Ein Unfallforscher untersucht einen Motorradunfall: Bei den tödlichen Unfällen war in der diesjährigen Motorradsaison in Baden-Württemberg wieder zu hohe Geschwindigkeit die häufigste Ursache (56 Prozent), gefolgt von Fehlern beim Überholen (19 Prozent). Foto: dpa

Fast jeder vierte Verkehrstote in Baden-Württemberg verunglückt mit dem Motorrad. Auch in der diesjährigen Motorradsaison sind viele Opfer zu beklagen. Betroffen waren vor allem Fahranfänger, aber auch Menschen über 50.

Stuttgart - Mehr Unfälle, mehr Opfer, mehr Verstöße – die Polizei im Land hat eine ernüchternde Bilanz der diesjährigen Motorradsaison gezogen. Wie das Stuttgarter Innenministerium unserer Zeitung mitteilte, kamen von März bis Oktober 99 Biker ums Leben. Das sind zwar zwei weniger als im Vergleichszeitraum des Vorjahres – und dies trotz des langen Sommers. Die Zahl der Schwer- und Leichtverletzten erhöhte sich aber um vier Prozent auf 4200, die Gesamtzahl der Unfälle stieg um 200 auf 5000. Innenminister Thomas Strobl (CDU) zeigte sich auf Anfrage mit den Zahlen nicht zufrieden: „Die Polizei findet sich mit dieser Entwicklung nicht einfach ab, sondern kontrolliert häufiger und setzt noch stärker auf die Aufklärung der Motorradfahrer“, erklärte er. Das polizeiliche Maßnahmenpaket sei langfristig angelegt und benötige Zeit, um Früchte zu tragen.

Zwei Drittel der Unfälle sind selbst verschuldet

Obwohl das Land verstärkt kontrolliert, unfallträchtige Stellen entschärft und an Bikertreffs über die Gefahren aufklärt (bei Unfällen werden Motorradfahrer in 80 Prozent aller Fälle verletzt) , sind somit in diesem und dem letzten Jahr im Land rund zehn Prozent mehr Fahrer tödlich verunglückt als in den Jahren zuvor. Zwei Drittel der Unfälle wurden auch dieses Jahr durch die Biker selbst verursacht, Unfallursache Nummer eins ist weiterhin zu hohe Geschwindigkeit (56 Prozent), gefolgt von Fehlern beim Überholen (19 Prozent). „Der Schlüssel zu weniger tödlichen Unfällen liegt bei den Motorradfahrern selbst“, heißt es von Seiten der Polizei.

Meist kracht es an den Wochenenden

Doch alle Appelle, besonnen zu fahren, scheinen bislang zu verpuffen. Bei Kontrollen stellte die Polizei dieses Jahr 7000 Verstöße fest – über 1000 mehr als im Vorjahr. In rund der Hälfte der Fälle waren die Biker zu schnell unterwegs , ein Viertel der Verstöße bezog sich auf technische Mängel an der Maschine. Unter den Opfern waren dieses Jahr besonders viele Fahranfänger: 22 Prozent der tödlich Verunglückten waren zwischen 18 und 24 Jahre alt; der Bevölkerungsanteil dieser Altersgruppe liegt bei neun Prozent. Auch die 50- bis 59-Jährigen waren wieder überproportional stark betroffen: Jeder fünfte Motorrad-Tote kam aus dieser Altersgruppe, obwohl deren Anteil an der Bevölkerung nur 15 Prozent beträgt. 60 Prozent der schweren Unfälle ereigneten sich an den Wochenenden (Freitag bis Sonntag). Was den Zeitpunkt der Unfälle angeht, so ist die Zeit zwischen 15 und 20 Uhr offenbar am gefährlichsten. Dies legt den Schluss nahe, dass Biker in der Regel in ihrer Freizeit und nicht auf dem Weg zur Arbeit verunglücken.

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