Eklat bei Sandra Maischberger – die AfD wäre auch gern dabei gewesen. Foto: WDR

AfD-Chef Meuthen will TV-Sender dazu zwingen, Vertreter seiner Partei in Talkshows einzuladen. Sein Zorn ist durchaus verständlich, kommentiert Willi Reiners.

Stuttgart - In deutschen Polit-Talkshows darf eigentlich jeder auftreten. Bei Sandra Maischberger war am Dienstag die Ex-Grüne Jutta Ditfurth zu sehen, die aus ihrer Sympathie für linksradikale Gewalttäter keinen Hehl machte, woraufhin der konservative Unionschrist Wolfgang Bosbach wutentbrannt das Studio verließ. Im vergangenen Herbst saß bei Anne Will die Schweizer Muslimin Nora Illi und brach eine Lanze für die Scharia. Leider konnte man Illis Gesicht nicht sehen, da sie einen Vollschleier trug.

Angesichts der langen Liste illustrer Gäste, die im hiesigen TV zur Einschaltquotenmaximierung mal mehr, mal weniger randständige Positionen vertreten dürfen, ist der Ärger der AfD über ihrer Auffassung nach zu wenige Einladungen durchaus verständlich. In dieser Woche beispielsweise, nach dem Fanal von Hamburg, wäre es sehr naheliegend gewesen, einen Vertreter der Alternative für Deutschland einzuladen. Die Partei, die inzwischen immerhin in 13 Landesparlamenten vertreten ist, macht linksextremistische Gewalt seit Jahren zum Thema, weil ihre Politiker selbst davon betroffen sind. Sie ausgerechnet jetzt zu ignorieren, nährt den Verdacht, dass Teile der Öffentlichkeit tatsächlich auf dem linken Auge sehgetrübt sind, während rechts Überschärfe vorliegt.

Medienverantwortliche sind unbeeindruckt

AfD-Chef Jörg Meuthen erwägt jetzt, sich in die öffentlich-rechtlichen Gesprächsrunden hineinzuklagen. Ob das klug ist, sei dahingestellt. Zumindest verspricht es Aufmerksamkeit. Es passt auch zur Opferrolle, in die sich AfD-Vertreter nur zu gerne begeben, weil das die Anhängerschaft mobilisiert. Dagegen hilft nur, die AfD eben nicht zu ignorieren, sondern sich mit ihr auseinander zu setzen.

Die Verantwortlichen in den Sendern zeigen sich in ersten Reaktionen wenig beeindruckt vom Meuthen-Vorstoß. Man lade nach rein journalistischen Gesichtspunkten ein, heißt es da. Nun, wenn man schon diesen Maßstab bemüht, dann haben die Talkshowmacher mit Blick auf eine ausgewogene Aufarbeitung des G20-Gipfels schlicht versagt.

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