Die Vonovia steht im Ruf, nicht eben zimperlich mit unliebsamen Mietern umzuspringen. Foto: dpa

Dem Wohnungsunternehmen Vonovia ist das Schicksal seiner Mieterin Gisela Kindleb ebenso gleichgültig wie der eigene Ruf.

Ostfildern - Eine 66 Jahre alte, schwerbehinderte Rentnerin drei Tage vor Heiligabend auf die Straße zu setzen, ist ein starkes Stück und lässt jegliches Mitgefühl seitens des Wohnungskonzerns Vonovia vermissen. Dieser beruft sich zwar darauf, dass Gisela Kindleb wohl von der Stadt untergebracht werden wird. Selbst beeinflussen kann er das aber nicht. Das Unternehmen nimmt es zumindest billigend in Kauf, dass die langjährige Mieterin pünktlich zu Weihnachten obdachlos wird.

Damit hat der Fall eine juristische und eine moralische Dimension. Die Vonovia mag im Recht sein, wenn sie die Wohnung in der Ostfilderner Parksiedlung räumen lässt. Aber das Schicksal von Gisela Kindleb ist ihr so gleichgültig wie der eigene Ruf. Der Konzern nimmt noch nicht einmal darauf Rücksicht, dass der Umzugswagen nur drei Tage vor dem Fest der Liebe vorfährt, was völlig unverhältnismäßig ist. Überraschen kann das allerdings nicht: Die Vonovia, der allein in Stuttgart rund 4600 Wohnungen gehören, ist hinlänglich dafür bekannt, mit unliebsamen Mietern bisweilen äußerst rüde umzuspringen.

In diesem Zusammenhang kommt die Gerichtsvollzieherin ins Spiel, die den verwerflichen Räumungstermin angesetzt hat. Es hätte durchaus in ihrem Ermessen gelegen, die Maßnahme ins neue Jahr zu verschieben. Stattdessen führt sie zeitliche Gründe sowie den Druck durch den Gläubiger Vonovia ins Feld und macht sich damit als Beamtin der Justiz indirekt zu dessen Erfüllungsgehilfin, die die herzlose Vonovia-Vorgehensweise mitträgt.

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