Kolonne fahren für sichere Radwege – die Raddemo der Grünen fuhr von Ditzingen über ­Gerlingen bis nach Leonberg. Foto: Udo Hielscher

Zu eng, zu unsicher oder gar nicht vorhanden – der Zustand der Radinfrastruktur um Leonberg lässt in den Augen der Grünen zu Wünschen übrig.

Gerade ist vielerorts die Aktion Stadtradeln angelaufen, und da ist es nicht ungewöhnlich, besonders viele Zweirad-Enthusiasten auf einem Haufen anzutreffen. Wer am Sonntagnachmittag im Bereich Leonberg, Ditzingen und Gerlingen unterwegs war, dem ist vielleicht eine Kolonne von 130 Radfahrern begegnet. Doch handelte es sich dabei nicht um eine gemütliche Ausfahrt, sondern um eine Raddemo.

 

„Drei Städte gemeinsam für bessere Verbindungen“ – unter diesem Motto hatten die Ortsverbände von Bündnis90/Die Grünen in den drei Städten zur Fahrraddemo aufgerufen. Was sie verbindet? „Die Probleme sind überall ähnlich“, sagt Grünen-Stadträtin Simone Rathfelder aus Ditzingen, die die Raddemo mitorganisiert hat. Ziel war es, auf die jahrzehntelangen Versäumnisse in der Radinfrastruktur aufmerksam zu machen und konkrete Verbesserungen einzufordern.

Auftakt der Demo war in Ditzingen, bevor es weiter nach Gerlingen und bis Leonberg ging. Etwa 130 Radfahrer haben sich der Tour beteiligt. Foto: Udo Hielscher

Die Mängelliste, die die Grünen beim Thema Radinfrastruktur sehen, ist lang. In den Stadtzentren fehlten durchgängige und sichere Radwege. Oft endeten sie unvermittelt im Nichts, mitten im Verkehr. Es fehle an Platz für Radfahrende, Kreuzungen seien gefährlich, und eine klare Führung des Radverkehrs sei eher selten. Auch zwischen den Kommunen mangele es an sicheren Verbindungen – viele Wege seien zu schmal, schlecht ausgebaut oder gar nicht vorhanden. „Dabei sind gerade diese Strecken wichtig für Pendlerinnen und Pendler, die mit dem Fahrrad zur Arbeit fahren möchten“, sagt Rathfelder.

Auf die jeweiligen Probleme vor Ort machten die Demonstranten am Sonntag vor den Rathäusern mit kurzen Kundgebungen aufmerksam. Zuerst in Ditzingen, dann nach einer Radfahrt nach Gerlingen vor dem dortigen Rathaus und einer weiteren Tour nach Leonberg auf dem dortigen Marktplatz. Empfangen wurden sie jeweils von den Stadtoberhäuptern persönlich. Auch die Grünen-Landtagsabgeordneten Markus Rösler (Strohgäu) und Peter Seimer (Leonberg/Herrenberg) waren nach Ditzingen beziehungsweise Leonberg gekommen.

Da ging es etwa um den Radweg zwischen Ditzingen und Gerlingen. „Der ist seit meiner Kindheit unverändert – also immer noch gefährlich, eng und ungeeignet für den Alltag. Es braucht endlich eine durchgängige Radspur entlang der Straße“, sagt Karin Hauff, die im Vorstand der Grünen in Gerlingen vertreten ist. In der Stadt hatte man jüngst sehr kontrovers über Fahrradstraßen diskutiert.

Martin Loch die Bedeutung des Rades gerade für Kinder und Jugendliche, die noch nicht Auto fahren können. „Das Rad hat da einfach einen hohen Stellenwert“, sagte er. Das bestätigte auch Volker Gardain vom ADFC Strohgäu, Organisator der Kinder-Fahrraddemo Kiddical Mass in Ditzingen. „Weil viele Kinder sich im Verkehr oft nicht sicher fühlen, fahren sie selten Rad. Eine kindgerechte Verkehrsplanung würde Städte entlasten, das Klima schützen und den Alltag für alle verbessern.“

In Leonberg verwies der frühere Grünen-Gemeinderat Klaus Wankmüller darauf, dass immer mehr Menschen das Fahrrad nutzen, wenn der Weg kürzer als fünf Kilometer sei, also gerade bei Fahrten innerorts. „Doch die Infrastruktur bleibt zurück – das gefährdet die Sicherheit und verärgert viele.“

„Die Verkehrspolitik der letzten Jahrzehnte war eine Politik fürs Auto mit gravierenden Folgen: Staus, Lärm, Abgase und verlorene Lebensqualität“,fasst es Simone Rathfelder zusammen. Für die Grünen-Ortsverbände ist klar: Das Fahrrad ist klimafreundliche, gesunde und platzsparende Alternative. „Aber dafür braucht es sichere Wege.“ Dafür wollen die drei Grünen-Ortsverbände künftig gemeinsam kämpfen.