Nach den ersten beiden Adventswochenenden nimmt die Zahl der Weihnachtsmärkte im Kreis deutlich ab. Dafür geht es dort um so festlicher und familiärer zu.
Pünktlich um 14 Uhr verkünden die Glocken der St.-Veit-Kirche den Auftakt des Waldenbucher Weihnachtsmarktes. Auf den ersten Blick ist alles wie immer: Auf dem Kirchenvorplatz, der hier wegen der Spielfläche auf dem Boden von allen nur „Schachbrett“ genannt wird, spielt die Jugendkapelle des Musikvereins „Jingle Bells“, danach singen die Kinder der Kindergärten Mühlhalde und Glashütte „Feliz Navidad“. Bürgermeister Chris Nathan sagt ein paar Worte zur Eröffnung, dann kommt der Nikolaus und verteilt kleine Geschenke an die Kinder, die sich mit erwartungsvollen Blicken um ihn herum scharen.
So weit, so gewohnt. Ein paar Dinge sind diesmal jedoch anders rund um Marktplatz, Schloss, Rathaus und Stadtkirche. Denn dieses Jahr feiert der Waldenbucher Weihnachtsmarkt sein 50-Jahr-Jubiläum. „Der Markt erstreckt sich deshalb vom Kinderkarussell auf dem Graben bis hin zum Streichelzoo im Schlosshof“, sagt Bürgermeister Nathan und kündigt für diesen Samstagnachmittag noch eine ganze Reihe von Höhepunkten an – darunter eine Lichtershow zum großen Finale am Abend, bei der ein Künstler auf spektakuläre Weise unterschiedlichste LED-Objekte jongliert.
Rathausmitarbeiterin liest selbst geschriebene Weihnachtsgeschichten vor
Neu ist diesmal auch, dass im Museum der Alltagskultur im Schloss Winterbasteln und Erlebnisstationen für Kinder angeboten sind und im Nebengebäude (Offizin) bieten Hobbykünstler Selbstgemachtes wie Holzschmuck, Upcycling-Produkte wie Weihnachtssterne aus Sektflaschen-Drahtgestellen und Geldbörsen aus Ritter-Sport- und Capri-Sun-Verspackungen an.
Ebenfalls aktiv dabei ist die Musikschule, die neben Konzertvorträgen auch ihre Räume für die Hörspielgruppe Wohnzimmerklang zur Verfügung stellt. Dahinter verbirgt sich die Waldenbucher Rathausmitarbeiterin Susanne Hellus, die selbst geschriebene Weihnachtsgeschichten vorträgt.
Eine schmerzlich vermisste Besonderheit auf dem Waldenbucher Weihnachtsmarkt ist die mit Reisig und Lichtern festlich geschmückte, in vielen Arbeitsstunden gebaute und schließlich aufwendig mit einem Lastenheber aufgesetzte Krone auf dem Marktbrunnen. Auf diesen Anblick zur Oster- und Adventszeit hatte man hier eine ganze Weile lang verzichten müssen, weil nach Ausbruch des Ukrainekriegs und der damit verbundenen Energiekrise zunächst einmal Stromsparen angesagt war.
Türkisch-Islamischer Kulturverein neben Schalke-Fanclub
„Es ist toll, dass Waldenbuch so schön zusammenhält“, stellt Katharina Kutzmutz fest. Es sei die „familiäre und herzliche Atmosphäre“, die hier den Reiz ausmacht, sagt Waldenbuchs Stadtmarketingbeauftragte mit Blick auf das lebendige Markttreiben um sie herum: Aus den Buden duftet es nach Waffeln, Glühwein und Grillwurst. Dank der Fischergemeinschaft Waldenbuch liegt auch ein leckeres Backfisch-Aroma in der Luft.
An insgesamt 53 Ständen spiegelt sich die ganze Vielfalt der Stadtgemeinschaft wider: Von TSV, Ski-Club und Schlepperfreunde, über lokalpolitische Ostvereine und Ponderosa-Freizeit bis hin zu DRK und DLRG ist alles dabei. Auch der Türkisch-Islamische Kulturverein macht mit und serviert unter anderem türkischen Mokka. Direkt gegenüber bietet der Schalke-Fan-Club Königsblau einen scherzhaft-spöttisch „Zeckenschutz“ genannten Schnaps an, der laut Hersteller gegen „Borusseliose“ wirkt.
Außer in Waldenbuch finden an diesem dritten Adventswochenende auch noch Weihnachtsmärkte in Maichingen, Breitenstein und Altdorf statt. Letzterer ragt dabei besonders heraus: Im Wechsel mit dem zweijährlich stattfindenden Weihnachtsmarkt im Ortskern veranstaltet hier der Nebenerwerbslandwirt Eberhard Zipperer mit seiner Frau Heidrun bereits zum vierten Mal seinen Scheunenweihnachtsmarkt.
Familiärer geht es kaum: Mit zehn Ständen und viel Engagement schafft Zipperer mit Verwandten, Freunden und alten Schulkameraden ein kleines Adventswunder.