Deutschlands größtes Wohnungsunternehmen Vonovia saniert die Aufzüge in zwei Hochhäusern – und die Feuerwehr bleibt Stammgast. Viele Mieter sind empört.
Stuttgart - Es ist ein Freitag, dessen Verlauf ganz anders geplant gewesen ist. Als das Ehepaar vergangene Woche in den Aufzug steigt, um seine Wohnung im elften Stock des Hochhauses zu erreichen, passiert es: Der Aufzug bleibt stecken. Eine Horrorvorstellung, die für viele Menschen zum Glück nie Realität wird – an die sich die Bewohner der knapp 160 Wohnungen in den Gebäuden Mönchstraße 3 und 5 im Stuttgarter Nordbahnhofviertel inzwischen aber gewöhnen mussten. „Die Feuerwehr hat uns befreit“, erzählt der Betroffene. Die Retter hätten nicht einmal Zugang zu den Aufzugsräumen gehabt, vom Vermieter sei niemand zu erreichen gewesen. Und die Aufzüge hätten danach das gesamte Wochenende nicht funktioniert.
Der Vermieter heißt Vonovia und ist Deutschlands größtes Wohnungsunternehmen. Das saniert die Aufzüge in den beiden Hochhäusern – was seit Monaten für Riesenärger sorgt. Denn die jeweils zwei Aufzüge pro Haus werden wechselseitig für die Arbeiten gesperrt, die neuen Anlagen funktionieren aber nicht richtig, weil es technische Probleme an der Mechanik der Türen gibt. So bleiben die Kabinen immer wieder stecken oder funktionieren über Tage gar nicht.
Die Feuerwehr rückt regelmäßig zur Rettung an. Als unsere Zeitung vor vier Wochen erstmals über die anfälligsten Aufzüge der Stadt berichtet hat, waren sieben Befreiungseinsätze aktenkundig. Inzwischen sind weitere dazu gekommen, außerdem ist offenbar zusätzlich eine Fachfirma mit Rettungsaufgaben betraut. Damals hieß es seitens des Vermieters, innerhalb einer Woche sollten die Probleme gelöst werden. Sogar ein Trageservice musste organisiert werden, um behinderte, alte oder kranke Bewohner durchs Treppenhaus zu transportieren. Doch die Schwierigkeiten bestehen fort.
„Weggesperrt wie Tiere“
„Besonders die älteren Leute in den oberen Stockwerken haben die Nase voll“, berichtet ein Betroffener. Viele fühlten sich „weggesperrt wie Tiere“, auch der Vergleich mit dem Stammheimer Gefängnis fällt immer wieder. Unterschriften haben die Mieter gesammelt, mit Strafanzeigen gedroht, auch ein Fernsehteam ist nach der Berichterstattung in unserer Zeitung vorbeigekommen. „Meine Frau traut sich nicht mehr, alleine Aufzug zu fahren, weil sie Panik bekommen würde, wenn sie noch mal stecken bleibt“, erzählt ein Mann. So geht es offenbar einigen. Sie verlassen die Wohnung lieber gar nicht mehr, als ein Risiko einzugehen. „Lieferdienste braucht man auch nicht anzurufen – von denen geht keiner zu Fuß elf oder zwölf Stockwerke hoch“, so ein Mieter.
Bei Vonovia betont man erneut, mit Hochdruck an einer Lösung des Problems zu arbeiten. „Wir hoffen, dass sich alles schnell zum Guten wendet“, sagt Sprecherin Bettina Benner. Man habe nun per Aushang in allen Etagen darauf hingewiesen, dass noch in dieser Woche die Reparaturarbeiten an den Türen ausgeführt würden. „Danach sollten die Aufzüge funktionieren“, so die Sprecherin. Bereits vor vier Wochen hatte der Konzern auch nach Protesten der Vonovia-Mieterinitiative angekündigt, eine Mietminderung für die Unannehmlichkeiten zu gewähren. Wann und in welcher Höhe die erfolgt, ist nach Angaben der Mieter aber bisher noch unbekannt. Jetzt heißt es ohnehin erst einmal weiter hoffen auf ein Ende der Probleme.