Familiäre Stimmung im Engelberg: Marie und Lothar Mattner mit den Söhnen Emil (re.). Paul (li.) und Till sowie den Servicekräften Jule Röschel und Oliver Sauermann (hinten). Foto: Simon Granville

Marie und Lothar Mattner, die am Marktplatz das beliebte Domizil betreiben, übernehmen die SV-Vereinsgaststätte. Das Paar verspricht schwäbisch angehauchte Küche. Ihr Lokal in der Altstadt läuft erst einmal weiter.

Für Gäste, die mit Strichen auf Bierdeckeln als Verzehrbeleg gastronomisch sozialisiert wurden, mögen die heute üblichen Folgehandlungen nach dem Getränkebestellen arg futuristisch wirken: Die Bedienung ordert bei der Thekenkraft nicht mehr zwei Bier, drei Cola, zwei Schorle und eine Limo. Für jedes einzelne Getränk wird stattdessen ein Bon gescannt, und das – oh Wunder der Technik – bringt die Zapfanlage in Betrieb. Aus den Hähnen kommt genau die Menge Flüssigkeit, die der Gast haben möchte. Die Zeiten des kunstvollen Zapfens eines Sieben-Minuten-Pils scheint vorbei.

 

„Aber es erleichtert die Arbeit ungemein“, sagt Marie Mattner, als sie nicht ohne Stolz die technische Innovation vorführt. Die Wunderzapfanlage steht im neuen Restaurant Engelberg, das sich, nomen est omen, auf selbigem befindet. Hier, sozusagen im Schatten des Engelbergturms, ist schon seit vielen Jahren eine Vereinsgaststätte, einst unter der Flagge der TSG Leonberg, mittlerweile unter jener des Großvereins SV Leonberg/Eltingen.

Sie kennen sich aus gemeinsamen Sport-Zeiten

Wurden hier früher die Freunde der Balkanküche in einem eher rustikalen Ambiente satt, so schaut es mittlerweile oberhalb der Stuttgarter Straße, direkt unterhalb des Rasenplatzes und neben den Tennisplätzen, durchaus zeitgemäßer aus. Seit einem halben Jahr haben Marie und Lothar Mattner das Lokal grundlegend renoviert, tatkräftig unterstützt vom SV-Vorstandsmitglied Matthias Groß. Der ist nicht nur beim Thema Bauen ein ausgewiesener Fachmann, sondern zudem im Sportverein für die Liegenschaften zuständig.

So wundert es nicht, dass „Matze“ Groß, wie er in Sportkreisen genannt wird, bei einem gemeinsam Plausch mit Lothar Mattner auf die Idee mit dem Engelberg gekommen ist. Beide kennen sich gut aus ihrer früheren Zusammenarbeit: Mattner hat die Trainer-A-Lizenz und hatte vor sieben Jahren die erste Fußballmannschaft gecoacht.

Außerdem kehren die Leonberger Handballer gerne im Domizil ein, jener populären Altstadt-Kneipe, die ebenfalls von den Mattners betrieben wird. Und genau um diese Lokale ging es im Gespräch zwischen Groß und Mattner. Denn ob der fußballaffine Gastronom dauerhaft am Marktplatz bleiben kann, ist ungewiss.

Das Haus wurde von einer Investmentgesellschaft gekauft. Die wiederum will im Erdgeschoss, das momentan komplett vom Domizil genutzt wird, ein weiteres Ladenlokal einrichten und hat auch für den Gewölbekeller, in dem häufig gut besuchte Konzerte stattfinden, andere Pläne.

Mattner verhandelt mit neuem Eigentümer

Sollte es zu diesen Flächenverlusten kommen, sieht Lothar Mattner keine Geschäftsgrundlage mehr für das Lokal. „Wir brauchen den Platz einfach“, sagt der erfahrene Gastronom. Ohne Küche und Keller würde es sich einfach nicht rechnen.

Aufgeben will er aber nicht: „Ich hänge am Domizil.“ Deshalb verhandelt er mit seinem neuen Vermieter, ob nicht doch eine Nutzung sämtlicher bisheriger Flächen möglich ist. Auf jeden Fall müsse sich niemand sorgen machen, dass die Kultkneipe am Marktplatz plötzlich zu ist. Die Mattners haben einen Pachtvertrag bis Ende des kommenden Jahres. So lange soll es weitergehen.

Schwäbisch angehauchte Karte

Um sich aber voll auf ihr neues Objekt zu konzentrieren, haben sie fürs Domizil extra einen Geschäftsführer eingestellt. Denn im Engelberg, wie das Restaurant auch heißt, hat das Pächterpaar genug zu tun. Hier soll es vor allem um gutes Essen gehen.

Dafür hat das Ehepaar, das mit seinen drei Söhnen direkt im Haus wohnt, eine schwäbisch angehauchte Speisekarte zusammengestellt, auf der Rostbraten, Schnitzel, Maultaschen, Linsen oder Käsespätzle nicht fehlen. Das Fleisch kommt von der Höfinger Metzgerei Hess, die auch die Restaurants Unteres Tor und Pulcinella beliefert.

Der Chef kocht selbst

Wer es fleischlos mag, wird im Engelberg natürlich ebenfalls fündig. Asiatische Apfel-Curry-Selleriesuppe, Salat mit und ohne Feta oder Pasta mit veganen Bällchen sind nur einige der vegetarischen Gerichte, die vom 23. April an serviert werden. An diesem Sonntag geht es im neuen Restaurant los.

Dann dürften nicht nur Marie Mattner an der Hightech-Theke und die Service-Kräfte Jule Röschel und Oliver Sauermann viel zu tun haben, sondern auch Lothar Mattner. Im Engelberg gilt die Devise „Hier kocht der Chef“. Dafür hat er sich in den vergangenen Wochen von erfahrenen Küchenmeistern schulen lassen. Und die Gäste eines internen Probeessens waren durchaus angetan.

Große Außenterrasse

Die Mattners hoffen, dass bis dahin die Leonberger Regenzeit ein Ende hat, verfügt doch das Lokal über ein große Freiterrasse mit Blick ins Grüne. „Wer einen Spaziergang macht oder mit dem Fahrrad unterwegs ist, kann bei uns wunderbar einen schönen Stopp einlegen“, sagt Lothar Mattner, der auf dem Parkplatz vor dem Haus eine Ladestation für E-Bikes einrichten möchte. Tendenziell hätte er auch gerne eine Tankstelle für E-Autos, aber das ist sehr aufwendig.

So geht die Familie Schritt für Schritt vor, den ersten großen macht sie am Sonntag.