Noch handelt es sich lediglich um Vorplanungen. Werden sie umgesetzt, würde das ein komplett neues ÖPNV-Angebot in Sindelfingen und Böblingen bedeuten.
Die Stuttgarter Stadtbahn könnte von Stuttgart-Vaihingen bis nach Sindelfingen und Böblingen verlängert werden. Diese Pläne kursieren seit einigen Jahren, werden bei Bauvorhaben, wie etwa dem Goldbach-Quartier in Sindelfingen, mitgedacht und nehmen zaghaft konkretere Formen an. Würden sie umgesetzt, würde das ein komplett neues Angebot im öffentlichen Nahverkehr der beiden Städte schaffen. Möglicherweise sogar mit Stadtbahnen, die nicht nur bis zum Bahnhof in Böblingen fahren, sondern das Stadtgebiet erschließen.
Bisher sieht die Idee so aus: Die Linie U1 soll über den Eiermann-Campus in Vaihingen bis zum Sindelfinger Bahnhof verlängert werden. Dort spaltet sie sich auf. Eine Trasse führt weiter in den Sindelfinger Stadtteil Eichholz, die andere durch das Daimlerwerk hindurch über die Calwer Straße zum Böblinger Bahnhof. Diese aktuell favorisierte Linienführung geht auf ein Stuttgarter Planungsbüro sowie einen Arbeitskreis zurück, in dem unter anderem der Landkreis, die Städte Böblingen, Sindelfingen und Stuttgart, der VVS, aber auch Mercedes-Benz vertreten waren.
Stadtbahn könnte in der Böblinger Talstraße enden
In der jüngsten Sitzungen des Technischen Ausschusses beschäftigten sich die Böblinger Stadträtinnen und Stadträte mit dem Thema. Ein entscheidender Punkt war das vorgeschlagene Trassenende in der Talstraße am Böblinger Bahnhof. So würden die Gleise auf der Richtung Innenstadt gelegenen Seite enden, „womit sich die Möglichkeit einer perspektivischen Weiterführung durch das Stadtzentrum von Böblingen ergäbe“, heißt es in der Sitzungsvorlage.
Den Bedarf für die Stadtbahnverlängerung und – anbindung der beiden Städte sehen die Planer grundsätzlich gegeben. So kalkulieren sie laut Sitzungsvorlage im Abschnitt zwischen Vaihingen und Sindelfingen mit Stadtbahn-Fahrgastzahlen von 17 500 am Tag. Der Individualverkehr würde sich dadurch deutlich reduzieren und im Jahr ließen sich demnach rechnerisch 1245 Tonnen CO2 einsparen, nach Abzug der Emissionen, die beim Bau entstehen.
Bei Sperrungen oder Störungen auf der S-Bahnstrecke könnte die Stadtbahn als Alternative dienen und sie würde Sindelfingen und Böblingen sowie das Daimlerwerk noch besser miteinander verknüpfen, so die Begründung weiter. Allerdings kostet das Ganze einen Batzen Geld. Schätzungen des Planungsbüros aus dem Jahr 2022 gehen von knapp 800 Millionen Euro aus.
Verwaltung und Räte grundsätzlich Pro-Stadtbahn
Von dieser Summe könnten offenbar 90 Prozent vom Bund gefördert werden. „Bleiben also 80 Millionen übrig, bei denen noch offen ist, wie viel Böblingen bezahlen müsste“, sagte die städtische Bauleitplanerin, Jutta Ullrich, in der Ausschusssitzung.
In der es noch lange nicht um konkrete Baubeschlüsse, sondern um eine Positionierung zu den vorläufigen Plänen ging. Die Stadträte zeigten sich geteilter Meinung. Markus Helms (Grüne) gab den Zwiespalt seiner Fraktion wieder. So befürchteten die Grünen auf der einen Seite hohe Umweltbelastungen vor allem beim Bau der Trasse, bewerteten auf der anderen Seite aber das zusätzliche ÖPNV-Angebot als positiv.
Jürgen Haar (FDP) schien den Bedarf für die Stadtbahn-Verlängerung zu sehen und verwies auf die Buslinie 84, die zwischen Vaihingen und Sindelfingen pendelt und meist stark ausgelastet sei. CDU-Stadtrat Frank Wolf wiederum befürchtete unberechenbare Entwicklungen, Stichwort Hessebahn.
So lange die Finanzierung hauptsächlich an übergeordneter Stelle bleibe, begrüße die Stadt ein zusätzliches ÖPNV-Angebot, machte Oberbürgermeister Stefan Belz (Grüne) die Haltung der Verwaltung klar. Die Räte sprachen sich schließlich mit einer Gegenstimme grundsätzlich Pro-Stadtbahn-Verlängerung aus und stimmten dafür, den Nutzen und die Auswirkungen einer möglichen Stadtbahnanbindung an die Stadt Böblingen durch den Landkreis prüfen zu lassen. Das letzte Wort dazu hat am Mittwoch der Gemeinderat.