S-Bahn-Mitarbeiter haben als Geste für die Mühen der Pendler wegen der Vollsperrung eine überraschende Aktion in Waiblingen gemacht – denn die Belastungen sind heftig.
Sie hatten sich in Nikolauskostüme geworfen und am Mittwoch kostenlos Punsch am Waiblinger Bahnhof spendiert: Mitarbeiter der S-Bahn gaben das warme Getränk als freundliche Geste dafür aus, dass Pendler in den drei Adventswochen während der Vollsperrung zwischen Fellbach und Cannstatt viel Geduld aufbringen müssen.
Oder wie ein Bahnsprecher sagt: „Eine Alternative zu Modernisierung und Sanierung des Schienennetzes gibt es leider nicht, wenn wir die Schieneninfrastruktur erhalten und stärken wollen. Die vielen Bahnbaustellen in der Region bedeuten für die Menschen hier in der Region massive Einschränkungen im Alltag.“ Er erklärte, mit der Punsch-Aktion in Waiblingen zeigen zu wollen, dass man bei der S-Bahn die Belastungen für die Fahrgäste anerkenne. Zudem wolle man sichtbar machen, dass alles dafür getan werde, damit die Reisenden möglichst reibungslos zwischen S-Bahnen und Ersatzbussen umsteigen könnten und so im Alltag mobil blieben.
Einen Tag zuvor war ein Team im Auftrag des VVS in der Dammstraße unterwegs, um die Fahrgäste an den Haltestellen des Schienenersatzverkehrs zu befragen. Sie fragten, wie die Kommunikation beim Schienenersatzverkehr verbessert werden könnte.
Leserzuschriften schildern, was noch gar nicht rund läuft
Drei Wochen lang komplett gesperrt ist seit 1. Dezember die Bahnstrecke zwischen Bad Cannstatt und Fellbach. Die Pendler aus dem Remstal müssen in dieser Zeit, um nach Stuttgart zu kommen, in Busse steigen, das kostet Zeit und Nerven – und manches läuft noch gar nicht rund.
Das machen auch die Reaktionen deutlich, die unsere Zeitung von Lesern erreichen. So schildert eine Leserin aus Fellbach-Schmiden folgende Situation von Montag, 17.30 Uhr, in Bad Cannstatt: „Wo fährt der Bus nach Fellbach? Eigentlich nicht zu verfehlen, aber nur eigentlich. Bemühte Ordner ‚sortieren’ die Pendler an den Bussteigen nach Schnellverbindung und Zwischenstopp. Ein Bus nach Waiblingen steht da mit einem laminierten Hinweis an der Frontscheibe, der den Halt in Fellbach und Sommerrain anzeigt. Das Fahrzeug steht auch an der korrekten Haltestelle.“
Doch dann komme die Überraschung: „Der Bus wechselt während der Fahrt die digitale Anzeige. Ebenso wird der laminierte Hinweis mit Zwischenstopp kurzerhand umgedreht“, schreibt die Leserin. Sodass der Bus ohne Halt mit einer großen Schleife um den Waiblinger Bahnhof ohne Stopp nach Waiblingen gefahren sei. Dort habe es noch eine Debatte gegeben, dass die Fahrgäste des Lesens nicht mächtig gewesen seien, sodass sie in den falschen Bus gestiegen seien. „Das empfinde ich als mittelmäßig frech. Somit haben wir mit dem S2E von Bad Cannstatt nach Fellbach sage und schreibe über eine Stunde benötigt. So bekommt man keine Autofahrer in den ÖPNV. Um ehrlich zu sein, das motiviert doch zum Autofahren, trotz aller Widrigkeiten“, macht die Leserin ihrem Ärger Luft.
In einer weiteren Leserreaktion schildert ein Fahrgast aus Aalen seinen Unmut: Keine Ordnungsperson habe sich in Stuttgart befunden, Ellbogen würden „unschön eingesetzt“. Der Gelenkbus sei völlig überfüllt gewesen. „Der Bus kam zu spät und konnte wegen des besetzten Türbereichs nicht losfahren“, schreibt er. Der Fahrer habe nur Russisch gesprochen, sei nicht auf der Busspur gefahren, und es gebe keine Sicherheitsgurte, obwohl man auf der Bundesstraße unterwegs sei, und die „Fahrgäste stehen bis zur Frontscheibe wie die Sardinen“. Zusätzlich gebe es eine Baustelle und eine Fahrbahnverengung in Stuttgart auf der Cannstatter Straße B10/B14, was Stau bedeute. Sein Fazit: „Und das soll drei Wochen so bleiben? Wer hat sich das ausgedacht? So nicht!“
Das Volumen der Bauarbeiten der S-Bahn ist, wie ein Bahnsprecher verdeutlicht, enorm gestiegen. Wenn man die aktiven Baustellen der S-Bahn 2025 auf einem Zeitstrahl reihen würde, wären das 3662 Baustellentage. Das entspräche umgerechnet etwa zehn Jahre lang Baustelle. Das seien 140 Baustellen-Tage mehr als 2024. Was die gefahrenen Kilometer mit dem Schienenersatzverkehr angeht, so bleibe das in einer sehr großen Dimension. Die Prognose sehe so aus, dass 2025 die Busse des Schienenersatzverkehrs der S-Bahn etwa eine Million und zwanzigtausend Kilometer rollen. Drei Wochen dauern die Arbeiten mit der Sperrung der Strecke Bad Cannstatt–Fellbach bis Sonntag, 21. Dezember, 4 Uhr. Infos unter www.s-bahn-stuttgart.de.