Pero Mamics Zeit im deutschen Amateurfußball geht zu Ende. Vor seinem letzten Spiel für Calcio Leinfelden-Echterdingen erinnert er sich an die Anfänge und an sportliche Höhepunkte.
Der Angriffshüne Pero Mamic verabschiedet sich am Sonntag vom Verbandsligisten Calcio Leinfelden Echterdingen – und vom deutschen Amateurfußball insgesamt. Die Partie gegen die TSG Hofherrnweiler-Unterrombach ist sein letzte Spiel, bevor es für den 28-Jährigen wieder in seine Heimat nach Kroatien geht. Hier blickt er zurück auf zehn Jahre auf schwäbischen Sportplätzen, mit Stationen bei Croatia Stuttgart, beim VfB Neckarrems, beim FSV Bissingen und zum Abschluss bei Calcio.
Herr Mamic, warum ziehen Sie nach Kroatien?
Als ich 2015 zum Studieren aus Kroatien nach Stuttgart gegangen bin, war mir schon klar, dass ich nicht für immer bleiben will. Mit meinem BWL-Studium hat es dann ein bisschen länger gedauert, auch wegen Corona. Aber jetzt bin ich fertig damit. Dazu kommt, dass meine Frau und ich vor sieben Monaten Eltern geworden sind. Wir wollen, dass unser Kind in Kroatien aufwächst.
Welche Pläne haben Sie und Ihre Familie in Kroatien?
Wir ziehen in das Haus meiner Familie in der Nähe von Zagreb. Ich bin zwar in Stuttgart geboren, weil mein Eltern ursprünglich aus Bosnien stammen und vor dem dortigen Krieg geflohen waren. Aber als ich ein Jahr alt war, sind wir nach Kroatien gezogen. Dort bin ich aufgewachsen. Ich hoffe, dass ich dort nun einen guten Job finde.
Hat es Ihnen von zehn Jahren bei der Eingewöhnung geholfen, damals bei Croatia Stuttgart zu kicken?
Einerseits ja. Bei meiner Ankunft habe ich kein Deutsch gesprochen. Ich habe zwar einen Sprachkurs gemacht, aber Schwäbisch ist halt nicht leicht zu verstehen. Bei Croatia konnte ich mich dann in meiner Muttersprache unterhalten. Andererseits hat es das schwerer gemacht, Deutsch zu lernen. Erst durch mein Studium war ich dazu gezwungen. Heute bin ich stolz darauf, dass ich die Sprache gelernt und mein Studium erfolgreich abgeschlossen habe.
Sind Sie auf Ihre Karriere im baden-württembergischen Amateurfußball ebenfalls stolz?
Ja das auch. Ich war in Bissingen fünf Jahre lang Stammspieler bei einem guten Oberligisten – zwei davon sogar als Kapitän.
Was bleibt Ihnen aus den zehn Jahren auf schwäbischen Sportplätzen besonders in Erinnerung?
Da gibt es vieles. Als ich von Croatia in die Verbandsliga zu Neckarrems bin, war für mich alles neu. Ich wusste nicht, was für ein Niveau mich dort erwartet. Die Oberliga in Deutschland ist vergleichbar mit der zweiten oder dritten Liga in Kroatien. In meiner Zeit bei Bissingen gab es geile Spiele gegen Mannschaften wie die Stuttgarter Kickers oder Freiberg mit vielen Zuschauern. In einer Saison zweimal gegen die Kickers zu gewinnen, war schon ein Highlight.
Im Sommer sind Sie dann zu Calcio gewechselt...
Genau. Mit Spielleiter Josip Pranjic hatte ich immer einen guten Kontakt. Solange ich Kapitän bei Bissingen war, wollte ich dort nicht weg. Aber ich wohne in Heumaden und mit einem kleinen Kind war es dann einfacher, noch ein halbes Jahr bei Calcio zu spielen.
Was erhoffen Sie sich von Ihrem Abschiedsspiel am Sonntag?
Das wird ein Spiel wie immer. Wir wollen das Jahr mit einem Sieg beenden. Obwohl die Ergebnisse in der Hinrunde nicht so toll waren, spielen bei Calcio echt gute Jungs. Das halbe Jahr hat richtig Spaß gemacht, auch menschlich. Ich hoffe deshalb, dass wir am Sonntag nach drei Punkten zusammen noch ein bisschen was essen und trinken können.
Werden Sie in Kroatien weiterspielen?
Auf jeden Fall. Ich muss noch schauen, in welcher Liga und bei welcher Mannschaft. Aber mit 28 Jahren ist es noch zu früh zum Aufhören.
Und künftig sieht man Sie dann im Urlaub als Zuschauer auf einem Stuttgarter Sportplatz?
Meine Mutter und mein Bruder bleiben in Stuttgart, deshalb werde ich öfters zu Besuch da sein. Wenn ich dann nicht gerade am Wochenende für ein eigenes Spiel zurück muss, werde ich mich sicher mal auf dem Sportplatz blicken lassen. Durch den Fußball habe ich hier viele Freunde gefunden.