Beim Brunnenputzen in Rohracker wird Wert aufs Details gelegt. Foto: Lichtgut/Julian Rettig

Die Sauberkeit der Stuttgarter Brunnen lässt vielerorts zu wünschen übrig. Ein ehrenamtliches Projekt in Rohracker zeigt, wie es anders geht.

Stuttgart - Wenn Volker Eberspächer zur Bürste greift, sitzt jeder Handgriff: Rhythmisch kratzen die Borsten seines Arbeitsgeräts über die Innenwand des Rohracker Plätzlesbrunnen. Mit Erfolg: Kurze Zeit später tropfen die ersten schlammigen Ablagerungen aus den Poren und gurgeln den Abfluss hinunter. Auf der Stirn des 57-Jährigen glänzt der Schweiß. Die neckischen Anfeuerungsrufe der anderen Brunnenputzer sind ihm dennoch sicher. „Jetzt erhöh doch mal die Schlagzahl“, tönt es aus dem Hintergrund.

Lachen kann der gebürtige Rohracker über diese Kommentare trotzdem. „Das Brunnenputzen ist für uns ja auch ein Spaßfaktor“, sagt er. Eine wichtige Funktion erfüllen die 13 Rohracker Bürger, die sich am Freitagabend auf dem Kelterplatz versammelt haben, außerdem. „Ohne uns würde der Brunnen hier schon lange nicht mehr sprudeln“, ist sich Eberspächer sicher.

Ausgangspunkt der Putzaktion war übrigens ein Schildbürgerstreich, wie der stellvertretende Bezirksbeirat der Freien Wähler erzählt: „Als der Brunnen gestiftet wurde, wollte man ihn mit Wasser aus den Rohracker Weinbergen speisen. Dass das nährstoffreiche Quellwasser dem Trog ganz schön zusetzt, ahnte damals keiner“. Die Folge: Es drohte die Verkalkung.

„Mehr bürgerschaftliches Engagement wäre wünschenswert“

Nach etwas mehr als einem Jahr übernahmen Volker Eberspächer und seine Mitstreiter den Putzdienst von der Weingärtnergenossenschaft. „Die Stadtverwaltung ist wahrscheinlich froh, dass es uns gibt. Wirtschaftlich könnten die eine regelmäßige Säuberung gar nicht stemmen“. Auch deshalb wünscht er sich an den anderen Brunnen der Stadt mehr bürgerschaftliches Engagement. Schließlich warten in Stuttgart gleich mehrere Anlagen auf längst überfällige Reinigungen, wie unsere Zeitung Anfang Juli berichtete. „Auch kleine Initiativen wie unsere können da schon helfen“, meint der Experte.

Wer beim freitäglichen Schrubben wann die Bürste in der Hand halten muss, regelt in Rohracker ein Putzplan. „So ist jeder zwei- bis dreimal im Jahr dran“, erläutert Eberspächer das System. Immer zur Osterzeit beginnt die Saison, das feierliche Abputzen erfolgt Mitte Oktober. Und wer es schafft, eine halbe Stunde lang wie ein Brunnenputzer zu schuften, der hat sich danach übrigens auch eine Belohnung verdient: Das gemeinsame Vierteleschlotzen hat bei den Putzteufeln vom Plätzlesbrunnen Tradition.

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