinfelden-Echterdingen mitgemacht, dann sei er nach Filderstadt gewechselt. Dank der Kameradschaft sei man schnell drin in der Gemeinschaft. „Feuerwehr hilft da schon.“

Freiwilliger Teilzeitjob neben der 40-Stunden-Woche

1100 bis 1200 ehrenamtliche Stunden im Jahr arbeite er für die Feuerwehr, sagt Jochen Thorns. Er schreibt sich das inzwischen auf, um den Überblick zu behalten, auch wenn er am Pensum wenig ändern kann – und will. Ein freiwilliger Teilzeitjob neben der Minimum-40-Stunden-Woche als Chefredakteur in Stuttgart-Vaihingen. Dass er sich das Ehrenamt antut, erklärt er so: „Es macht unheimlich Spaß“, aber es gebe auch Tage, an denen würde er sein Handy in die Ecke pfeffern. Doch dann überwiegt rasch wieder die Leidenschaft.

Deshalb auch die Woche an Pfingsten auf der Nordseeinsel Neuwerk. Er durfte seine Familie mitnehmen, es gab eine Dienstwohnung, erzählt er. Es war ein bisschen Seele baumeln lassen, ein bisschen Inselfeuerwehr spielen und ein bisschen Spionieren. „Mit den Augen klauen“, sagt Jochen Thorns dazu. Wenn er irgendwo in den Ferien sei, schaue er gern bei der Feuerwehr vorbei. Austausch gebe es zum Beispiel auch viel mit französischen Feuerwehrleuten. „Ich spreche fließend Feuerwehrfranzösisch“, sagt er. Was auch sonst?!