Audrey Hepburn machte in „Frühstück bei Tiffany“ das Kleine Schwarze zum Inbegriff der Eleganz. Foto: Imago/Everett Collection

Legendäre Auftritte: Manche Kleider sind unvergessen und auch stilprägend – für das jeweilige Jahrzehnt sowie für die Trägerin.

Stuttgart - Ob Audrey Hepburns Kleines Schwarzes oder Billie Eilishs Pyjama-Gewänder: Manche Kleider schreiben Geschichte. Und sie haben nicht nur ihre Trägerinnen berühmt gemacht, sondern stehen oft auch für die Mode und das Gefühl eines ganzen Jahrzehnts.

 

1961: Inbegriff von Eleganz

Inbegriff von Eleganz Gerade noch verkatert und im Pyjama, schlüpft die lebenshungrige Holly Golightly in „Frühstück bei Tiffany“ in ein schlichtes, schwarzes Kleid, kombiniert dazu Perlenschmuck und fragt ihren Nachbarn: „Wie sehe ich aus?“ Die Antwort braucht sie gar nicht abzuwarten: umwerfend! Mit dieser Filmszene machte Audrey Hepburn 1961 nicht nur sich selbst zur Stilikone für die Ewigkeit, sondern auch das Kleine Schwarze zum Inbegriff von Eleganz. Ob wie im Film vom Modeschöpfer Hubert de Givenchy oder von der Stange: der Klassiker, den Coco Chanel in den 20ern erfunden haben soll, steht jeder Frau.

1974: Mit Glamour und Schlag

Mini, Midi, Maxi. Jeans und Leder. Flower-Power und Disco-Glamour – die Mode der 70er Jahre steht für kunterbunten Stilmix. Perfekt verkörpert wurde dieser von Abba. Das Quartett aus Schweden schrieb nicht nur mit Songs wie „Waterloo“ und „Dancing Queen“ Musikgeschichte, es setzte auch mit seinen so spektakulären wie schrillen Outfits Akzente. 1974 etwa, beim Auftritt in der Musiksendung „Top of the Pops“, trug Frida Lyngstad (links) einen Mini mit vielen Schlitzen. Furore machte jedoch ihre Gesangspartnerin Agnetha Fältskog (rechts) im weißen Jumpsuit samt grünem Cape – oben eng, unten mit Kräusel-Schlaghose. Fortan galt sie als Frau mit dem erotischsten Po der Popmusik.

1988: Ein Hauch von Nichts

Cher behauptet sich seit mehr als 50 Jahren als Sängerin und Schauspielerin im Showbiz – mit starker Stimme und körperbetonter, freizügiger Kleidung. Ein Outfit bleibt besonders in Erinnerung: der Hauch von Nichts, den sie 1988 trug. Kaum zu glauben, aber dass sie in dem transparenten Perlen- und Paillettenkleid von Designer Bob Mackie ihren Oscar als beste Hauptdarstellerin („Mondsüchtig“) entgegennahm, sorgte damals für Empörung. Dabei waren Pailletten in den 80ern das große Ding. Immerhin: 1999 kam mit dem „Fashion Oscar“, den Cher für ihren Einfluss auf die Modewelt erhielt, eine späte Ehrung.

1994: Goldene Nadeln

Bei der Premiere von „Vier Hochzeiten und ein Todesfall“ geht Hauptdarsteller Hugh Grant 1994 auf dem roten Teppich quasi unter. Die Stars sind stattdessen seine damalige Freundin Liz Hurley und ein atemberaubendes Versace-Kleid. Die gewagte, mit goldenen Sicherheitsnadeln zusammengehaltene Variante des Kleinen Schwarzen macht die Britin über Nacht berühmt – und die Robe unvergessen.

2010: Zwölf Kilo Rindfleisch

Dass man bei Galas in Abendkleid mit dazu passenden Accessoires wie Schuhen, Tasche und Kopfbedeckung erscheint, ist nichts Ungewöhnliches. Es sei denn, das Outfit ist komplett aus rohem Rindfleisch. In dieser zwölf Kilo schweren Montur trat Lady Gaga im September 2010 bei den MTV Video Music Awards auf – und der Skandal war perfekt. Den Grund dafür erklärte die exzentrische Sängerin und Schauspielerin später so: Sie habe zeigen wollen, dass sie „kein Stück Fleisch“ ist. Kürzlich trug sie das inzwischen gut abgehangene Kleid erneut: um bei der US-Wahl zum Urnengang aufzurufen.

2020: Demonstrativ unsexy

Im Januar räumte sie als erste Frau in der Geschichte der Grammys alle vier Hauptpreise ab. Zur Gala erschien Billie Eilish demonstrativ unsexy: in einem ihrer typischen weiten Pyjama-Gewänder. Wobei der Glitzer-Schlafi vom italienischen Luxus-Modehaus Gucci extra für die Sängerin kreiert wurde. Trotzdem: Brust raus, Bauch rein?! Eilish pfeift auf solche Diktate. Sie will „Vorstellungen auf den Kopf stellen“, wie man sich als Frau zu präsentieren hat. Und steht damit für Offenheit und Diversität. Den Grammy-Look komplett machte übrigens eine Gesichtsmaske – womit Eilish die Corona-Pandemie vorausgeahnt zu haben scheint.