Hätten Sie ihn erkannt? Der neunjährige Iain Armitage spielt den jungen Sheldon Cooper und war zuvor schon in der Serie „Big Little Lies“ zu sehen. Foto: © Warner Bros.

Das Fernsehen liebt Nerds und Autisten. Sheldon Cooper ist beides. Jetzt kehrt er in „The Big Bang Theory“ zurück und bekommt mit „Young Sheldon“ eine eigene Serie. Aktuell kann man außerdem in „The Good Doctor“ oder „Atypical“ Autisten als Serienhelden erleben.

Stuttgart - Dieser mit der knuffigen Fliege geschmückte Dreikäsehoch ist viel zu jung, viel zu brav und viel zu schlau für die Highschool. Das modische Accessoire, das er sich so stolz um den Hals gebunden hat, kann ihm seine Mutter am ersten Schultag zwar gerade noch rechtzeitig ausreden. Aber auch ohne Fliege wird er sich schnell als Sonderling entpuppen, mit altklugen Belehrungen, philosophischen Exkursen und dem virtuosen Aufsagen sämtlicher Schulordnungsparagraphen nicht nur alle Mitschüler, sondern auch sämtliche Lehrer gegen sich aufbringen.

Dieser merkwürdige Neunjährige heißt Sheldon Cooper. Bisher kannte man ihn aus der Sitcom „The Big Bang Theory“, in der er das komische Epizentrum in einer Gruppe superschlauer Nerds ist, und am Ende der zehnten Staffel tatsächlich für einen großen Knall sorgt, als er vor der Zimmertür seiner Freundin Amy niederkniet, um ihr einen Heiratsantrag zu machen.

Schlaumeier sind die besseren Superhelden

An diesem Montag erfährt man auf Pro Sieben beim Start der elften Staffel von „The Big Bang Theory“ nicht nur, ob Amy ja sagt, sondern bekommt anschließend in dem Prequel „Young Sheldon“ vorgeführt, wie Sheldon zu Sheldon wurde. Jim Parson, der den hochbegabten Physiker Dr. Dr. Sheldon Cooper in „The Big Bang Theory“ spielt, ist in „Young Sheldon“ als Erzähler zu hören, sein jüngeres Ich wird von Iain Armitage gespielt – der Neunjährige hatte bereits in der Dramaserie „Little Big Lies“ an der Seite von Reese Witherspoon und Nicole Kidman auf sich aufmerksam gemacht. Anders als die Originalserie wird der Ableger nicht vor Studiopublikum live produziert, sondern aufwendig an vielen unterschiedlichen Schauplätzen inszeniert. In den USA ist das Konzept bereits aufgegangen: „Young Sheldon“ gelang mit 17,2 Millionen Zuschauern bei der Premiere der beste US-Comedy-Start seit vier Jahren.

Das wundert nicht wirklich, schließlich haben sich Nerds nicht nur in Serien zum beliebteste Heldentypus des digitalen Zeitalters entwickelt. Als Lehrer einem einst weismachen wollten, dass es cooler ist, sich für Mathematik, Physik und Informatik zu interessieren, als nur Mädchen und Fußball im Kopf zu haben, klang das wie ein blöder Witz. Wie recht sie damals damit hatten, führt der Aufstieg von Schlaumeiern wie Bill Gates, Mark Zuckerberg – und Sheldon Cooper vor. Der Microsoft-Gründer, der Facebook-Erfinder und der Star der TV-Sitcom „The Big Bang Theory“ haben gemeinsam, dass man sie früher abfällig als Streber und langweilige Computerfreaks bezeichnet hätte. Heute nennt man sie ­Geeks oder Nerds. Und diese Ausdrücke gelten inzwischen nicht mehr als Beschimpfung, sondern als Ehrentitel.

Autisten werden zu Ärzten oder gehen auf Verbrecherjagd

Sheldon Cooper ist allerdings ein bisschen mehr als ein hochbegabter Nerd. Er ist auch ein Autist. Und Menschen, die an Autismus beziehungsweise am Asperger-Syndrom leiden, finden sich derzeit in TV-Serien fast noch häufiger als klassische Nerds. Zum Beispiel in der Coming-of-Age-Story „Atypical“ (auf Netflix ab­rufbar), die von dem 18-jährigen Sam (Keir Gilchrist) erzählt und in der es um die Frage geht, wie man an der Highschool als autistischer Teenager ein Mädchen herumkriegt. Oder in der ­Arztserie „The Good Doctor“ (seit 2. Januar auf Sky 1), in der Freddie Highmore („Bates Motel“) einen autistischen ­Chirurgen spielt, der Schwierigkeiten hat, sich im Krankenhausalltag zurecht zu ­finden. Und in der dänisch-schwedisch-deutschen Krimiserie „Die Brücke – Transit in den Tod“ (seit 2011) ermittelt die autistische Kommissarin Saga ­Norén (Sofia Helin).

Natürlich darf man von all diesen Serien nicht unbedingt eine realitätsnahe Darstellung der Symptome der Autismus-Spektrum-Entwicklungsstörung erwarten. Die Probleme, die sich bei dieser Diagnose bei der Kommunktion und beim sozialen Umgang ergeben, werden letztlich nur genutzt, um besonders merkwürdige Sonderlinge als Helden zu erfinden. Die meisten TV-Autisten sind letztlich nur Supernerds, die dazu neigen, alles wörtlich zu nehmen.

Auf Pro Sieben startet am Montag, 8. Januar, um 20.15 Uhr „The Big Bang Theory“ und um 20.45 Uhr „Young Sheldon“.