Seit Wochen wird vor der Gefahr islamistischer Anschläge bei der Fußball-EM gewarnt. Innenministerium und Verfassungsschutz halten die Gefahr für so hoch wie lange nicht.
Kurz vor dem Start der Fußball-Europameisterschaft hat Innenminister Thomas Strobl (CDU) noch einmal vor der Gefahr islamistischer Anschläge gewarnt. „Die Anschlagsgefahr ist so hoch wie sie seit langem nicht gewesen ist“, sagte Strobl am Donnerstag in der öffentlichen Sitzung des Parlamentarischen Kontrollgremiums bei der Vorstellung des Verfassungsschutzberichts für das Jahr 2023. Das zeige das Messerattentat in Mannheim, aber auch die vor Kurzem aufgedeckten Anschlagspläne von vier Jugendlichen. „Es fehlt mir nicht an Fantasie, dass es auch komplexere Anschlagsszenarien geben könnte, nicht zuletzt bei der kurz bevorstehenden Europameisterschaft“, sagte Strobl. „Der islamistische Terror ist und bleibt sehr gefährlich.“
Auch die Präsidentin des Landesamtes für Verfassungsschutzes, Beate Bube, schätzt die Gefahr eines islamistischen Anschlags als sehr hoch ein. Der IS-Ableger „Islamischer Staat Provinz Khorasan“ habe anlässlich der EM konkrete Drohungen veröffentlicht. Zu sehen auf Bildern seien etwa bewaffnete Kämpfer in Stadien versehen mit Hinweisen zu den Austragungsorten. Sie sieht die Gefahr dschihadistischer Attentätern, die zu einfachen Tatmitteln greifen wie jüngst die Mordattacke auf den Polizisten in Mannheim gezeigt habe.
Warnungen seit Wochen
Bube hatte schon vor einigen Wochen davor gewarnt, dass islamistische Terroristen offen im Netz für Anschläge während des Turniers werben. „Wir haben es seit einiger Zeit mit einer zunehmenden abstrakten Gefahr zu tun“, sagte sie am Rande einer Übung für die Fußball-EM in Stuttgart im Mai. Es gebe aber noch keine konkreten Hinweise, betonte sie damals. „Das Verbreiten von Angst ist das, was die Terroristen primär anstreben. Man sollte nicht in diese Falle tappen und aus Angst zuhause bleiben.“ Der Verfassungsschutz ist im Vorfeld der EM unter anderem bei der Überprüfung von Personen eingebunden. Auch Innenminister Strobl betonte: „Selbstverständlich kann und soll man zu den Spielen gehen.“ Eine gewisse Wachsamkeit aber nicht. Er selber werde auch ins Stadion gehen am kommenden Sonntag.