Wer hat an der Uhr gedreht? 2004 ist doch gefühlt noch nicht so lange her. Auch damals ging es in den StN um eine Fußball-EM, sowie um Wahlen und einen üblen Raserunfall auf der A8. Schlagzeilen machte zudem die „Hunzinger-Affäre“ um Döring und Özdemir.
Historische Schlagzeilen aus dem Juni 2004: Kurz vor der EM in Portugal scheint die Welt nicht wesentlich anders auszusehen als 20 Jahre später. Das EM-Maskottchen „Kinas“ gibt für die Stuttgarter Nachrichten ein Titelbild her. Symbolisieren sollte das Ding damals einen fußballbegeisterten Jungen aus einem kleinen portugiesischen Dorf, während man sich in Deutschland 2024 für einen seltsamen Teddybär namens „Albärt“ entschieden hat. Wie jetzt bekannt wurde, allerdings offenbar ohne darauf zu achten, dass die Markenrechte auf den Namen zuvor schon jemand anderes angemeldet hatte. Eine Klage gegen die Uefa läuft bereits.
Der Löwe „Goleo VI“ von der Sommermärchen-WM 2006 würde über das Missgeschick vielleicht schmunzeln, aber ein richtig großer Wurf scheinen die EM- und WM-Maskottchen im 21. Jahrhundert selten zu werden. Teilweise haben große Spielwarenhersteller die Finger im Spiel, denn natürlich geht es dabei immer um viel Geld.
StN-Thema war 2004 auch der Schiedsrichter Pierluigi Collina mit seiner markanten Glatze. Später wurde der Italiener sechs Mal in Folge zum „Weltschiedsrichter des Jahres“ gewählt und wurde zum Chef der UEFA- und FIFA-Schiedsrichterkommission. 2010 erhielt er einen lukrativen Auftrag als Chef der ukrainischen Profi-Schiedsrichter. Wollen wir mal hoffen, dass „Collinas Erben“ (Titel eines Fußball-Podcasts) bei der EM in Deutschland keine Spiele verpfeifen.
Geld spielt bekanntlich nicht nur im Fußball eine Rolle, sondern auch in der Politik. 2004 ging es in den StN um die Hunzinger-Affäre. Der Frankfurter PR-Unternehmer wurde damals der illegalen Lobby-Arbeit beschuldigt. Unter anderem ging es um 10.000 Euro und den damaligen Ländle-FDP-Politiker Walter Döring. Der heutige grüne Agrarminister Cem Özdemir hatte über die sogenannte „Hunzinger-Affäre“ 2002 sogar vorübergehend seine Ämter verloren. 20 Jahre später und eine 11,9-Prozent-Schlappe weiter ficht ihn das allerdings nicht mehr dabei an, eine Spitzenkandidatur als Ministerpräsident von Baden-Württemberg anzustreben. Die Zeit heilt offenbar doch viele Wunden – und gibt so manchem eine zweite Chance.
Noch ein Thema von damals, das uns heute bekannt vorkommt, sind Umbrüche in Großbritannien. Bei den Kommunalwahlen 2004 gab es für Labour-Mann Tony Blair eine Klatsche, die unter anderem auf die britische Beteiligung am Golfkrieg zurückzuführen war. Er blieb aber noch bis 2007 im Amt, bevor er von seinem kurzlebigen Parteifreund Gordon Brown (2007-2010) beerbt wurde und nach dem Wahlsieg des Konservativen David Cameron endgültig von der Bildfläche verschwand. Heute sind es dagegen die Tories, die sich vor der Unterhauswahl am 4. Juli auf der Verliererstraße befinden zu scheinen – nach Brexit-Chaos und häufig wechselnden Premier-Ministern.
Zum Lokalen: Neben der damals bevorstehenden Kommunal- und Europawahl am 13. Juni 2004 und dem Pop-Festival „Arena of Sound“ auf dem Schlossplatz ging es in den StN um einen schrecklichen Unfall auf der A8 bei Weilheim/Teck. Ein 58-Jähriger war bei Nässe ins Schleudern geraten und hatte mit seinem Wagen zwei junge Unfallhelfer auf der Standspur getötet. Er selbst und zwei Frauen in einem Kleinwagen wurden schwer verletzt.