In Vorbereitungsklassen sollen die Schüler vor allem die deutsche Sprache lernen. Foto: dpa

Die Integration der Flüchtlingskinder stellt die Schulen vor eine große Herausforderung. Der Bezirksbeirat Feuerbach fordert daher von der Stadt, an der besonders betroffenen Bach- und Bismarckschule kurzfristig mindestens je eine Vollzeitstelle für Schulsozialarbeit zu schaffen.

Feuerbach - Viele Schulen arbeiten am Limit, was ihre personellen oder räumlichen Kapazitäten anbelangt. Beschäftigte an Grund- und Werkrealschulen in der Nähe von Flüchtlingsunterkünften trifft es besonders hart. Denn die Integration der Flüchtlingskinder stellt im Schulalltag eine erhebliche zusätzliche Herausforderung für die Pädagogen dar. Kinder und Jugendliche aus verschiedenen Herkunftsländern seien aufgrund der Flucht- oder auch Kriegserfahrungen, die sie machen mussten, sehr belastet, zum Teil auch traumatisiert, sagt Gerald Mandl. Der Schulleiter der Bismarckschule an der Wiener Straße berichtet von einem besonders krassen Beispiel, über das er allerdings nur vom Hörensagen erzählen kann: Ein Schüler sei durch einen Startschuss oder einen lauten Knall bei einem Schulsportwettkampf emotional völlig aus der Bahn geraten und nicht mehr zu beruhigen gewesen.

Ein Teil der Flüchtlingskinder haben keinerlei Lernerfahrung

Zu diesen posttraumatischen Störungen oder Auffälligkeiten im Sozialverhalten komme bei einigen schulpflichtigen Flüchtlingskindern, die in den Vorbereitungsklassen (VKL) die sprachlichen Kenntnisse erwerben sollen, die sie später brauchen, um im regulären Unterricht bestehen zu können, noch ein weiteres Problem: Ein Teil der VKL-Schüler seien absolute Bildungsanfänger, sagt Simone Werner, die an der Bachschule in einer der beiden Vorbereitungsklassen unterrichtet. Die stellvertretende Schulleiterin betont, dass einige Schüler keinerlei Erfahrungen mit dem Lernen haben. „Manche haben vorher nie eine Schule besucht und sind gar nicht alphabetisiert“, sagt sie.

Hinzu kommen soziale Defizite und Auffälligkeiten dieser Schüler. Immer wieder gebe es Situationen, bei denen aggressives Verhalten auftauche, sagt auch Mandl, an dessen Werkrealschule derzeit drei VKLs eingerichtet sind. Dringend gefragt seien daher mehr Schulsozialarbeiter, die sich speziell um diese Fälle kümmern. „Wir brauchen im sozialen Bereich eine deutliche Unterstützung“, konstatiert der Rektor der Bismarckschule und fügt hinzu: „Als eine der wenigen verbleibenden Werkrealschule, die es in Stuttgart noch gibt, tragen wir eine Hauptlast in diesem Bereich. Das ist eine Riesenherausforderung“, sagt Mandl.

Weitere Probleme entstehen beim Übergang in die Regelklassen

Und diese Herkulesaufgabe endet keinesfalls mit dem Übergang in eine Regelklasse. Ganz im Gegenteil: Zur Integration der Flüchtlingskinder komme als Zusatzaufgabe die Inklusion der Schüler mit Verhaltensauffälligkeiten, geistigen oder körperlichen Handicaps im Klassenzimmer hinzu, betont Mandl. Im Schulalltag verschärft sich das Problem dadurch, dass die Kinder der VKL-Klassen nicht am Ganztagsangebot teilnehmen dürfen. Betreuungspersonal außerhalb des Unterrichts steht nicht zur Verfügung. „Es wäre sehr wünschenswert, dass die VKL-Schüler in den Ganztagsunterricht integriert werden“, sagt Simone Werner von der Bachschule.

Am 14. Februar trafen sich die Schulleiter aller allgemeinbildenden Schulen in Feuerbach mit den Bezirksbeiräten, um die Probleme gemeinsam zu erörtern. Das Fazit der Veranstaltung war: „Wir brauchen dringend mehr Stellen für die Schulsozialarbeit.“ Unterstützung würden sich die Schulen vor allem in den Bereichen der Streitschlichtung, Gewaltprävention und Konfliktbewältigung bei diesem Schülerkreis wünschen. „Es geht aber auch darum, einen engeren Kontakt zu den Eltern der Flüchtlingskinder aufzubauen, ihnen die Werte zu vermitteln, die in unserer Gesellschaft und im Zusammenleben gelten“, sagt Simone Werner. Zudem sei es wichtig, über die Schulsozialarbeit auch Kontakte und Verbindungen zu therapeutischen Einrichtungen herzustellen.

Bezirksbeiräte fordern von der Stadt, zwei Vollzeitstellen für die Schulsozialarbeit

Ende vergangenen Jahres hat Rektor Gerald Mandl aus Feuerbach eine E-Mail an alle Fraktionsvorsitzenden im Gemeinderat geschrieben, um auf die soziale Brisanz des Themas hinzuweisen. Auch das Schulamt und das Schulverwaltungsamt nahm er mit in den Mail-Verteiler. „Die ersten Rückmeldungen waren allerdings sehr mau“, sagt Mandl. Erst nach und nach nahmen sich die kommunalpolitischen Akteure des Themas an. Stadträte verschiedener Fraktionen seien danach zu ihm in die Schule gekommen, um sich vor Ort auszutauschen.

Inzwischen ist das Thema im Schulbeirat des Gemeinderats aufgeschlagen. Unterdessen machen sich auch die Mitglieder im Bezirksbeirat für den Ausbau der Schulsozialarbeit stark – auch mit Blick auf die große Zahl der Flüchtlingskinder speziell in Feuerbach. In der vergangenen Sitzung des Feuerbacher Bezirksbeirates forderten die Mitglieder des Gremiums entsprechend dem Wortlaut zweier Anträge (SÖS/Linke-Plus und FDP) die Stadt auf, an der Bismarckschule und der Bachschule „kurzfristig mindestens je eine Vollzeitstelle für die Schulsozialarbeit zu schaffen“. Der Beschluss erfolgte einstimmig.

Ergänzend zu dem Antrag verlangten Sprecher mehrerer Fraktionen, dass Vertreter der Stadtverwaltung zu dem Thema Auskunft darüber geben sollen, insbesondere das Sozialamt soll Stellung beziehen, warum die Schüler der VKLs im Rahmen des Ganztagesbetriebes nicht außerhalb der Unterrichtszeit betreut werden dürfen.

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