Manche ältere Mieter aus einem der oberen Stockwerke der Vonovia-Hochhäuser im Nordbahnhofviertel trauen sich nicht mehr, die Wohnung zu verlassen. Foto: Lichtgut/Leif Piechowski

Deutschlands größter Wohnungskonzern Vonovia saniert und modernisiert den Bestand – nicht immer reibungslos. Die Mieter mehrerer Hochhäuser in Stuttgart erleben das derzeit hautnah – inklusive Feuerwehreinsätzen und Tragedienst.

Stuttgart - Den Zwischenfall vor einigen Tagen wird der Mann nicht so schnell vergessen. Er wohnt im Hochhaus Mönchstraße 3 und fährt an diesem Abend mit dem frisch sanierten Aufzug in den Keller. Doch die Türen öffnen sich nicht, der Bewohner ist gefangen. Erst Hilfe von außen, mit dem Notfallknopf herbeigerufen, beendet die beklemmende Situation. „Die Feuerwehr hat mich befreit“, erzählt der Betroffene.

 

Nun kann es schon einmal vorkommen, dass ein Aufzug Probleme macht. Was allerdings die Mieter der rund 160 Wohnungen der beiden Hochhäuser Mönchstraße 3 und 5 im Nordbahnhofviertel derzeit erleben, ist außergewöhnlich. In den Gebäuden gibt es jeweils zwei Aufzüge, die vom Eigentümer, Deutschlands größtem Wohnungskonzern Vonovia, derzeit saniert werden. Je einer ist schon fertig – funktioniert aber nicht richtig. Die beiden anderen fallen wegen der Umbauarbeiten komplett aus.

Die Folge: Leute bleiben stecken, müssen befreit werden oder kommen erst gar nicht nach unten oder oben, wenn sie schlecht zu Fuß sind. „Einmal war sogar der Hausmeister 90 Minuten lang eingeschlossen“, erzählt einer der Mieter. Ständig fielen die neuen Kabinen aus.

Die Mieter sammeln Unterschriften

„Das macht die Bewohner mehr als wütend“, erzählt eine Frau. Sie selbst müsse regelmäßig in den elften Stock hochsteigen, was ihr schwer falle. „Ich habe eine schwere Knie- und Hüftarthrose. Man kann sich vorstellen,wie schmerzhaft das dann ist.“ Andere der vielen älteren Bewohner trauten sich nicht mehr in den Aufzug und sagten lieber Termine ab, als es zu Fuß zu versuchen.

Inzwischen gibt es eine Unterschriftensammlung in den Häusern, die rasche Abhilfe fordert. Einzelne Bewohner haben auch schon mit Anzeigen gedroht. Scharfe Kritik kommt von der Stuttgarter Vonovia-Mieterinitiative. Die Situation sei unzumutbar. Das Unternehmen habe es offenbar nicht allzu eilig bei den Arbeiten, weil sie als Sanierung nicht auf die Mieter umlagefähig seien, sagt Sprecherin Ursel Beck. „Hinzu kommt, dass neu vermietete Wohnungen dort unserer Meinung nach überteuert sind und auch noch mit den neuen Aufzügen beworben werden.“ Man habe wegen Mietüberhöhung bereits mehrmals Anzeige erstattet.

Die Feuerwehr rückt sieben Mal an

Bei der Stuttgarter Feuerwehr kennt man die beiden Häuser tatsächlich gut. Man sei dort in jüngerer Zeit sieben Mal im Einsatz gewesen, um Menschen aus Aufzügen zu befreien, heißt es dort. „Dabei rücken speziell ausgebildete Einsatzkräfte mit Spezialgerät von der Feuerwache 1 mit dem Kleineinsatzfahrzeug Türöffnung aus“, sagt Daniel Anand, Sprecher der Branddirektion. Örtliche Einsatzkräfte kommen hinzu. Für die Experten nichts Besonderes – sie haben solche Einsätze „fast täglich“. Allerdings nicht ständig an derselben Adresse.

Bei Vonovia bedauert man die Umstände. „Wir können uns für die Unannehmlichkeiten nur entschuldigen. Wir versuchen, die Probleme so schnell wie möglich zu beheben“, sagt eine Sprecherin. Bei der Erneuerung der Aufzüge handle es sich um eine reine Instandhaltungsmaßnahme ohne spätere Mehrkosten für die Mieter. „Damit die Mobilität im Gebäude aufrecht erhalten wird, findet die Modernisierung in zwei Schritten statt“, erläutert man in der Bochumer Konzernzentrale: Erst wird der eine Aufzug erneuert, dann der zweite. Leider hätten die bereits umgebauten Kabinen technische Probleme an der Mechanik der Türen, die im laufenden Betrieb nicht behoben werden könnten. Das könne erst geschehen, wenn die zweiten Aufzüge fertig seien – voraussichtlich in einer Woche.

Ein Tragedienst transportiert Kranke

Bei Vonovia betont man, die technischen Probleme an den Türen seien „nicht sicherheitsrelevant“. Sie führten aber dazu, dass die Aufzugssteuerung einen Fehler erkennt und sich der Aufzug aus Sicherheitsgründen still setze. Und die Sprecherin merkt an, dass „das eine oder andere Nutzerverhalten bedauerlicherweise nicht immer ganz pfleglich ist“. So gebe es Fälle, in denen gegen die Türblätter getreten oder gehämmert werde, was ebenfalls Störungen hervorrufen könne.

Nichtsdestotrotz beteuert man bei Vonovia: „Wir versuchen mit allen Mitteln, die Situation vor Ort schnellstmöglich zu bereinigen, damit ein sicherer und störungsfreier Betrieb sichergestellt ist.“ Dazu gehört auch eine außergewöhnliche Maßnahme: Ein Tragedienst soll gehbehinderte Menschen nach unten und oben tragen. „Wir haben einen Krankentransport beauftragt, damit ältere oder kranke Mieter und Mieterinnen aus dem Haus können“, sagt die Sprecherin.

Das Unternehmen stellt auch eine Entschädigung in Aussicht: „Selbstverständlich gewähren wir eine Mietminderung.“ Damit das Feststecken im Aufzug im Nachhinein nicht mehr ganz so beklemmend erscheint.