Da wollen wir hin: City-Coach Pep Guardiola weist Kyle Walker den Weg Foto: dpa/Oli Scarff

Es geht wieder los, die Champions League startet an diesem Freitag – und das gleich mit einem Kracher. Manchester City empfängt Real Madrid zum Achtelfinal-Rückspiel. Und tut das mit ordentlich Rückenwind.

Stuttgart/Manchester - Pep Guardiola weiß, was die Stunde geschlagen hat. „Wenn ich die Champions League nicht gewinne“, sagt der Trainer von Manchester City, „dann bin ich gescheitert.“ Das ist mal eine klare Ansage in eigener Sache vor dem Wiederbeginn nach der Corona-Pause in der Königsklasse, die an diesem Freitag von 21 Uhr an standesgemäß eröffnet wird: mit dem Achtelfinal-Rückspiel zweier so genannter Großmächte. Guardiolas City empfängt Real Madrid und geht nach dem 2:1-Sieg vor ein paar Monaten im Hinspiel von Bernabeu als Favorit in die Partie.

Und, noch viel besser aus Sicht der Citizens: Der Club geht auch mit Rückenwind ins Titelrennen in der Champions League. Man könnte sogar fast sagen, dass der Tabellenzweite der Premier League den wichtigsten Sieg auf der europäischen Bühne schon in der Tasche hat, bevor es jetzt wieder losgeht mit der Königsklasse.

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Denn Mitte Juli hob der Internationale Sportgerichtshof Cas die vom unabhängigen Finanzkontrollgremium der Uefa im Februar wegen schwerer Verstöße gegen das Financial Fairplay auf zwei Jahre angesetzte Champions-League-Sperre auf und setzte die auf 30 Millionen Euro bezifferte Geldstrafe, erlassen wegen mangelnder Kooperation mit den Verbandsgremien, auf zehn Millionen herab. Der Grund: Verjährung und zu dünne Beweislage. Das war ein Erdrutschsieg für City.

City mit Rekordumsatz

Der Cas entschärfte die Strafe signifikant, weil die zentralen Vorwürfe – unerlaubte finanzielle Zuwendungen – entweder nicht hinreichend bewiesen werden könnten oder verjährt seien. Zehn Millionen Euro. Das sind nicht mehr als Peanuts für den Verein, der seit dem Jahr 2008 von Scheich Mansour aus Abu Dhabi fürstlich finanziert wird und der das Fußballjahr 2018/19 mit einem Rekordumsatz von fast 590 Millionen Euro abgeschlossen hat.

Viel bedeutender für City war also der Teil des Urteils, dass man die nächsten zwei Jahre doch wieder an der Königsklasse teilnehmen darf. Denn das schafft dem Club alte, neue Möglichkeiten. Bei einer Sperre von zwei Jahren in der Champions League wären City wohl zusätzliche Einnahmen von mehr als 200 Millionen Euro entgangen – das Horrorszenario bleibt nun aber wohl auf ewig nur ein Szenario.

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Mindestens genauso wichtig: Die befürchteten Abgänge von Schlüsselspielern wie Kevin De Bruyne, Raheem Sterling oder Sergio Agüero, für die zwei Jahre ohne Königsklasse wohl undenkbar gewesen wären, drohen nun auch nicht mehr. Und, noch mal mindestens genauso wichtig: City kann nun wieder nach Lust und Laune shoppen gehen, Corona-Krise und Debatten um eine neue Demut und mögliche Gehaltsobergrenzen hin oder her.

Wie der „Guardian“ berichtet, stehen Trainer Pep Guardiola und seinem Verein in diesem Sommer rund 165 Millionen Euro zur Verfügung, um den Kader weiter zu verstärken. Das sind dann auch für ManCity keine Peanuts mehr.

Es scheint keine Grenzen zu geben

Und der Club, das ist der Clou, kann mögliche Neuzugänge nun nicht mehr nur mit üppigen Gehältern locken, sondern auch wieder mit der Aussicht auf die Champions League. Die Transfer-Offensive, sie ist in vollem Gange. So verkündete der Club am Mittwoch den Wechsel von Innenverteidiger Nathan Aké (25) von Absteiger Bournemouth. Kostenpunkt: 45 Millionen Euro. Kurz zuvor verpflichtete ManCity den 20-jährigen Außenstürmer Ferran Torres vom FC Valencia für 23 Millionen Euro. Für Manchester City scheint es mal wieder keine Grenzen mehr zu geben – außer die sportlichen.

Denn es ist ja so: Spätestens seit dem Amtsantritt von Pep Guardiola 2016 gibt es nur ein großes Ziel für Scheich Mansour und für Guardiola selbst, und das heißt Champions-League-Sieg. Allein: City kam in den drei vergangenen Spielzeiten nie über das Viertelfinale hinaus.

Der Druck also ist groß auf Guardiola und sein Starensemble. Der große Wurf in der Königsklasse soll her – wenn der dann allerdings beim Finalturnier in Lissabon gelingen sollte, dürften die Glückwünsche der Konkurrenz verhalten ausfallen. Zu frisch sind die nebulösen Umstände des Cas-Urteils von Mitte Juli, zu groß bleiben die Vorbehalte gegen City. Die Skyblues, die Himmelblauen, sie sind für viele Fans und Konkurrenten derzeit ein rotes Tuch.

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Denn noch immer gibt es Berichte und Gerüchte, wonach die mehr als 200 Millionen Euro an City-Sponsorengeldern der beiden in Abu Dhabi registrierten Unternehmen Etihad Airways (Fluggesellschaft) und Etisalat (Telekommunikation) aus dem Haus des milliardenschweren Kronprinzen Scheich Mansour stammen sollen. Trotz „eklatanter Missachtung“ der Uefa-Investigationen, so urteilte der Cas im Juli, habe es zwar nicht genügend Beweise gegeben, um die Ergebnisse der Uefa zu untermauern. Aber „völlig falsch“ sei der Vorwurf der finanziellen Unregelmäßigkeiten nicht.

„Entscheidend is‘ auf‘m Platz“ – der alte Spruch von BVB-Legende Adi Preißler ist einer der schönsten der Fußballgeschichte, da er so wunderbar klar und zutreffend ist. Für Manchester City allerdings gilt das vor dem Achtelfinale gegen Real Madrid irgendwie nicht mehr. Denn der grüne Tisch ist in diesen Wochen für City fast noch wichtiger als der grüne Rasen.

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