Der verurteilte Drogenschmuggler sitzt nicht zum ersten Mal in Haft (Symbolfoto). Foto: dpa

Ein 36-Jähriger aus dem Rems-Murr-Kreis muss für Jahre ins Gefängnis. Seine Karriere als Projektmanager endete abrupt, als er erneut in den Drogenhandel abrutschte.

Schneller als erwartet ist der Prozess gegen einen 36-jährigen Mann zu Ende gegangen, der einen schwunghaften Drogenhandel im Rems-Murr-Kreis betrieben hat. Die 9. Große Strafkammer des Landgerichts Stuttgart verurteilte den Angeklagten wegen Drogenhandels in 26 Fällen sowie schweren Bandendiebstahls zu sechs Jahren Gefängnis.

 

Damit entsprach das Gericht der Forderung der Staatsanwaltschaft. Die Verteidigung hatte auf den unteren Rahmen der vereinbarten Prozessverständigung von fünf Jahren und acht Monaten plädiert. Zudem wurde die Unterbringung des 36-Jährigen in einer Entziehungsanstalt angeordnet. Die Staatsanwaltschaft fordert von ihm zudem knapp 356.000 Euro Wertersatz, die der Angeklagte durch die Taten erlangt hat.

Die 9. Große Strafkammer des Landgerichts Stuttgart verurteilte den Angeklagten zu sechs Jahren Gefängnis. Foto: Bernd Weißbrod/dpa

Drogenhandel im Rems-Murr-Kreis: 95 Kilo Marihuana verkauft

Nicht zuletzt aufgrund des Geständnisses des Angeklagten sahen es die Richter als erwiesen an, dass der 36-Jährige in den Jahren 2020 und 2021 insgesamt rund 95 Kilogramm Marihuana, etwa 600 Gramm Amphetamine und rund 2,5 Kilogramm Kokain größtenteils in Spanien gekauft und im Großraum Stuttgart und im Rems-Murr-Kreis verkauft hat. Teilweise seien die Geschäfte über Krypto-Handys und den Messangerdienst Sky ECC angebahnt worden. In zwei Fällen seien die Drogenpakete in Autos des Angeklagten abgelegt worden.

Drei Sendungen aus Spanien mit insgesamt rund vier Kilogramm Marihuana wurden vom Zoll in Poststationen in Speyer und Süßen sichergestellt. Eingeräumt hatte der Angeklagte auch, zusammen mit vier Komplizen zur Finanzierung der Drogenkäufe im Februar 2021 von einer Baustelle in Dürmentingen im Landkreis Biberach Gerüstteile im Wert von 9000 Euro von einer Baustelle gestohlen und in Trier verkauft zu haben.

Das Leben des 36-Jährigen war nicht einfach: Seit seinem 13. Lebensjahr konsumierte er Marihuana und Amphetamine, mit den Geschäften finanzierte er seinen eigenen Drogenkonsum. Grund dafür sei gewesen, dass sein Vater gestorben sei und er den Verlust so zu kompensieren versucht habe. Dennoch schaffte er den Realschulabschluss und war bei der Bundeswehr auf einem guten Weg, ehe er wegen Diebstahls von Tabletten unehrenhaft entlassen wurde.

Vom Projektmanager zum Drogenhändler: Ein Schicksalsschlag zu viel

Im Alter von 24 Jahren wurde er wegen Drogenhandels zu einer mehr als sechsjährigen Haftstrafe verurteilt. Nach einer Therapie begann er in der Firma seines Stiefvaters in Aspach als Projektmanager und arbeitete sich Schritt für Schritt nach oben. 2018 musste er den Verlust seiner zweiten Bezugsperson verkraften, als sein Stiefvater bei der Reinigung einer Zisterne verunglückte und ebenfalls verstarb. Zusammen mit dessen Tochter und dem Schwiegersohn führte er die Firma fort, bis diese wegen der Corona-Pandemie im Frühjahr 2020 keine Aufträge mehr erhielt. Dies habe ihn unter Druck gesetzt, weil er sich für die Mitarbeiter verantwortlich gefühlt habe.

Dass er tatenlos zu Hause sitzen musste, tat dem 36-Jährigen nicht gut: Erneut griff er zu Marihuana und Amphetamin und kam über einen Bekannten sogar zu Kokain, nachdem er sieben Jahre lang ohne Rauschgift ausgekommen war. Als er im März 2021 erfuhr, dass die Polizei gegen ihn ermittelte, setzte er sich nach Spanien ab, wohnte vier Jahre lang bei Freunden und nahm Gelegenheitsjobs an, ehe er vergangenes Jahr festgenommen und ausgeliefert wurde.