Der Schorndorfer Künstler Christoph Traub beim Symposium in Kairo bei der Arbeit an seiner Skulptur aus Kalkstein. Foto: privat

Badesachen, Sandalen, leichte Kleidung – das packen wohl die meisten für den Trip nach Ägypten ein. Anders Christoph Traub aus Schorndorf: Er ist mit Presslufthammer gereist.

Schwer bepackt hat sich Christoph Traub aus Schorndorf (Rems-Murr-Kreis) auf seine jüngste Reise gemacht. Zwei Koffer mit je 23 Kilo hatte er für den Trip nach Ägypten gepackt. Das meiste Gewicht, rund 30 Kilo, kam durch Werkzeug zustande. Beispielsweise hatte Traub einen Presslufthammer und verschiedene Meißel zur Steinbearbeitung im Gepäck. Denn während seines einmonatigen Aufenthalts in Kairo hat er fleißig gearbeitet.

 

Im Rahmen eines internationalen Symposiums hat der Schorndorfer eine monumentale Skulptur für ein noch im Bau befindliches Krankenhaus der Badr University in Cairo (BUC) geschaffen. Ein Glück, dass immerhin der Kalkstein dafür schon vor Ort war, denn der mächtige Brocken aus einem ägyptischen Steinbruch brachte ein Gewicht von rund sieben Tonnen auf die Waage.

Mindestens drei Meter hoch – das war die Vorgabe der Veranstalter des Symposiums in Kairo für die Skulpturen aus Granit oder Kalkstein. „Ein bissle kleiner hätte es für mich auch getan, da muss man weniger schaffen“, sagt Christoph Traub pragmatisch, „aber ich mag ja auch große Skulpturen.“ Der rechteckige, rund drei Kubikmeter große Steinblock, den der Bildhauer aus Schorndorf innerhalb eines Monats in eine Skulptur verwandelte, stand außerhalb des Stadtzentrums, neben der Baugrube für einen Krankenhausneubau. Dessen Parkanlage sollen die Skulpturen, die Christoph Traub und zwölf weitere Kunstschaffende aus dem Sudan, der Ukraine, Saudi Arabien, Tunesien, Ägypten und Südkorea während ihres Aufenthalts kreiert haben, künftig schmücken.

Arbeiten bei 35 Grad in einer Wüstenlandschaft

Christoph Traub hat in Kairo eine mehrere Tonnen schwere Skulptur erschaffen. Foto: privat

Aktuell braucht es noch einige Fantasie, um sich diese künftige Kunstmeile vorzustellen: Videos vom Symposium zeigen eine öde Fläche, eine Wüstenlandschaft ohne das kleinste bisschen Grün. Im rötlichen Sand liegen die mächtigen weißen Felsblöcke, an denen die Künstlerinnen und Künstler in der prallen Sonne arbeiten. Kein Strauch, kein Baum weit und breit, Schatten? Fehlanzeige. Teilweise arbeiteten die Bildhauer bei bis zu 35 Grad Celsius.

„Die Ägypter bauen immer weiter in die Wüste rein, es gibt unendlich viel Platz“, sagt Christoph Traub. Rund ums Zentrum von Kairo befinde sich ein rund 60 Kilometer breiter Gürtel mit Trabantenstädten. „Kairo ist riesig. Die Busfahrt vom Hotel bis zu unserem Arbeitsplatz am Stadtrand hat eine gute Stunde gedauert.“ Vor Ort unterstützten Fachleute aus den Steinbrüchen bei Assuan die Kunstschaffenden beim Drehen und Bewegen ihrer Skulpturen.

Der „Meister des Steins“ in Kairo

Die Einladung zum Symposium hat Christoph Traub, der auf der Internetseite als „Maestro of stone – Meister des Steins“ bezeichnet wird, vom Kurator Omar Toussoun bekommen. Ihn hatte er vor knapp 20 Jahren bei einem anderen Symposium kennengelernt. Über seinen Aufenthalt in Kairo sagt Christoph Traub: „Ich konnte da eine große Sache unter guten Bedingungen machen, wie ich sie hier nicht so bekomme.“ Leben könne man davon zwar nicht, „aber man kann sich komplett auf die Arbeit konzentrieren und kommt in ganz neue Ecken“. Natürlich hat er die Gelegenheit genutzt, in der freien Zeit Sehenswürdigkeiten wie das im vergangenen Herbst neu eröffnete Große Ägyptische Museum zu besichtigen.

Generell sieht der Bildhauer Symposien als Chance: „Man bekommt viel mit, lernt viel, und es ist toll, eine Arbeit so durchziehen zu können. Man muss sich um nichts kümmern und ist voll im Flow“, sagt Traub, der schon an Symposien in ganz Deutschland, der Schweiz, Frankreich und der Türkei, aber auch in Syrien, Indien und China teilgenommen hat.