„Beauty Loft“ heißt der Friseursalon von Yan Pintar in Ditzingens Innenstadt. Der 24-Jährige ist eine illustre Person, aktiv in den Sozialen Medien. Doch es geht ihm um tiefere Werte.
Schneiden, fönen, Dauerwelle? Yan Pintar macht auch das, selbstverständlich. Doch der Friseur, seit wenigen Wochen auch Meister seines Fachs, hat mehr vor. Was für die einen ein Friseursalon ist in der Ditzinger Ortsmitte, gleich neben einem Bäcker, ist für ihn ein Beauty Loft – in dem auch ein Make-up-Artist tätig ist sowie eine Nageldesignerin.
Tiktok und Instagram: Social Media ist Teil des Geschäftsmodells von Yan Pintar
An der Decke ist eine ausrollbare Leinwand als Hintergrund installiert, „um Content zu produzieren“, also um Fotos zu machen und Filme drehen zu können – Inhalte eben, um auf Social Media wie Tiktok, Instagram und all den anderen Plattformen im weltweiten Netz präsent sein zu können. Yan Pintar selbst ausdrücklich eingeschlossen.
Social Media ist Teil seines Geschäftsmodells, sich dort zu „connecten“, Follower des eigenen Profils zu generieren, selbst anderen zu folgen, zu schauen, was sie machen, das gehört für ihn zum Business. Und, nicht minder: In die Nähe zu kommen von Menschen, die im Netz schon eine riesige Reichweite haben.
Das Ziel: Selbst eine Marke zu kreieren und zu etablieren. Für Yan Pintar und seinen Freund, den Make-up-Artist im Salon, Spyro Kazepidis, ist die Größte Beyoncé. Nicht nur ihrer Musik wegen. Rokael Lizama, für das Make-up von Beyoncé verantwortlich, gilt als absoluter Star in seinem Metier.
Der Friseursalon in der Ditzinger Innenstadt nennt sich „Beauty Loft“, die Ladenfläche gleicht eher einer Location denn einem Salon. Und Pintar, der 24-Jährige, sagt von sich selbst: „Ich bin Künstler durch und durch“ – um im nächsten Satz klarzustellen, dass sich das Künstlerische durchaus mit dem Alltag seiner Kundschaft vertrage. „Wir müssen uns am Markt von Ditzingen orientieren.“
Zwischen Glamour und Alltag: Yan Pintars Weg von Leonberg über New York nach Ditzingen
Yan Pintar verbindet die Welt der Schönen, Berühmten und Trendsettern in Berlin, Hamburg und New York mit der Alltagswelt im Kreis Ludwigsburg. Der 24-Jährige ist in beiden Welten zu Hause. Aufgewachsen ist er in Leonberg. Dort ging er in die Schule, später führte sein Weg zur New York City Dance School nach Stuttgart, er ist ausgebildeter Tänzer mit Kenntnissen im Schauspiel. Das zugesagte Stipendium am Broadway scheiterte, weil Corona kam. Das ärgert ihn maßlos – „aber dafür habe ich meinen Freund hier kennengelernt“. Man wisse nie, für was etwas gut sei. Wichtig sei, versuchen, positiv zu bleiben. „Du weißt nie, wer neben dir steht und welche Steine er ins Rollen bringen kann.“
Seine Mutter führte ihn an eine Lehre heran. Sie hielt den Friseurberuf, wie auch sie ihn ausübte, auch für ihren Sohn geeignet. Nach mehreren Stationen hat er seit Oktober seinen Meisterbrief in der Tasche.
„Schönheit ist für mich mehr als das, was man sieht“
Die Kunden sollen aus seinem Salon rausgehen mit einem „Wow-Effekt“ und einem Lachen, so der Anspruch von Yan Pintar. Warum sich nicht für den Alltag schön machen? Er schließt nicht aus, dass soziale Medien auch Druck auf Menschen ausüben können, dass sie Idolen nacheifern wollen – im Zweifel mit Hilfe von Profis. Aber gehe es nicht auch darum, sich selbst etwas Gutes tun, sich selbst zu gefallen?
„Schönheit ist für mich mehr als das, was man sieht. Sie ist eine Energie, ein Ausdruck, ein Moment, in dem alles harmoniert – Haltung, Ausstrahlung, Emotion.“ Und er fügt an: „Der Wow-Effekt entsteht nicht nur durch Perfektion, sondern durch Authentizität.“ Die Begründung ist für ihn so einfach wie positiv: „Wenn jemand sich in seiner Haut wohlfühlt, seine Einzigartigkeit zeigt und das nach außen trägt, dann entsteht wahre Schönheit.“ Dabei ist Schönheit für ihn mehr als das, was auf den ersten Blick sichtbar ist: „Für mich bedeutet Schönheit, Charakter sichtbar zu machen – mit Farbe, Form und Gefühl.“
Die vergangenen zwei Jahre war er in Deutschland unterwegs. Stylen, schminken, fotografieren, Shootings machen – um „Wind zu bekommen auf Social Media“. Dann sei irgendwann der Zeitpunkt gekommen, dass für ihn feststand, einen eigenen Standort haben zu wollen, um auf diese Weise schlicht Geld zu verdienen. „Als Tänzer Geld zu verdienen ist schwierig.“
Stattdessen befasste er sich fortan verstärkt mit Mode, mit Schönheit, dem passenden Stil, er schaute Fotografen über die Schulter, lernte, was Lichtdesign bedeutet, war in der ZDF „Soko Stuttgart“ zu sehen, arbeitete später für AMG. Immer darauf bedacht, seinen Weg zu gehen, sich nicht blenden zu lassen vom Scheinwerferlicht, in dem die anderen standen. „Du musst kreativ sein, musst das durchziehen, musst deine eigene Marke kreieren.“ Man müsse „immer geradeaus gehen, aber rechts und links schauen. Wenn du deine Arbeit gut machst und präsentierst, kommt irgendwann die richtige Person“.
Deshalb sagt er auch: „Connection ist alles.“ Mit Dafine Neziri, Make-up-Artist, zum Beispiel. Oder Sofia Ghasab. Oder dass er in New York bei einer Fashionweek mal Paris Jackson traf – wer weiß, was sich daraus ergibt. Sein Traum ist, in Los Angeles bekannt zu werden. Hollywood, die Welt der Stars.
Yan Pintar kämpft um seinen Platz in der Modewelt – und im Leben
Völlig klar war deshalb auch für ihn, dass er sofort dabei war, als bei „Germanys Next Top Model“ auch Männer mitmachen konnten. Das sei ein cooles Erlebnis gewesen, auch wenn er letztlich nicht ausgewählt wurde. Er orientiert sich an den Großen der Branche, „man will ja selbst auf diese Größe kommen“. Gleichwohl geht es ihm nicht ums bloße Nachahmen. „Wer du bist, musst du für dich selbst erkämpfen.“
Er selbst kämpft auch noch. Denn eine große Frage in seinem Leben ist unbeantwortet. Geboren wurde er in der Nähe von Moskau, seine leiblichen Eltern kennt er nicht. Als er Drei war, wurde er von seinen Adoptiveltern aufgenommen. „Es ist etwas Schönes, wenn man Kindern, die keine Eltern haben, Familie schenkt.“ Einmal hat er versucht, mehr über sich zu erfahren. Der Versuch lief ins Leere. Er müsste dafür nach Russland reisen. Doch er ist im wehrfähigen Alter und würde sofort eingezogen. „Das kommt später, jetzt muss ich selbst erst einmal reifen.“ Und sich neue Geschäftsfelder erschließen, das der Perücken zum Beispiel.
Sein Motto ist, sich das Leben trotz allem bunter zu machen. Wer liebe, was er macht, übertrage das auch auf andere. Dass dazu auch gehört, an sich selbst zu arbeiten, steht für ihn außer Frage. Und wenn es nicht gleich klappt, dann sei es so. „Wenn es je nicht klappt, dann lass Zeit drüber gehen, dann klappt es später. Zeit ist alles.“
Zeit muss er auch haben, wenn er selbst zum Friseur gehen will: Sein eigener Friseur agiert in Barcelona. Zweimal im Jahr ist er dort. Dazwischen lässt er seine Haare wachsen. Sie werden braun. Bis zur Barcelona-Tour. Dann sind sie wieder blond.