Die baden-württembergische IG Metall segnet die Sieben-Prozent-Forderung des Gewerkschaftsvorstands ab. Da spielt auch eine sehnsüchtige Erwartung mit Blick auf den Fußball eine große Rolle.
Im Vorfeld der neuen Metalltarifrunde geht es mehr denn je um Stimmungen als um Fakten. Eine Forderung nach sieben Prozent mehr Gehalt, wie sie die Große Tarifkommission der IG Metall am Freitag in Ergänzung des Vorstandsbeschlusses abgenickt hat, sprechen für eine gute Stimmung.
Zur Begründung hat die IG Metall ein Erklärungsmuster parat: Die von den Arbeitgebern verbreitete pessimistische Sichtweise entspreche nicht der Realität – die tatsächliche Lage sei besser als die Stimmung. Das zeige auch die jüngste interne Befragung mit 90 000 Teilnehmern, wonach 30 Prozent die Lage im Land als schlecht und elf Prozent als sehr schlecht einschätzten. Aber nur 17 und vier Prozent geben an, die Situation des eigenen Betriebs sei schlecht oder sehr schlecht. Ergo: Der Standort werde mies gemacht.
Viele hofften auf ein „Sommermärchen“ bei der Fußball-EM, damit sich die allgemeine Stimmung wieder aufhellt, sagt die Bezirksleiterin Barbara Resch. Auch Konjunkturforscher wie das Ifo-Institut oder das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) gäben sich nun etwas optimistischer – demnach sei ab der Jahresmitte eine etwas beschleunigte Erholung absehbar.
Tatsächlich sei die Lage „sehr wohl angespannt und auch sehr unterschiedlich“, befand Resch. Entsprechend lägen die in den Betrieben beschlossenen Lohnforderungen zwischen 4,5 und neun Prozent – „ganz viele liegen zwischen sechs und acht Prozent“. Die größeren Belegschaften seien nahe an sieben Prozent, die kleineren eher darunter. Zwar muss die erste Verhandlungsrunde vor dem 16. September stattfinden. Doch hat es die IG Metall wohl nicht so eilig – je mehr positive Prognosen eintreffen, desto selbstbewusster kann sie auftreten. „Auch ein paar Kollegen sagen, dass es im Herbst ein bisschen besser bei ihnen läuft“, berichtet Resch. „Da spielt die Zeit für uns.“
Von einem Sommermärchen weit entfernt sehen sich die Metallarbeitgeber. Laut einer eigenen Umfrage rechne jeweils eine absolute Mehrheit der Firmen für dieses Jahr mit Rückgängen bei Aufträgen, Produktion, Beschäftigung, Investitionen und Ertrag, so der Verhandlungsführer Harald Marquardt. Die IG Metall dürfe nicht die Minderheit an Betrieben, denen es richtig gut gehe, zum Maßstab für einen Tarifabschluss nehmen. Außerdem kämpfe die gesamte Industrie mit immer schlechteren Standortbedingungen. „Das scheint die IG Metall zu ignorieren“, warb er für „differenzierte Lösungen“.