Im deutschen Team dreht sich (fast) alles um Dennis Schröder. Foto: dpa

Am Sonntag beginnt für die deutsche Mannschaft in China die Basketball-WM mit dem Härtetest gegen Mitfavorit Frankreich. Dank Schröder träumt auch Deutschland von einer Medaille.

Stuttgart - Nicht nur Frauen haben einen Schuhtick – auch Basketballer, die ja von Hause aus auf großem Fuße leben – so wie NBA-Star Dennis Schröder. Und wenn es im Spiel mal nicht so läuft, wechselt er eben kurzerhand seine Treter. Als er beim Supercup in Hamburg eine schwache erste Hälfte gegen den WM-Teilnehmer Polen hinlegte, kam er mit weißem statt rotem Schuhwerk aus der Kabine und einer ganz anderen Einstellung dazu: „Das ist Kopfsache“, sagte er nach seinem erzielten Bestwert im Nationalteam von stolzen 33 Punkten. „Wenn ich mit neuen Schuhen nicht gut in der ersten Halbzeit spiele, dann muss ich andere Schuhe probieren.“

Schade, dass dieses kleine Erfolgsgeheimnis keinen Garantieschein besitzt, zuletzt setzte es gegen Japan in der Vorbereitung etwas überraschend die erste Niederlage, der Schröder aber keine allzu große Bedeutung zumaß: „Im Endeffekt können wir nicht ohne Niederlagen in die WM gehen. Das hätten wir dann zu leicht genommen.“

Am Sonntag beginnt das Turnier in China für die deutsche Mannschaft gleich mit dem Härtetest gegen einen der Titelanwärter Frankreich. Und nicht nur in dieser Partie (es folgen Spiele gegen die Dominikanische Republik und Jordanien) wird – wie im jedem Team – viel vom Spielmacher abhängen, im deutschen noch mehr von Schröder, dem Superstar der Oklahoma City Thunder, der mit 19,53 Punkten im Schnitt an Dirk Nowitzkis Rekord im Nationalteam (19,90) kratzt. Die lebende Legende erteilte ihm gerade erst verbal den Ritterschlag: „So einen Aufbau wie Dennis hat die deutsche Nationalmannschaft noch nie gesehen, die Schnelligkeit, die Spielfähigkeit“, sagte Nowitzki.

15 Millionen Euro Gehalt

„Er ist ein sehr dominanter Spieler, einer der besten auf seiner Position in der Welt, der Chef, der die Entscheidungen trifft“, sagt Ismet Akpinar, der zweite Spielmacher (zusammen mit Bayern Münchens Maodo Lo, zuletzt Knöchelprobleme), der parat stehen muss, falls Schröder mal eine Verschnaufpause braucht. In der Vorbereitung stand der oft 30 Minuten und mehr auf dem Feld, das kann während des Turniers ein Problem werden, weil die Gegner alles tun werden, um ihn aus dem Spiel zu nehmen.

Deshalb ist es wichtig, dass so viele Spieler wie möglich Verantwortung übernehmen, und sei es nur für ein paar Minuten. Akpinar jedenfalls ist bereit, auch wenn er mal zusammen mit Schröder auf dem Feld steht: „Dann versuche ich, mich auf die Defensivarbeit zu konzentrieren.“ Um so den 25-Jährigen zu entlasten und ihm Freiheiten im Spiel nach vorne zu geben. Die braucht die deutsche Mannschaft, auch wenn Schröders lässige, manchmal fast schon arrogante Spielweise einigen Fans ein Dorn im Auge ist. Aber es ist seine Art, vielleicht sogar ein wenig geprägt von seinem Privatleben, in dem Goldkettchen oder Luxusschlitten zum Alltag gehören. Ganz abgesehen von einem stolzen Gehalt, das umgerechnet bei rund 15 Millionen Euro im Jahr liegt.

Schröder unterstützt Braunschweig

ennoch hat er seine Wurzeln nie ­vergessen. Er ist bei seinem Heimatverein in Braunschweig mit einem sechsstelligen Betrag als Gesellschafter eingestiegen, und die Löwen haben 2019 prompt erstmals nach sieben Jahren die Play-offs erreicht. Beim Supercup wiederum war seine Familie, der Vater starb schon als Schröder erst 16 war, stets an seiner Seite (wie auch be der WM in China), und der erste Weg nach dem Spiel führte ihn nicht an ein Mikrofon, sondern zu seiner Frau Ellen (Hochzeit war im Sommer), und dem im Februar geborenen Dennis Malick („Er hat mich zum Positiven verändert“), um ihm ein Küsschen zu geben.

Diese nicht gespielte Harmonie scheint sich zu übertragen. „Die Teamchemie simmt“, hat er immer wieder betont. In einem Fall gilt das ganz besonders: bei ­Daniel Theis. Die beiden verstehen sich auf dem Parkett so perfekt wie ein Blindenhund und sein Herrchen. Schröder passt gerne mit einem sehenswerten Lob, und Theis vollendet im Idealfall mit einem spektakulären Dunk. Der Applaus von den Rängen ist garantiert. Das kommt nicht von ungefähr – beide kennen sich noch aus Braunschweiger Zeiten, wo ihre Profikarriere einst begonnen hat: „Ich weiß genau, was er mag. Er weiß genau, was ich mag. Das erleichtert es uns auf dem Feld.“

Akpinar liebt das Klavierspiel

Das heißt aber nicht, dass Schröder die anderen links liegen lässt. Er bedient auch einen Ismet Akpinar, der dann als guter Dreierwerfer wichtige Punkte beisteuern kann. So wie die letzten beiden Jahre in Ulm. Das ist vorbei. Der 24-jährige war wegen seines türkischen Passes für Clubs in seiner Heimat, wo er nicht unters Ausländerkontingent fällt, interessant, die Wahl fiel auf Besiktas Istanbul.

Doch zunächst einmal liegt der Fokus Akpinars, der Schröder auch als witzigen Typ bezeichnet, auf der WM: „Wenn ich von der Bank komme, will ich mich schon auch in die Offensive einschalten und Bälle werfen, so viel Selbstbewusstsein habe ich.“ Schröder sowieso: „Ich muss das Team anführen, das ist meine Aufgabe“, betont er ungefragt. Und wer ist sonst noch gefordert? „Alle!“, hat er einmal geantwortet mit Blick auf den vielleicht besten Kader – zumindest in der Breite – aller Zeiten.

Also auch Ismet Akpinar. Der gebürtige Hamburger hat zwar keinen Schuhtick, spielt seit einiger Zeit aber Klavier, und das angeblich gar nicht schlecht. Bleibt nur zu wünschen, dass er bei der Weltmeisterschaft auch die richtigen Töne – oder besser Bälle – trifft.

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