Sven Ulreich hat 176 Bundesligaspiele für den VfB gemacht, spielt inzwischen aber bereits seit neun Jahren beim FC Bayern. „Der VfB ist auf jeden Fall eine harte Nuss“, sagt der Torhüter vor dem Gastspiel der Stuttgarter am Samstag in München.
Zuletzt wurde Sven Ulreich wegen seiner verbalen Entgleisung gegenüber Leverkusens Sportchef Simon Rolfes für ein Spiel gesperrt. Gegen seinen Heimatclub aus Stuttgart sitzt der 36-Jährige an diesem Samstag (18.30 Uhr/Liveticker) als Vertreter von Torhüter Manuel Neuer aber wieder auf der Bayern-Bank.
Hallo Herr Ulreich, Sie haben 176 Bundesligapartien für den VfB bestritten, spielen inzwischen seit 2015 beim FC Bayern. Sind Spiele gegen Stuttgart für Sie dennoch speziell?
Auf jeden Fall. Es ist für mich absolut etwas Besonderes, wenn es gegen den VfB geht. Schließlich bin ich als Fußballer bei dem Verein groß geworden – und als Schorndorfer ein Kind der Region. Selbst wenn von den Mitspielern aus meiner Stuttgarter Zeit keiner mehr da ist, gibt es durchaus noch Bezugspunkte zum VfB: etwa zum Zeugwart Michael Meusch oder zu Christian Gentner, der ja jetzt in leitender Funktion tätig ist.
Welchen Eindruck macht der VfB auf Sie?
Der Verein hat sich sehr gut entwickelt. Stuttgart hat eine Mannschaft, die attraktiven Fußball spielt und in der man auf junge Leute setzt. Mit dem positiven Nebeneffekt, dass nun einige Stuttgarter auch eine positive Rolle in der Nationalelf spielen. Mich freut das. Für die Zukunft hoffe ich, dass man die Leistungsträger auch halten und sich so weiter stabilisieren kann, um weiter eine gute Rolle in der Bundesliga und international zu spielen.
Was erwarten Sie vom VfB-Auftritt in der Allianz-Arena?
Obwohl sie jetzt die Zusatzbelastung mit den internationalen Spielen haben, macht es der VfB sehr gut. Sie haben in der Bundesliga auch in dieser Runde schon starke Spiele gezeigt. In der vergangenen Saison ist der VfB als Vizemeister in der Tabelle ja vor uns gelandet. Wir wollen natürlich beweisen, dass das ein Ausrutscher war. Ich hoffe daher auf einen Sieg für uns. Aber es wird auf jeden Fall eine harte Nuss, weil sie einen guten Kader und einen erstklassigen Trainer haben.
Wie bewerten Sie die Arbeit von Sebastian Hoeneß?
Sehr positiv. Er hat ja auch schon in seiner Zeit beim FC Bayern Erfolg gehabt. Etwa mit der Meisterschaft der zweiten Mannschaft in der dritten Liga. Ich habe mit ihm damals auch das ein oder andere Wort wechseln können. Mich wundert es daher überhaupt nicht, dass er jetzt mit dem VfB so einen Erfolg hat. Er besitzt einen klaren Plan, hat ein starkes Team um sich versammelt und macht eine hervorragende Arbeit.
Was für ein Typ ist Sebastian Hoeneß?
Er ist ein akribischer Trainer mit einem guten Charakter, der sehr sympathisch rüberkommt. Er ist bodenständig geblieben, arbeitet hart. Das zeichnet ihn aus und macht ihn zu einem außergewöhnlichen Chefcoach.
Als Torhüter können Sie die Leistung von VfB-Keeper Alex Nübel gut beurteilen.
Es freut mich für Alex genauso wie für Oli Baumann, dass sie ihr erstes Länderspiel absolvieren konnten. Beide haben es sehr gut gemacht. Ich kenne den Alex ja persönlich, weil wir bereits miteinander trainiert haben – auch wenn er nach jeweils kurzer Zeit in München ja wieder nach Monaco und später nach Stuttgart gegangen ist. Er macht das beim VfB sehr gut, war speziell in der vergangenen Saison ein starker Rückhalt für die Mannschaft. Er ist auch menschlich ein feiner Typ.
Ist er die kommende Nummer eins beim FC Bayern für die Zeit nach Manuel Neuer? Er gehört ja dem FCB.
Alex besitzt natürlich das Potenzial dazu – und hat beim VfB jetzt auch in der Champions League die Möglichkeit, sich auf höchstem Niveau zu beweisen. Wenn Manu irgendwann sagt: „Ich möchte nicht mehr“, glaube ich schon, dass Alex dann in seine Fußstapfen treten kann. Vom Können her ist das keine Frage. Doch Fußball ist immer auch ein Tagesgeschäft. Also muss man abwarten.
Nach der Auseinandersetzung mit Leverkusens Sportchef Simon Rolfes mussten Sie zuletzt ein Spiel pausieren. Wie blicken Sie auf den Disput zurück?
Ich habe mich bei ihm entschuldigt, habe meine Strafe akzeptiert – und damit ist die Sache für mich erledigt. Die Geldstrafe wird der DFB für einen sozialen Zweck verwenden, das finde ich gut, und so hat die ganze Geschichte jetzt auch einen positiven Abschluss.
Neun Jahre haben Sie als Aktiver beim VfB Stuttgart gespielt, vor neun Jahren ging es dann nach München. Dazwischen lag ein Jahr beim Hamburger SV. Wo fühlen Sie sich denn am wohlsten?
Auf jeden Fall in Süddeutschland. Ich war zur Corona-Zeit beim HSV – und es ist auch sportlich einfach nicht so gelaufen, wie ich mir das vorgestellt hatte. Meine Heimat ist inzwischen München, auch wenn ich den Bezug zu Stuttgart nie verloren habe. Aber meine Tochter und mein Sohn sind hier groß geworden, meine Frau Lisa und ich fühlen uns mit der Familie sehr wohl in München.
Für den FC Bayern haben Sie bisher 66 Bundesligaspiele gemacht, standen zuletzt beim 5:0 in Bremen im Tor. Wie sehen Sie selbst Ihre Rolle?
Ich freue mich immer sehr auf jedes Spiel, das ich bekomme. Es ist die Aufgabe des zweiten Torhüters, immer da zu sein, wenn er gebraucht wird – und so habe ich immer wieder wichtige Einsätze für den FC Bayern.
Sie haben zuletzt zweimal um jeweils ein Jahr verlängert. Der Spätherbst der Karriere ist aber mit 36 Jahren erreicht. Wie beurteilen Sie Ihre Laufbahn?
Ich bin sehr zufrieden, wie meine Karriere bislang gelaufen ist – und ich hoffe, es kommen noch ein paar Höhepunkte dazu. Der Fußball hat mir viele tolle Momente beschert. Ich konnte bei Bayern viele Spiele auf absolutem Toplevel machen.
Wie geht es nach der Karriere weiter?
Der Fußball ist für mich Beruf und Hobby zugleich, daher kann ich mir gut vorstellen, ihm auch nach der aktiven Karriere treu zu bleiben. Aber was es genau wird, das muss ich dann erst mal herausfinden.