Pfarrer Schmolke und seine Haushälterin Heidi Brigitte Mäser beim Hühnerfüttern Foto: Caroline Friedmann

Noch betreut Pfarrer Hans Georg Schmolke die katholische Gesamtkirchengemeinde in Stuttgart-Ost. Nun wird er Wallfahrtspfarrer in Deggingen.

S-Ost - Stuttgart hat viel zu bieten – auch für einen Geistlichen. Pfarrer Hans Georg Schmolke zum Beispiel geht gerne ins Theater oder besucht die Landesbibliothek. Doch auf dieses kulturelle Angebot wird der Pfarrer der Herz-Jesu-Gemeinde in Gaisburg, der seit zwei Jahren auch die katholische Gesamtkirchengemeinde im Stuttgarter Osten betreut, wohl bald verzichten müssen. Denn im kommenden Sommer tritt der 65-Jährige eine neue Stelle an: als Wallfahrtsrektor der Wallfahrtskirche Ave Maria in Deggingen, einer Gemeinde im Kreis Göppingen mit rund 5000 Einwohnern. „Im Vergleich zu Stuttgart ist Deggingen natürlich schon eine Einöde“, sagt der Pfarrer lachend. „Das wird sicher ein Kulturschock, aber ich freue mich drauf.“

Den Kopf angestoßen, dann wurde alles anders

Eigentlich wollte Hans Georg Schmolke noch bis zu seinem Ruhestand in etwa fünf Jahren Pfarrer im Stuttgarter Osten bleiben. Doch ein Ereignis im Sommer 2018 veränderte für den Geistlichen alles: Im Juni stieß er sich den Kopf und hatte – zunächst ohne es zu registrieren – eine Einblutung unter der Schädeldecke. „Ich habe nur gemerkt, dass ich immer schlapper wurde. Und als meine Haushälterin mit mir spazieren ging und ich ständig stolperte, brachte sie mich ins Krankenhaus“, erzählt Schmolke. „Dann wurde ich operiert und diese Operation hat mein Leben gerettet.“

Nach der OP wachte der Geistliche an einem Montagmorgen im Krankenhaus auf – und konnte sich an nichts erinnern, nicht einmal mehr an seinen eigenen Namen. „Erst nach ein paar Tagen wusste ich wieder, wie ich heiße und wo ich wohne“, sagt Schmolke. „Und ich wusste, dass jetzt nichts mehr so ist wie vorher. Ich hatte einfach das Gefühl, etwas Neues machen zu müssen.“ Dieses Gefühl nahm der Pfarrer ernst. Er wandte sich an seinen zuständigen Bischof und bat um eine neue Aufgabe. Im Oktober kam dann der alles entscheidende Anruf: „Ich wurde gefragt, ob ich nicht die Wallfahrtsleitung in Deggingen übernehmen will, in einer wunderschönen Barockkirche mit Kloster. Das war wie eine Fügung.“

Der vierte Umzug mit dem Pfarrer

Dass er überhaupt einmal als Pfarrer arbeiten würde, war für Hans Georg Schmolke in jungen Jahren noch nicht klar. Er wuchs in Esslingen auf, besuchte die Volks- und die Handelsschule und machte zunächst eine Ausbildung zum Krankenpfleger. „Das soziale Engagement bei diesem Beruf hat mir gefallen“, erzählt der Pfarrer, „aber irgendwie hat mir das nicht gereicht.“ Nachdem er ein Jahr im Krankenhaus gearbeitet hatte, holte Schmolke das Abitur nach und studierte katholische Theologie in Tübingen. Er wurde Pfarrer und Seelsorger, seit mehr als neun Jahren ist er nun schon Pfarrer in der Herz-Jesu-Gemeinde in Gaisburg. Als zum 1. Januar 2017 die katholischen Gemeinden im Stuttgarter Osten – Herz Jesu, Heiliger Bruder Klaus von Flüe, Heilig Geist und St. Nikolaus sowie die ungarischen und vietnamesischen Gemeinden – in der Gesamtkirchengemeinde aufgingen, übernahm Schmolke die Leitung. An Pfingsten will er sich von seiner Gemeinde verabschieden. Wer sein Nachfolger wird, steht bisher noch nicht fest. Zum 1. Juli will er dann seine neue Stelle in Deggingen antreten und dort Wallfahrer empfangen, Gottesdienste abhalten und Hochzeitspaare trauen.

Nach Deggingen umziehen wird Hans Georg Schmolke aber nicht allein. Seine Haushälterin Heidi Brigitte Mäser, die schon seit 27 Jahren für ihn arbeitet, wird ihn begleiten. Ihr steht damit schon der vierte Umzug mit dem Pfarrer bevor. „Mir fallen Umzüge immer schwer“, sagt sie. „Mir werden meine Freunde und Bekannten fehlen, aber auch die viele Kultur in Stuttgart. Und hier konnte ich alles mit dem Fahrrad machen, das wird in Deggingen wohl nicht mehr gehen.“ An die ländliche Idylle werde sie sich hoffentlich gewöhnen, so Mäser. „Als junges Mädchen habe ich mir gewünscht, in einem Kloster in der Einöde zu leben. Vielleicht kann ich dieses Gefühl ja wieder aufleben lassen.“

Einen kleinen Vorgeschmack auf das Landleben bekommen Pfarrer Schmolke und Heidi Brigitte Mäser schon jetzt durch die drei Hühner, die in einem Gehege hinter dem Pfarrhaus in Gaisburg leben und kräftig Eier legen. „Die Hühner habe ich letztes Jahr geschenkt bekommen“, erzählt Schmolke. „Und da das Haustiere sind, kommen sie natürlich auch mit nach Deggingen.“

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