CDU, Grüne und FDP kämpfen für den neuen Standort der Bücherei an der Küferstraße. Foto: Horst Rudel

CDU, Grüne und FDP wollen am Gemeinderatsbeschluss festhalten und setzen sich vehement für eine Verlagerung der Bildungsstätte an die Küferstraße ein.

Esslingen - Diese Koalition ist bisher meist noch Zukunftsmusik. Im Esslinger Streit über den geeigneten Standort für die Bücherei, der im Bürgerentscheid am 10. Februar gipfelt, ist die Jamaika-Koalition aber schon Realität. Am Montag haben CDU, Grüne und die FDP zu einer Pressekonferenz eingeladen, um knapp drei Wochen vor der Entscheidung ihr Nein zum jetzigen Standort im Bebenhäuser Pfleghof und ihre Gründe für den Neubau an der Küferstraße zu begründen.

Dabei werfen die drei Parteien der vom SPD-Stadtrat Wolfgang Drexler initiierten Initiative Bürgerbegehren Stadtbücherei vor, falsche Behauptungen in Umlauf zu setzen. So sei in den Vorlagen der Verwaltung, die sich mit dem von der Initiative gewünschten Ausbau und der Sanierung des aktuellen Büchereistandorts beschäftigen, von einer Sanierungszeit von viereinhalb bis fünf Jahren die Rede gewesen. Wenn Drexler nun sage, man sei bisher davon ausgegangen, dass eine Interimslösung für maximal drei Jahre gefunden werden müsse, so sei dies schlicht falsch.

Interimslösung birgt hohes Risiko

Überhaupt: in der mutmaßlich langjährigen Schließung sehen die drei Parteien ein großes Risiko für die Akzeptanz der Bücherei. Nirgends in der Stadt gebe es ein Gebäude, in dem auch nur ein annähernd geordneter Büchereibetrieb für einen längeren Zeitraum möglich sei. Darunter werde die Bindung an das Haus leiden. Hinzu komme, dass man bei einer Sanierung des Bestandsgebäudes zwei Umzüge schultern – und zahlen müsse. Das würde die ohnehin höheren Baukosten für die Sanierung weiter steigen lassen.

Edward-Errol Jaffke betont, das aus seiner Sicht unkalkulierbare Risiko der Sanierung und erinnert an das absolute Negativbeispiel, die Ertüchtigung des Alten Rathauses. Die habe ursprünglich 11,9 Millionen D-Mark kosten sollen, am Ende aber mehr als 30 Millionen Mark verschlungen.

Der zuletzt oft geäußerten Befürchtung, der Bebenhäuser Pfleghof werde nach dem Umzug der Bücherei in die Küferstraße verkauft, tritt Carmen Tittel vehement entgegen. Es gebe einen einstimmigen Gemeinderatsbeschluss, den Pfleghof in öffentlichem Besitz und öffentlicher Nutzung zu halten. Gedacht sei dabei etwa an die Erweiterung des Stadtmuseums.

Absolute Barrierefreiheit ist die Grundvoraussetzung

Eine Grundvoraussetzung für eine neue Bücherei, da sind sich alle Fraktionen einig, ist „die absolute Barrierefreiheit für alle“, so Carmen Tittel. Diese sei zwar in der Küferstraße zu erreichen, nicht jedoch im Bebenhäuser Pfleghof. Auch deshalb, so fügt Rena Farquhar (FDP) hinzu, habe sich der Gemeinderat nach zweijähriger intensiver Beschäftigung mit den Alternativen letztlich mit großer Mehrheit für den Neubau ausgesprochen. Für ihren Parteikollegen Ulrich Fehrlen ist das Festhalten am alten Standort „pure Nostalgie und Romantik“.

Dabei würden, so betont Marco Bertazzoni (Grüne) die Befürworter verkennen, dass bei der Sanierung der Charakter der von vielen Esslingern so geliebten Bücherei, so wie er heute noch sei, zumindest im Innenbereich vollkommen verloren gehen. Deshalb plädieren CDU, Grüne und FDP gemeinsam dafür, am 10. Februar am Bürgerentscheid teilzunehmen und dort mit „Nein“ zu stimmen.

Zuvor werden die Fraktionen an den verbleibenden drei Samstagen bis zum Bürgerentscheid das Gespräch mit den Esslingern suchen und an einem gemeinsamen Stand auf der Inneren Brücke für ihre Position kämpfen. Sie wollen auch dafür werben, dass ein Neubau flexibler geplant werden könne und dass in der Küferstraße deutlich mehr Platz als im Bebenhäuser Pfleghof zur Verfügung stehen werde.

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